Wie viele Leute sie erwarten, könne er nicht einschätzen. Aber ums Essen müsse man sich keine Sorgen machen: «Bei uns Serben gibt es immer genug», erzählt Ivan Milovanović vom Serbischen Kultur- und Folkloreverein Schönenwerd und lacht. Zusammen mit den ungefähr 200 Mitgliedern feierte er am Wochenende das 20-jährige Bestehen des Vereins.

«In den 90er-Jahren wurde ein humanitärer Verein gegründet, der Güter in die Kriegsregionen brachte. Daraus bildete sich gegen Kriegsende eine serbische Zusatzschule und eine Folkloresektion», blickt Milovanović im Garten des Vereinslokals an der Aarauerstrasse in Schönenwerd zurück. Der Klub ist nach Vuk Stefanović Karadžić benannt, weil er als höchster Lehrer Serbiens gilt. Im Schatten der Bäume sitzen Mitglieder und Gäste und plaudern.

Gesprochen wird Serbisch und Schweizerdeutsch. Dann unterbricht Ivan seine Erzählungen und bietet dem Gast Brot und Salz an. In Serbien ist dies Brauch. Auf die Frage wieso, weiss aus der Runde, die sich mittlerweile um uns gebildet hat, spontan niemand eine Antwort. Also zückt einer der Männer sein Handy und schaut nach: «Es ist ein Symbol der Gastfreundschaft», übersetzt er die kyrillischen Buchstaben auf seinem Bildschirm.

Das kulinarische Highlight wartet bereits im Garten: In der Mitte eines riesigen Grills ist ein sich drehendes Spanferkel aufgespiesst. «Das gehört bei uns zum Kulturgut wie bei euch Fondue oder Raclette», witzelt Ivan. Beim Betreten des Vereinslokals wird einem klar, dass er mit seiner Aussage, wonach es bei den Serben nie zu wenig Essen gebe, recht hatte: Auf der linken Seite erstreckt sich ein bemerkenswertes Buffet. Nicht fehlen darf Ajvar, ein Dip aus Peperoni, Pita mit verschiedenen süssen oder salzigen Füllungen, der Bohneneintop Pasulj und natürlich Spanferkel. Weiter hinten im Lokal sind Trachten aus den verschiedenen Landesteilen ausgestellt. Auf einer Leinwand werden Aufnahmen von vergangenen Tanzvorführungen gezeigt.

«Geschichte und Tradition bewahren»

Denn der Verein frönt nicht nur dem Essen und dem gemütlichen Beisammensein. Hauptaktivität ist das Tanzen. «Wir haben sechs Ensembles. Angefangen vom Kindergärtler bis hin zum Senior», berichtet Ivan, der die Gruppe der über 30-Jährigen leitet. Das erste Ensemble trainiert zwei Mal pro Woche und nimmt an nationalen und internationalen Meisterschaften im serbischen Folkloretanz teil. Nächste Woche gehen sie nach Bosnien an die Europameisterschaft.

Serbischer Kultur- und Folkloreverein Schönenwerd

Serbischer Kultur- und Folkloreverein Schönenwerd

   

An einer Wand im Lokal stehen unzählige Pokale und Urkunden, die von diesen Teilnahmen zeugen. Einer von diesen Tänzern aus dem ersten Ensemble ist der 21-jährige Jovan Ivanović aus Langenthal. «Wenn ich vom Tanzen erzähle, meinen die Meisten zuerst, ich spreche von Hip-Hop. Dann muss ich jeweils erklären, was ich genau mache», berichtet er lachend. «Besonders gefallen mir das Tanzen, die Musik und das Zusammensein.» An diesen Tagen der offenen Tür, zu denen Schönenwerds Bevölkerung eingeladen war, kann den Gruppen auch beim Training zugesehen werden.

Aus dem Trainingsraum ertönten laute Worte auf Serbisch, begleitet von Schrittfolgen. Die Jugendlichen stehen in einem Halbkreis, in der Mitte die Leiter. Sobald die Schritte einigermassen sitzen, wird mit Musik geprobt. Beim anschliessenden Essen im Garten erzählt Ivan vom Zweck des Vereins: «Einerseits leisten wir gewöhnliche Vereinsarbeit: Wir schauen dafür, dass die sich die Jugendlichen nicht auf der Strasse herumtreiben. Andererseits möchten wir, dass unsere Geschichte und Traditionen nicht in Vergessenheit geraten.» Dafür wird auch an diesem Wochenende gesorgt: mit Tanz, Musik und ganz viel Essen.