Hauenstein-Ifenthal
Statt Fusion hiess es: selbstständig bleiben

An seiner letzten Gemeindeversammlung zog Präsident Jürg Ryffel Bilanz über acht Amtsjahre. Was die Gegenwart betrifft, waren ein Rechnungsabschluss über Erwartung und die Suche nach neuen Gemeinderäten die Hauptthemen.

Christian von Arx
Merken
Drucken
Teilen
Alter und neuer Gemeinderat von Hauenstein-Ifenthal vereint (von links): Drei Abtretende – Vizepräsident Beat Näf, Jacqueline Eng und Gemeindepräsident Jürg Ryffel; zwei Neue – Stefan Berchtold (Kandidat fürs Gemeindepräsidium) und Esther Pfister; und zwei Bisherige, die weitermachen – Marlies Strub und Martin Hengartner. Es fehlt der neue Gemeinderat Markus Börlin.

Alter und neuer Gemeinderat von Hauenstein-Ifenthal vereint (von links): Drei Abtretende – Vizepräsident Beat Näf, Jacqueline Eng und Gemeindepräsident Jürg Ryffel; zwei Neue – Stefan Berchtold (Kandidat fürs Gemeindepräsidium) und Esther Pfister; und zwei Bisherige, die weitermachen – Marlies Strub und Martin Hengartner. Es fehlt der neue Gemeinderat Markus Börlin.

Christian von Arx

311 Einwohnerinnen und Einwohner leben in Hauenstein-Ifenthal, davon 218 Stimmberechtigte. 17 von ihnen versammelten sich am Montagabend zur Rechnungsgemeindeversammlung im Pfarreiheim Ifenthal. Allein 7 der Anwesenden gehörten dem alten oder neuen Gemeinderat an. Von den übrigen dürften die meisten in einer Kommission oder einer andern Funktion im Dienst der Gemeinde stehen oder früher gestanden haben.

Das Reservoir, aus dem die Gemeinde für die Besetzung ihrer Behörden schöpfen kann, ist also klein. Der abtretende Gemeindepräsident Jürg Ryffel hat darum ein Hauptziel erreicht, als die Posten für die kommende Amtsperiode wieder vollständig besetzt waren. Der fünfköpfige Gemeinderat ist in stiller Wahl gewählt, er besteht aus zwei bisherigen und drei neuen Mitgliedern.

Einer der Neuen, der 35-jährige Walliser Stefan Berchtold, kandidiert als Gemeindepräsident. Ob er noch Konkurrenz bekommt, wird sich bald zeigen: Am 15. Mai läuft die Anmeldefrist ab. Von den Neuen sollen Esther Pfister das Ressort Schule, Markus Börlin die Infrastruktur und Stefan Berchtold die Finanzen übernehmen.

Viel investiert – Schuld steigt an

Seine letzte Gemeindeversammlung als Präsident brachte Ryffel schlank über die Bühne. Die Rechnung 2016 schloss viel besser als erwartet: Statt eines Defizits von 80 000 Franken resultierten 130 000 Franken Überschuss. Doch weil die Gemeinde über eine halbe Million investierte und sich dafür um 310 000 Franken verschulden musste, stieg die Pro-Kopf-Schuld trotzdem um rund 1000 Franken an.

Die Rechnung wurde einstimmig genehmigt. Mit vier Nachtragskrediten für Kreditüberschreitungen von gesamthaft knapp 37 000 Franken erfüllte Finanzverwalter Ruedi Ziegler die strengen Vorgaben des Amts für Gemeinden. Die Versammlung gab ihr Okay bei einer Enthaltung.

Die Rechnung 2016 wurde erstmals nach dem neuen Rechnungsmodell HRM 2 geführt. Das brachte die Rechnungsprüfungskommission (RPK) an die Grenzen. Weil RPK-Präsident Urs Bitterli nach 16 Amtsjahren aufhört, drei weitere Mitglieder nicht mehr antreten und sich keine neuen Mitglieder mit den nötigen Ausweisen (Buchhalter mit eidg. Fachausweis) finden liessen, schlug der Gemeinderat eine Änderung der Gemeindeordnung vor: Neu kann er die Aufgabe der Revisionsstelle einer aussenstehenden anerkannten Fachstelle übertragen. Nach Einholung einer Offerte schlug er dafür die Solidis Treuhand AG, Olten, vor. Die Gemeindeversammlung genehmigte diese Lösung nun einstimmig.

Als Folge der Sanierung der Ifenthalerstrasse verkauft die Gemeinde ein kleines Stück Land, das sich vor dem Eingang eines Hauses beim Müllerweg befindet, an diese Anwohner. Die Käufer erhalten die 66 m2 zum symbolischen Preis von 1 Franken, übernehmen aber Schreibgebühren und Geometerkosten. Die Gemeinde spart Aufwand fürs Mähen oder die Schneeräumung. Die Gemeindeversammlung akzeptierte diesen Handel einstimmig.

Alterswohnen statt Erotik

Jürg Ryffel orientierte, dass sich der alte und neue Gemeinderat mit dem neuen Besitzer des Areals des Motels (Ex-«Bolero») getroffen haben. Dieser möchte auf dem Areal bei der Hauenstein-Passhöhe Alterswohnungen und Gemeinschaftsräume realisieren und lässt zurzeit Varianten ausarbeiten. Er wäre interessiert am Ersatz der «Läufelfingerli»-Bahnlinie durch eine Busverbindung zwischen Sissach und Olten und an einer Bushaltestelle vor dem Areal. Ein nächstes Treffen mit ihm ist vereinbart. Für die Bevölkerung soll es einen Informationsabend geben, sobald die Pläne genügend konkret sind.

Nach Fusions-Nein durchgestartet

Seine 22. und letzte Gemeindeversammlung schloss Jürg Ryffel mit persönlichen Gedanken zu seiner Amtszeit. Vor acht Jahren hatte er das Amt als 59-jähriger Quereinsteiger angetreten, mit dem klaren Ziel, das Fusionsprojekt Olten plus (mit Olten, Trimbach und Wisen) zu realisieren: «Leider hat Olten dieses Projekt verworfen», hielt Ryffel fest.

Danach packte der Gemeinderat die Zukunft ohne Olten an: Erschliessung des neuen Quartiers Grabenmatt/Feldweg, Strassensanierungsprojekte, darunter als grösstes die Ifenthalerstrasse, die nach 7-jähriger Planungsphase im Amt für Verkehr und Tiefbau mit einem Fest am 19. August 2016 abgeschlossen werden konnte. Nach dem Konkurs der Eventhouse AG zonte die Gemeinde das Bolero-Areal in eine Wohnzone um, was nun das neue Projekt Alterswohnen ermöglicht hat.

«Vieles ist dank der sehr guten Verwaltung mit Gemeindeschreiberin Anna Zimmermann und Finanzverwalter Ruedi Ziegler gelungen», lobte Jürg Ryffel und sagte mit bewegter Stimme: «Ich habe neue Freunde gefunden.» Mit langem Applaus dankte ihm die Versammlung für seinen achtjährigen Dienst an der Gemeinde.