Post eckt an
So gut läuft die Poststelle in Dulliken

Gemäss der Post soll das klassische Schaltergeschäft in Dulliken seit 2016 rückläufig sein. Betrachtet man aber den gesamten Zeitraum 2010 bis 2017, so hat das Volumen der getätigten Transaktionen zugenommen.

Lena Bueche
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Das unterste Stockwerk der Liegenschaft, in der sich die Postfiliale befindet, gehört der Post Immobilien AG.

Das unterste Stockwerk der Liegenschaft, in der sich die Postfiliale befindet, gehört der Post Immobilien AG.

Bruno Kissling

Der Unmut über die drohende Poststellenschliessung in Dulliken hält an. Daran konnte auch die Orientierung durch die Post Anfang März nichts ändern. Damals hatten zwei Delegierte der Post auf Einladung des Gemeinderates über den aktuellen Stand der Überprüfung informiert. Mit ihrem Auftritt haben die beiden Postdelegierten das Unverständnis für die Strategie der Post eher noch verstärkt denn gemindert. Bevölkerung und Behörden fühlen sich mit ihren Bedenken weiterhin nicht ernst genommen.

Demo gegen Postschliessung in Dulliken - Info Gemeinderat
14 Bilder
Die Dullikerinnen und Dulliker wollten damit ein Zeichen gegen eine drohende Schliessung der Poststelle setzen.
Neben der Dorfbevölkerung waren auch Gewerkschafter und Einwohner aus Starrkirch-Wil und Obergösgen anwesend.
Da der Andrang so gross war, musste die Sitzung für dieses eine Traktandum in die Kleinfeld-Aula verlegt werden.
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Die Post-Vertreter hatten es in Dulliken angesichts des kritischen Publikums besonders schwer, die Vorzüge einer Agenturlösung schmackhaft zu machen.
Die Protest-Teilnehmer liessen sich nicht erweichen.
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter

Demo gegen Postschliessung in Dulliken - Info Gemeinderat

Bruno Kissling

Damit ergeht es Dulliken wie vielen anderen Gemeinden landauf, landab. Seit die Post vor zwei Jahren ihre Strategie zum Poststellennetz der Zukunft bekannt gegeben hat, hagelt es von allen Seiten Kritik. Die Post will bis ins Jahr 2020 rund 500 Filialen schliessen und stattdessen alternative Zugangsmöglichkeiten wie Postagenturen oder My-Post-24-Automaten schaffen. Insgesamt soll die Zahl der Zugangsmöglichkeiten von gegenwärtig 3800 auf rund 4200 erhöht werden.

Mit diesem ambitiösen Fahrplan eckt die Post an. Viele Gemeinden fühlen sich überrumpelt. Behörden und Bevölkerung sind mit der hohen Geschwindigkeit, mit der die Post die Umstrukturierung des Poststellenetzes angeht, überfordert. Zudem fürchten sie einen massiven Abbau des Leistungsangebotes.

Mangelnde Transparenz

Für Unmut sorgt auch die Vorgehensweise der Post. Ihr werden mangelnde Transparenz und ungenügende Kommunikation vorgeworfen. So gibt die Post beispielsweise nur spärlich Zahlen und Eckdaten zu den einzelnen Filialen heraus. Das erschwert es für Aussenstehende, die Rentabilität der Filialen abzuschätzen. Die Folge: Behörden und Bevölkerung können nicht nachvollziehen, weshalb «ihre» Filiale in der Darstellung der Post derart schlecht abschneidet. Am Fall Dulliken lässt sich gut veranschaulichen, wie sehr die Einschätzungen der Post und jene von Behörden und Bevölkerung auseinandergehen.

Drei Beispiele seien hier genannt:

Kundenfrequenz: Die Poststelle Dulliken gilt in der allgemeinen Wahrnehmung als gut frequentiert. Auch ein Augenschein vor Ort bestätigte diesen Eindruck (wir berichteten). Der Gemeinderat schätzt, dass im Einzugsgebiet rund 8000 Personen leben, da nebst den Dullikern auch Einwohner aus Starrkirch-Wil und aus dem Obergösger Schachen die Poststelle nutzten.

Die Post ihrerseits verweist auf die Statistik. Gemäss dieser sei das Volumen der getätigten Transaktionen eher niedrig. Zwar habe die Anzahl der Briefaufgaben, Sendungsabholungen und Einzahlungen im Zeitraum 2010 bis 2017 zugenommen. Diese Zunahme sei aber darauf zurückzuführen, dass vermehrt Kunden aus Starrkirch-Wil die Poststelle Dulliken besuchten. Und betrachte man die Zahlen seit 2016, so seien diese rückläufig.

