Die Zukunft der Poststelle Dulliken ist ungewiss. Die Post AG ist daran, ihr Poststellennetz zu straffen. Im Zuge dessen könnte es zu einer Schliessung der Dulliker Filiale kommen. Als mögliche Alternative schwebt der Post AG eine Agenturlösung zusammen mit einem Partnerbetrieb in Dulliken vor.

Darüber haben zwei Vertreter der Post AG den Gemeinderat von Dulliken letzte Woche an einer gut besuchten Gemeinderatssitzung informiert. Mit einigen ihrer Aussagen haben die beiden Postvertreter für Erstaunen gesorgt. Nicht alle scheinen die Einschätzungen der Post AG bezüglich der Kundenfrequenz, der Dichte des Poststellennetzes in der Region und der Vorteile einer Agenturlösung zu teilen. Manche werfen der Post AG gar vor, die Situation in Dulliken schlechter darzustellen, als sie in Wahrheit ist. Was ist an diesen Vorwürfen dran?

Die Kundenfrequenz

In ihrer Präsentation an der Gemeinderatssitzung hatten die beiden Postvertreter festgehalten, dass die Poststelle Dulliken von Privatkunden gut genutzt werde. Das Mengenvolumen (d.h. die Anzahl Briefaufgaben, Einzahlungen und Sendungsabholungen) hätte in den Jahren 2010-2017 zugenommen, sei aber absolut betrachtet auf einem eher tiefen Niveau.

Konkrete Angaben zur Kundenfrequenz wurden an der Gemeinderatssitzung keine kommuniziert. Bekannt ist aber die Anzahl ausgeführter Transaktionen: So wurden in der Poststelle Dulliken im Jahr 2017 pro Tag durchschnittlich 456 Einzahlungen getätigt, 41 Sendungen abgeholt sowie 399 Briefe und 70 Pakete aufgegeben.

Was bedeutet Ihnen die Poststelle Dulliken?

Allgemein ist die Poststelle Dulliken dafür bekannt, rege genutzt zu werden. Wie ein Augenschein vor Ort und eine kleine, nicht-repräsentative Umfrage unter den Kunden der Poststelle Dulliken ergab, scheint diese Einschätzung nicht völlig falsch zu sein: Gemäss einer Stichprobe am Montag, 12. März, betraten zwischen 15.30 und 17 Uhr über 50 Personen die Schalterhalle.

Alle Befragten sagten aus, sie seien selten die einzigen Kunden in der Schalterhalle, und zwar unabhängig davon, zu welcher Tageszeit sie die Post besuchen würden. Des Öfteren müsse man gar anstehen. An besagtem Montag hielten sich wiederholt bis zu fünf Personen gleichzeitig in der Schalterhalle auf. Und dabei sei der Betrieb an diesem Montag eher unterdurchschnittlich gewesen, wie es dem Vernehmen nach hiess.

Das Poststellennetz

Weiter argumentierten die beiden Postvertreter, das Poststellennetz in der Region sei dicht genug: In naher Distanz zu Dulliken würden sich die Filialen Däniken, Schönenwerd und Olten befinden.

Das ist natürlich richtig. Allerdings ist die Poststelle Schönenwerd nur bis 2020 gesichert, und der Fortbestand der Poststelle Däniken wird gegenwärtig ebenfalls überprüft. Die Hauptpost in Olten ist für die meisten der befragten Dulliker Postkunden nicht attraktiv, weil die Zufahrt kompliziert und das Parkplatzangebot zu klein sei.

Darüber hinaus befinden sich im Niederamt nur noch drei weitere Poststellen: in Lostorf und Trimbach (gesichert bis 2020) und in Erlinsbach (bereits in Überprüfung). In den Gemeinden Starrkirch-Wil, Winznau, Stüsslingen, Obergösgen, Niedergösgen und Gretzenbach wurden bereits Agenturen eingerichtet.

Gemäss einer repräsentativen Erhebung zur Postversorgung in der Schweiz, die das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) letztes Jahr in Auftrag gegeben hat, schneiden Agenturen bei den Kunden schlechter ab als Postfilialen: Jene Kunden, die hauptsächlich eine Agentur nutzten, empfanden die Dienstleistungen der Post als weniger zufriedenstellend als jene Kunden, die mehrheitlich eine Postfiliale nutzten. Neben der Qualität der Dienstleistungen wurden bei den Agenturen vor allem die Freundlichkeit des Personals und der Service bemängelt.

Die Agenturlösung

Die Post bewirbt die Agenturlösung mit dem Vorteil der erweiterten Öffnungszeiten. Allerdings scheinen die Öffnungszeiten nicht das Hauptproblem der Postkundschaft zu sein. Wie die kleine Umfrage in Dulliken gezeigt hat, sind die meisten Kunden ganz zufrieden mit den Öffnungszeiten.

Auch die repräsentative Erhebung des BAKOM kommt zum Schluss, dass die Öffnungszeiten bei den Kunden keine grosse Priorität geniessen. Wichtigstes Kriterium ist stattdessen die Erreichbarkeit der Poststelle, dicht gefolgt von den Öffnungstagen und den angebotenen Zahlungsdienstleistungen.

Noch ist im Fall Dulliken nichts entschieden. In absehbarer Zeit sei auch nicht mit einem konkreten Entscheid der Post AG zu rechnen, wie Andreas Gervasoni, Gemeindeschreiber von Dulliken, die Lage einschätzt. Sollte es aber dereinst zu einem Entscheid kommen und sollte die Gemeinde Dulliken mit diesem nicht einverstanden sein, so kann sie die Eidgenössische Postkommission (PostCom) anrufen. Diese wacht darüber, dass die Post AG die Vorgaben bezüglich der Grundversorgung einhält und die Anforderungen an die Dialogführung mit den Gemeinden erfüllt.