Lostorf
Speicher bleibt wider Willen unter Denkmalschutz

Ein Steinspeicher in Lostorf steht unter kantonalem Denkmalschutz. Die Besitzer haben beantragt, das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert aus der Inventarliste der geschützten Kulturgüter streichen zu lassen. Der Kanton hat das Anliegen abgelehnt.

Lena Bueche
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Steinspeicher wie hier in Lostorf sind im unteren Kantonsteil selten geworden.

Steinspeicher wie hier in Lostorf sind im unteren Kantonsteil selten geworden.

Bruno Kissling

Von vielen unbemerkt, steht in einem Obstgarten mitten im historischen Dorfkern von Lostorf ein alter Speicher. Selbst Einheimische haben keine Kenntnis von dessen Existenz, geschweige denn von der Tatsache, dass der Speicher im Verzeichnis der geschützten Kulturdenkmäler des Kantons Solothurn aufgeführt ist. Der geringen Bekanntheit zum Trotz schaffte es der Speicher kürzlich auf die Traktandenliste des Solothurner Regierungsrates. Anlass war ein Antrag auf Schutzentlassung.

Bereits im vergangenen September hatte die Eigentümerschaft des Speichers bei der kantonalen Denkmalpflege ein Gesuch eingereicht mit dem Ziel, den Speicher aus dem kantonalen Denkmalschutz zu entlassen. Darin machte sie auf den schlechten baulichen Zustand des Speichers aufmerksam und auf die Unverhältnismässigkeit des Schutzstatus. Das Gesuch wurde von der kantonalen Denkmalpflege-Kommission geprüft und abgelehnt. Daraufhin stellte die Eigentümerschaft einen Antrag an den Regierungsrat. Dieser ist gemäss Kulturdenkmäler-Verordnung dazu befugt, eine Schutzentlassung zu verfügen, «wenn die Gründe, die zur Unterschutzstellung geführt haben, nicht mehr gegeben sind», wie es in der Verordnung heisst.

Im Fall des Lostorfer Speichers, der bereits 1945 unter Schutz gestellt wurde, scheinen die Gründe weiterhin gegeben zu sein, wie ein von der Denkmalpflege verfasster Fachbericht nahelegt: Der Speicher sei – mit Ausnahme der Dachkonstruktion – in einem recht guten Zustand und stehe mitten in einer weitgehend intakten Umgebung. Auf Grundlage dieses Berichtes beschloss der Regierungsrat Anfang April, dem Antrag keine Folge zu leisten.

Der Steinspeicher steht also weiterhin unter Denkmalschutz. Der Regierungsrat hält in seinem Beschluss fest: «Der Speicher wird nach wie vor als wichtiges Kulturdenkmal eingestuft, dessen Erhaltung im Interesse der Öffentlichkeit liegt.» Die Eigentümerschaft wollte sich auf Anfrage nicht zum Beschluss äussern. Gegen den Regierungsratsbeschluss wurde keine Beschwerde eingereicht.

Besonderer Gebäudetypus

Die Besonderheit des Lostorfer Speichers, der im 17 Jh. erbaut und im 18. Jh. erweitert wurde, ist seine Bauweise: Er ist aus Stein und verfügt über einen Gewölbekeller. Vor allem im unteren Kantonsteil ist dieser Gebäudetypus selten geworden, wie dem Fachbericht der Denkmalpflege zu entnehmen ist. Viel häufiger sind Speicher, die aus Holz erbaut sind. Wie der kantonale Denkmalpfleger Stefan Blank auf Anfrage erklärt, sind im Schutzinventar des Kantons Solothurn insgesamt 147 Speicher aufgeführt; 122 davon sind kantonal geschützt. Die meisten befinden sich im oberen Kantonsteil in den beiden Bezirken Bucheggberg und Wasseramt.

Was dem Speicher in Lostorf zusätzliche Bedeutung verschafft, ist seine Lage. Wie der Fachbericht der Denkmalpflege festhält, ist im Gebiet nördlich der Hauptstrasse die ursprüngliche Dorfstruktur noch gut erhalten. Lostorf sei als Strassendorf konzipiert worden: Entlang der langgezogenen Hauptstrasse reihten sich grosse Bauernhäuser, die über Obstgärten und Kleinviehweiden verfügten. Darin stünden Scheunen, Speicher und Unterstände. Der besagte Steinspeicher in Lostorf sei noch heute in eine Situation eingebettet, die dem historischen Dorfbild entspreche, und sei deshalb erhaltenswert.

Schutzentlassungen sind selten

Nicht alle Eigentümer sind glücklich darüber, dass ihre Liegenschaft unter Denkmalschutz steht. Trotzdem werde nur selten ein Antrag auf Schutzentlassung gestellt, wie Stefan Blank erklärt. Und wie das aktuelle Beispiel aus Lostorf zeigt, sind längst nicht alle Anträge erfolgreich: In den letzten zehn Jahren kam es lediglich zu sieben Schutzentlassungen.

Der jüngste Fall betrifft einen Steinspeicher in Däniken, der im März 2017 aus dem kantonalen Denkmalschutz entlassen wurde. Häufiger kommt es zum gegenteiligen Prozess: Insgesamt 35 Objekte wurden in den vergangenen zehn Jahren neu unter Schutz gestellt.

Subventionsgesuche nehmen zu

Eigentümer eines denkmalgeschützten Objektes dürfen mit einer finanziellen Unterstützung durch den Kanton rechnen, wenn sie Erhaltungs- und Pflegemassnahmen durchführen. Die Zahl der Subventionsgesuche hat in den letzten Jahren stetig zugenommen: Wurden im Jahr 2009 noch 95 Gesuche gestellt, waren es im Jahr 2017 bereits 120. Die Mehrheit der Gesuche wird bewilligt. Der Kostenanteil, der vom Kanton übernommen wird, hängt vom Objekt und den konkreten Massnahmen ab; handelt es sich beispielsweise um einen Speicher, so werden 33 bis 50 Prozent der anfallenden Restaurierungskosten vom Kanton getragen.

Insgesamt wurden im Jahr 2017 Restaurierungsbeiträge in der Höhe von knapp 2,3 Millionen Franken ausbezahlt. Davon stammten rund 1 Mio. Franken aus dem Lotteriefonds und 563 000 Franken vom Bund. Der Kanton steuerte 685 000 Franken bei. Damit wurde der Betrag von 650 000 Franken, der dem Amt für Denkmalpflege jährlich für Unterstützungsbeiträge zur Verfügung steht, leicht überschritten.

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