Mietkonditionen: Hohe Fixkosten schmälern die Rentabilität einer Filiale. Über die Höhe der Mietzinsen gibt die Post allerdings keine Auskunft. Die Liegenschaft, in die sich die Poststelle Dulliken eingemietet hat, gehört der Post Immobilien AG.

Trotz der Verschwiegenheit der Post hat Andreas Gervasoni, Gemeindeschreiber von Dulliken, eine ungefähre Vorstellung davon, wie hoch die Miete ist, die die Dulliker Filiale der Post Immobilien AG entrichten muss. Während eines Vorgesprächs zwischen Gemeinderat und Post seien nämlich Andeutungen gemacht worden, aus denen er Rückschlüsse auf den Mietzins habe ziehen können. Und für ihn sei klar: Der geschuldete Mietbetrag liege deutlich über dem marktkonformen Wert. Mit dieser Einschätzung konfrontiert, verweist Antoinette Feh, regionale Kommunikationsleiterin bei der Post, auf eine kürzlich erfolgte Prüfung der Post Immobilien AG durch die eidgenössische Postkommission PostCom. Die Prüfung habe ergeben, dass die Post Immobilien AG marktübliche Mietzinsen verrechne. Ausserdem könnten Poststellen nicht mit normalen Liegenschaften verglichen werden, wie Feh erklärt. Denn Poststellen hätten eine spezielle Infrastruktur und müssten hohe Sicherheitsauflagen erfüllen.

Liegenschaft: Die Poststelle Dulliken verfügt nur über zwei Schalter. Vor allem am Monatsende kommt es zu längeren Wartezeiten. Während der Platz in der Schalterhalle eher knapp bemessen ist, bleibt ein grosser Teil des Backoffices ungenutzt – dies, weil die Brief- und Paketzustellung schon vor einigen Jahren nach Däniken respektive Härkingen ausgelagert wurde. Auch die Post ist der Ansicht, die Schalterhalle sei zu klein und das Backoffice zu gross. Den Vorwurf, das ungünstige Flächenverhältnis sei auf die Auslagerung der Briefzustellung zurückzuführen und damit gewissermassen selbst verschuldet, weist die Post jedoch von sich: Die Zentralisierung der Zustellung habe keinen Einfluss auf den Annahmebereich, wie Kommunikationsleiterin Feh betont.

Abhilfe könnte eine Umgestaltung der Filiale schaffen. Aber die beiden Postdelegierten gaben an der Gemeinderatssitzung zu verstehen, ein Umbau der Liegenschaft könne bis zu 1 Mio. Franken kosten und lohne sich daher kaum. Für die Bevölkerung, die sich keine Luxusausstattung, sondern einfach eine Post wünscht, erscheinen solche Beträge überrissen. Aber wie Feh kommentiert, seien solche Summen für einen Filialumbau durchaus üblich.

Politischer Druck

Die Post trägt mit ihrer intransparenten Kommunikation nicht gross dazu bei, die Zweifel der Bevölkerung an der Korrektheit der Rentabilitätsrechnung zu zerstreuen. Da hilft es auch nicht viel, wenn die Post im Rahmen ihrer Bilanzmedienkonferenz vom 8. März festhält, dass «keine Filiale allein aufgrund ihrer ungenügenden Rentabilität umgewandelt» werde. Nebst der Rentabilität würden noch viele weitere Kriterien Berücksichtigung finden, so die Post.

Zu diesen zählten das Kundenverhalten, die Marktsituation, die Verkehrsentwicklung, die aktuelle Infrastruktur, die Eigentumsverhältnisse der Postliegenschaft, das Entwicklungspotenzial der Filiale sowie die rechtlichen und politischen Vorgaben bezüglich flächendeckender Versorgung.

Apropos Politik: Der Unmut der Bevölkerung über das Vorgehen der Post bleibt nicht ungehört. In seiner März-Session hat der Kantonsrat beschlossen, den Regierungsrat mit der Ausarbeitung einer Standesinitiative zu beauftragen. Diese soll eine Abänderung des eidgenössischen Postgesetzes erwirken, und zwar dahingehend, dass der Optimierungsdruck im Bereich des Poststellennetzes reduziert und die Geschwindigkeit der Umgestaltung an die Bedürfnisse der Bevölkerung angepasst wird.

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