Stüsslingen

Spielplatz bringt den Gemeinde-Präsidenten ins Schwitzen

Der aktuelle Spielplatz von Stüsslingen. Neu wird hier eine Spiel- und Begegnungszone entstehen.

Der aktuelle Spielplatz von Stüsslingen. Neu wird hier eine Spiel- und Begegnungszone entstehen.

In der Diskussion um die neue Begegnungszone konfrontierten Bürger den Gemeinderat mit einem Platzverbot. Derzeit herrscht auf dem ganzen Schulareal nach Schulschluss Aufenthaltsverbot. - der Spielplatz soll den ganzen Tag über zugänglich sein.

Damit hatte der Gemeinderat gerechnet: Rund 50 Bürgerinnen und Bürger erschienen an der Gemeinde-Budgetversammlung am Montagabend. Mehrheitlich Eltern von Kindern im Schulalter.

Nicht, weil dies so üblich ist, sondern wegen eines bestimmten Traktandums: dem Bau einer neuen Spiel- und Begegnungszone auf dem Schulhausareal Gärbet.

Längst nicht alle wollten für die 65 000-Franken-Offerte der Luzerner Firma Ecovia stimmen, obwohl heute für die über hundert Kinder das einzige öffentliche Kinderspielgerät eine Rutsche mit Leiter ist.

Viele Familien in der Gemeinde wohnen in Einfamilienhäusern und haben im Garten eigene Spielanlagen. In der Diskussion stellte sich heraus: Für die Befürworter der Investition ging es nicht nur um die Spielgeräte, sondern darum, eine Begegnungszone zu schaffen.

Für die Kinder, aber auch für die Eltern und andere Einwohner. «Als Neuzugezogene habe ich einen richtigen Spielplatz vermisst. Andere Mütter lernt man nämlich erst kennen, wenn die Kinder in den Kindergarten gehen. Oder eben bei einem Spielplatz», sagte eine Mutter.

Das Projekt lässt sich aber auch einiges kosten. «Zugegeben, den Auftrag würde nicht die günstigste Firma erhalten», sagte Gemeindepräsident Marco Wyss. Dafür biete diese aber als einzige ein komplettes Konzept mit Spielgeräte, Rückzugsmöglichkeiten wie Sitzbänken und Grünfläche an.

Aus dem Gemeinde-Portemonnaie kann laut Wyss das Projekt aber nicht vollständig finanziert werden. Zur Verfügung stehe ein zweckgebundenes Legat (abgerundet 27 000 Franken).

Der Rest müsste über Sponsoren, Stiftungen und Eigenleistungen finanziert werden. «Nach Einschätzungen müssten wir gute Chancen haben, um Stiftungsgelder zu erhalten», sagte er optimistisch.

Es gebe auch die Möglichkeit, dass der Platz etappenweise entstehe. Zudem könnten Schulkinder, Eltern und Einwohner bei der Erstellung mithelfen. «Dann gibt es hoffentlich auch weniger Vandalenakte.»

Umstrittenes Verbot

Nach diesem Stichwort kam die Frage nach allfälligen Öffnungszeiten auf. Genau konnte der Gemeindepräsident diese nicht beantworten, voraussichtlich sei aber ganztags plus Wochenende vorgesehen.

Es werde auf jeden Fall eine Benutzerordnung geben. Ein heisser Punkt, wie sich herausstellte: Derzeit herrscht auf dem ganzen Schulareal nach Schulschluss Aufenthaltsverbot.

«Mein Sohn darf nach der Schule also nicht auf dem Sportplatz Fussball spielen», sagte ein wütender Vater. «Auch in Zukunft nicht, während nebenan kleinere Kinder auf dem neuen Spielplatz spielen dürfen?» Das Verbot kritisierten auch andere Eltern in der Versammlung. Dieses müsse aufgehoben werden.

Marco Wyss liess sich aber wortlos nicht auf Bedingungen ein und liess die Frage nach dem Aufheben des Verbots offen. Benno Bucher, Gemeinderat Öffentliche Sicherheit, argumentierte, dass das jetzige Verbot «nur ein Mittel zum Vorgehen gegen Gesetzesbrecher» sei.

Im Sommer habe man zusätzliches Geld aufwenden müssen, weil Leute Whisky- und Bierflaschen auf dem Schulareal zerschlugen. Bestehe ein Verbot, könne man entsprechend Anzeige erstatten.

Schliesslich stimmten 35 Leute für den neuen Spielplatz. 4 enthielten sich, 14 stimmten dagegen, mit einer ganz ernsten Miene. Weil sie gegen einen neuen Spielplatz sind oder weil weiterhin das umstrittene Platzverbot gilt?

Bucher ist sich des herrschenden Frusts bewusst und meinte nach der Versammlung: «Wir werden uns sicher noch damit befassen müssen.»

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