Niederamt

«Stifte» gesucht: 50 Lehrstellen bleiben zu Beginn des Lehrjahres verwaist

Auch im Niederamt konnten heuer nicht alle Lehrstellen besetzt werden, vor allem in technischen Berufen fehlt der Nachwuchs.

Auch im Niederamt konnten heuer nicht alle Lehrstellen besetzt werden, vor allem in technischen Berufen fehlt der Nachwuchs.

Viele Firmen in der Region suchen noch nach Lernenden – besonders für technische Berufe.

Anfang August beginnt für viele Schulabgängerinnen und Schulabgänger ein neues Kapitel in ihrem Leben: Sie treten ihre Lehrstelle an. So auch im Niederamt, das mit Unternehmen wie dem Kernraftwerk Gösgen, der Leoni Studer in Däniken oder der Login Lehrwerkstatt in Trimbach über einige grössere Ausbildungsbetriebe verfügt.

Dennoch: Alle Lehrstellen konnten auch in diesem Jahr nicht besetzt werden. Im Niederamt waren per Ende letzter Woche noch knapp 50 Lehrstellen im Lehrstellennachweis des Kantons aufzufinden. Gesucht sind Automobil-Mechatroniker, Elektroinstallateure, Maler, Polymechaniker. «Durchs Band alle Branchen im Kanton Solothurn haben Mühe, all ihre Lehrstellen zu belegen», weiss Ruedi Zimmerli, der Abteilungsleiter Berufslehren des Solothurner Amts für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen. Per Ende der letzten Woche wurden im ganzen Kanton 2230 Lehrverhältnisse genehmigt, 337 waren noch offen.

Auch Autobranche betroffen

Einer der Betriebe, der nicht alle Lehrstellen besetzen konnte, ist die Garage Marti in Niedergösgen. Das Unternehmen hatte für dieses Jahr vier Lehrstellen ausgeschrieben: eine als Automobil-Mechatroniker, eine als Carrossier Lackiererei, eine als Carrossier Spenglerei und eine als Detailhandelsfachmann. Jene des Carrossier Spenglerei und des Detailhandelsfachmannes sind nach wie vor leer.

Heuer konnte das Unternehmen die Lehrstellen relativ spät besetzen, eine gar erst letzte Woche, wie Ronnie Peier, der technische Leiter der Garage Marti, berichtet. «Das ist relativ ungewöhnlich.» Die Garage bildet in Niedergösgen derzeit zehn Lernende in sechs verschiedenen Berufen aus. «Wir haben dieses Jahr sehr wenige Bewerbungen erhalten, die unseren Ansprüchen genügen. Einige davon haben auch nicht unserer Firmenphilosophie entsprochen.» Grund dafür, so Peier, sei vielleicht auch der Status der Automobilbranche.

Ausserdem seien die jungen Leute heute stark auf gymnasiale Ausbildungen fokussiert. Besetzt werden die beiden freien Lehrstellen nicht mehr. «Wir werden sie jedoch nächstes Jahr wieder ausschreiben», kündigt Ronnie Peier an. Mittelfristig würden unbesetzte Lehrstellen den Fachkräftemangel noch verstärken. «Wir wollen aufmerksam sein, um auch zukünftig gut ausgebildete Fachkräfte zu haben.»

KV bleibt beliebt

«Am meisten Lehrverhältnisse haben wir im kaufmännischen Bereich, in der Gesundheit, im Detailhandel und in der Logistik abschliessen können», erzählt Ruedi Zimmerli vom Amt für Berufslehren weiter. Von Schwierigkeiten, geeignete Lernende als Logistiker zu finden, berichtet hingegen Sandra Guldimann, die Lehrlingsverantwortliche vom Kabeltechnologieunternehmen Leoni Studer in Däniken: «Vor vier bis fünf Jahren wurden wir mit Bewerbungen fast überschwemmt, heute hat das nachgelassen.»

Die beiden Lehrstellen im kaufmännischen Bereich seien hingegen schnell besetzt gewesen. Nun hat die Firma am Standort in Däniken, wo sie je zwei Ausbildungsplätze in den Berufen Kaufmann, Produktionsmechaniker und Logistiker anbietet, alle Lehrstellen besetzen können. Gründe für die Schwierigkeiten sieht Guldimann darin, dass in den letzten Jahren eher soziale Berufe in der Pflege bzw. im Gesundheitsbereich gefragt seien. «Die technischen Berufe haben generell ein Problem», ist sie sich sicher.

«Weniger Bewerbungen»

Die noch unbesetzten Lehrstellen sind vor allem im technischen Bereich anzusiedeln. Lehrstellen im sozialen Bereich scheinen alle besetzt zu sein. Heidi Aeschlimann, die Leiterin der Pflege im Pflegeheim Haus im Park in Schönenwerd, berichtet denn auch, dass all ihre Lehrstellen, welche für den Stellenantritt von August 2017 ausgeschrieben waren, belegt sind. Das waren eine Stelle als Assistentin Gesundheit und Soziales, eine als Fachfrau Gesundheit, eine als Fachfrau Hauswirtschaft, eine als Fachmann Betriebsunterhalt und eine als Koch.

Heidi Aeschlimann sagt aber auch, dass die Suche nach geeigneten Lernenden in der Pflege schwieriger war als auch schon: «Die Anzahl der Bewerbungen hat abgenommen.» Um dem entgegenzuwirken, führt das Haus im Park Berufsinfotage durch, um den potenziellen Lernenden die Vorteile einer Lehre in einem Pflegheim vor Augen zu führen. «Es stimmt nämlich nicht, dass im Spital immer Action, in einem Pflegeheim immer Langeweile herrscht», weiss Aeschlimann.

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