Sie rennen über die Spielwiese neben dem Kindergarten, probieren die bereitgestellten Dreiräder aus, versuchen sich im Ringewerfen oder setzen sich an die Maltische. Den Kindern gefällt der erste Spielnachmittag im Rahmen des mobilen Spielplatzes im Quartier Rankwog in Trimbach. Doch die Erwartungen an das Pilotprojekt sind hoch: «Wir hoffen, über die Kinder den Dialog zwischen den Erwachsenen fördern zu können», sagt der Trimbacher Gemeindepräsident Martin Bühler. Schliesslich lebten im Rankwog «zehn Prozent der Einwohner Trimbachs». Der Anteil der Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund sei hoch.

Dies und die engen Verhältnisse führten zu Spannungen und Konflikten, sagt Bühler.
Die Spielnachmittage für die Kleinen sollen darum eine Wirkung auf das gesamte Quartier haben. Und die Situation entschärfen: «Der Rankwog ist ein Brennpunkt», sagt auch John Steggerda, Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde Trimbach-Wisen. Die soziale Not sei gross. Ziel des Projekts sei deshalb, «aus der Wohnsiedlung am Rand von Trimbach eine Gemeinschaft» zu machen und die Lebensqualität aller zu verbessern.

Warum ein Projekt mit Kindern?

Das Projekt entstand aus einer Initiative einiger Rankwog-Bewohnern heraus. Der Wunsch nach einem offenen Spielplatz für alle Kinder wurde geäussert. Betroffene aus dem Quartier, die Offene Kinder- und Jugendarbeit Trimbach und der Sozialdienst der römisch-katholischen Kirchgemeinde arbeiteten das Konzept der Spielnachmittage aus. Der Bau eines Spielplatzes wurde von der Gemeinde verworfen. «Wir wollten nicht einfach eine Anlage bauen, sondern die Bewohner im Quartier begleiten», erklärt Bühler. Nur so könne eine nachhaltige Verbesserung der Situation im Rankwog erreicht werden. Darum habe man sich für einen mobilen Spielplatz entschieden. Mobil, weil alle Spielsachen und -geräte wieder weggeräumt werden. Finanziell wird das Projekt von der Einwohnergemeinde Trimbach, der Kirchgemeinde sowie dem kantonalen Integrationsprogramm unterstützt. Das Budget beträgt 6700 Franken, der Kanton übernimmt davon 3000 Franken.

Im Quartier herrscht laut Bühler noch Skepsis: Der Vorwurf laute, die Gemeinde Trimbach habe lange weggeschaut, und jetzt lanciere sie ein Projekt, dass sich nur um die Kinder drehe. «Damit müssen wir leben», so Bühler. Er versuche, den Kritikern zu erklären, dass sich durch die Arbeit mit den Kleinsten im Rankwog die Lage aller zum Guten verändern kann. Damit das Pilotprojekt aber funktioniert, sind die Veranstalter auf die Wohnbevölkerung angewiesen. «Ich bin positiv überrascht, dass so viele Eltern und Kinder gekommen sind», sagt Nina Wüthrich.

Die Sozialarbeiterin begleitet die Spielnachmittage und wird jeweils – zusammen mit drei bis fünf Freiwilligen aus dem Quartier – vor Ort sein. Am ersten Nachmittag möchte sie herausspüren, was von den Kindern gewünscht wird. Beim Robi in Olten könnten sie Spielsachen und Material ausleihen. «Ich hoffe, dass Leute aus allen Wohnhäusern im Rankwog kommen, damit sich die Situation verbessert», sagt Wüthrich. Bei den Erwachsenen seien die Fronten zwar verhärtet, bei den Kindern aber nicht. Darauf zähle sie.

Über die Kinder an die Erwachsenen gelangen: Dieser Aufgabe muss sich der Spielnachmittag nun stellen. Bis zu den Herbstferien läuft die Pilotphase. Dann evaluieren die beteiligten Organisationen, ob und in welcher Form die Nachmittage weitergeführt werden. Bühler: «Unsere Hoffnung ist, dass eine Bürgerinitiative entsteht und es keine Begleitung von uns mehr braucht.»