Camiro ist hoch konzentriert. Der strubbelige Mischling wuselt durch das Schlafzimmer, schnuppert am Bett, am Nachttischchen, am Regal. Plötzlich kratzt der vierjährige Rüde ganz aufgeregt mit der Vorderpfote an der Armlehne eines Sessels: Hier muss es sein! Und tatsächlich zieht Hundetrainerin Manuela Stäheli Weishaupt ein kleines Glasröhrchen aus der Lehne. Darin befinden sich: vier lebende Bettwanzen.

 Kaum zwei Minuten hat der ehemalige Strassenhund gebraucht, um die bis zu einem Zentimeter grossen Blutsauger ausfindig zu machen (siehe Bild links). Solche und ähnliche Suchübungen absolviert er regelmässig. Sie finden jeweils in Lostorf in einem Trainingsraum statt, der mit diversen Möbeln ausgestattet ist. Mit diesen lassen sich unterschiedliche Einsatzorte nachstellen.

Bettwanzen statt Trüffeln

Camiro ist einer von vier Bettwanzenspürhunden, die Stäheli Weishaupt ausgebildet hat. Seit vier Jahren bietet die Obergösgerin den Bettwanzensuchdienst an. Auf diese doch eher ungewöhnliche Geschäftsidee kam die 40-Jährige über Umwege: Um ihren Tieren eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten, begann sie, diese zu Trüffelspürhunden auszubilden.

Reportage Bettwanzenspürhunde Camiro im Einsatz.

Bettwanzenspürhund Camiro im Einsatz.

Das funktionierte gut, hatte aber einen Haken: «Die Trüffelsuche ist eine saisonale Angelegenheit. Die Hunde lassen sich damit einige wenige Monate lang beschäftigen, danach gibt es für sie nichts mehr zu tun», erklärt Stäheli Weishaupt. Von einem Hundetrainer erhielt sie den Tipp, auf Bettwanzen umzusteigen: Diese seien das ganze Jahr hindurch aktiv und den Hunden würde deshalb die Beschäftigung nicht mehr so schnell ausgehen.

Keine Frage der Hygiene

So kam es, dass Stäheli Weishaupt ihre Vierbeiner auf den Duft der blutsaugenden Parasiten abzurichten begann. Als die Hunde in der Lage waren, zuverlässig Bettwanzen aufzuspüren, eröffnete sich die Möglichkeit, diese Dienstleistung einer interessierten Kundschaft anzubieten. Und die Nachfrage liess nicht auf sich warten: Nebst Privatpersonen nehmen heute Hotels, Altersheime, Kliniken und Asylunterkünfte den Bettwanzensuchdienst in Anspruch.

Diskretion ist beim Job von Stäheli Weishaupt das A und O: «Noch immer wird ein Bettwanzenbefall fälschlicherweise mit mangelnder Hygiene in Zusammenhang gebracht», erklärt die Hundetrainerin. Dabei hat es mit Reinlichkeit wenig zu tun, ob sich Bettwanzen einnisten oder nicht: Sind sie erst einmal eingeschleppt worden, dann reicht ihnen die kleinste Ritze, um sich tagsüber zu verkriechen. Ihr Versteck lässt sich oft nur mithilfe von Spürhunden genau lokalisieren. Einmal eingenistet, lassen sich die Parasiten nur durch den Einsatz eines Schädlingsbekämpfers ausmerzen.

Suchdienst ist sehr gefragt

Viele Hotels warten nicht ab, bis sich ein Gast über Bettwanzen beschwert, sondern lassen ihr Haus vorsorglich in regelmässigen Abständen von Stäheli Weishaupt und ihren Hunden absuchen. So kann ein möglicher Befall früh entdeckt und beseitigt werden, noch bevor er den Gästen auffällt.

Bei diesen Routinekontrollen wird jedes einzelne Hotelzimmer von einem der vier Spürnasen genau durchsucht. Im Schnitt dauert die Suche etwa eine Viertelstunde. Ein einzelner Hund kann dabei drei bis vier Zimmer nacheinander durchschnüffeln, danach braucht er eine Pause. Die Kontrolle eines grossen Hotels mit vielen Zimmern kann deshalb einige Tage in Anspruch nehmen.

Während Gästehäuser das ganze Jahr über den Service in Anspruch nehmen, melden sich Privatpersonen vor allem nach den Schulferien beim Bettwanzensuchdienst: Einige Wochen nach der Rückreise haben sich die eingeschleppten Parasiten nämlich ausreichend vermehrt, um zu einer Plage zu werden.

Die Nachfrage ist unterdessen so gross, dass Stäheli Weishaupt vom Bettwanzensuchdienst leben könnte - wenn sie denn wollte. Der Vierbeiner wegen verzichtet sie aber darauf: «Um meinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten, müsste ich meine Hunde selbst dann einsetzen, wenn sie eigentlich Ruhe benötigen würden.» Die Nasenarbeit sei für die Hunde sehr anstrengend, und aus der reinen Beschäftigung dürfe keine Überforderung werden. Ausserdem sinke die Zuverlässigkeit, wenn ein Spürhund zu oft auf die Suche geschickt werde.

Bereits jetzt stehen Camiro und seine drei Kollegen fast täglich im Einsatz. Und solange die Reisefreudigkeit der Menschen anhält, droht den Spürnasen die Beschäftigung nicht so schnell auszugehen.