Wäh. Metzgete. Es grauste mich schon beim blossen Gedanken daran. Ich bin Vegetarierin, was wohl damit zu tun hat, dass in der Bauernhausküche meiner Grosseltern jeweils Emailtöpfe voll perlmuttweissen Schweineschmalzes herumstanden und zu jeder Mahlzeit allerhand totes Tier in den schmatzenden Mund meines Grossvaters wanderte. Mein Grossvater lebte von Fleisch und saurem Wein, glaube ich.

Gekocht nach Geheimrezept

Im Schützenhaus Obergösgen, wo der Männerturnverein seine 18. Metzgete abhält, lehne ich die Einladung zum Abendessen daher dankend, aber bestimmt ab. In der Küche sind fünf Herren damit beschäftigt, Blutwürste, Leberwürste, Bratwürste, Koteletts, Zwiebelsauce und Rösti zuzubereiten und auf Tellern anzurichten. Und Apfelschnitzli natürlich, gekocht nach Geheimrezept. Auf die gluschtets mich aber genauso wenig, irgendwie ist zu viel Wurst im Raum.

Metzger Ruf aus Lostorf brät im Kipper Schweinswürste. Auf dem Herd nebenan ziehen in einem grossen Topf die Blut- und die Leberwürste. Je 15 Kilo werden davon weggehen. Ausserdem hat er 180 Bratwürste und 60 Koteletts geliefert. Rund 200 Gäste haben sie an den zwei aufeinanderfolgenden Abenden jedes Jahr. In der Küche komme ich langsam ins Schwitzen. «Jaja, es isch warm dahinde. Aber e dänke, das isch wäg eus!», meint einer der Herren. An diesem Punkt hat meine Fleischbeschau ein Ende, ich mische mich jetzt mal unter die Leute.

Es geht ums «Zämesii»

Es ist nach sechs, die Tische sind erst da und dort besetzt. «Aber in einer Stunde wird hier voll sein», sagt man mir. Ein Grüppchen von fünf Damen und Herren, alle über 60, lässt es sich bereits schmecken. «Alles sehr fein», loben sie, nur die Rösti dürfte mehr Kruste haben. Sie sind aus Olten, Wangen, Egerkingen und Oberbuchsiten hergekommen und besuchen die Metzgete des Männerturnvereins schon zum vierten Mal. «Es geht ja auch ums Zämesii», meint eine der Damen. Und um Solidarität gegenüber dem Turnverein, der sich von den paar Tausend Franken Erlös neues Material und Reisen finanzieren kann.

Ein Paar aus Obergösgen ist mit dem kulinarischen Angebot ebenfalls sehr zufrieden. Sie hat sich für Blutwurst, er für eine Bratwurst mit Rösti entschieden. Wenn sie allein wäre, würde sie nicht jeden Tag Fleisch essen, sagt sie. Aber ihr Mann möge es eben so gerne. Meiner Grossmutter ging es damals gleich.

Der Altersdurchschnitt im Schützenhaus Obergösgen liegt bei geschätzten 60 Jahren. Hansruedi Hofer vom Turnverein glaubt, dass die Jungen die Tradition der Metzgete wohl nicht mehr so kennen. Und während manche Leute im Schnelldurchlauf essen würden, blieben die Höckeler teilweise bis halb zwölf Uhr sitzen. «Die bringt me fasch nüme hei», sagt Hofer lachend. Weil das ein oder andere Gläschen zu trinken, das «ghört echli dezue».

Kein nächstes Mal

Ich bin ein bisschen enttäuscht. Die Blut- und Lebenwürste, finde ich, sehen schon nicht gerade anmächelig aus.

Aber insgesamt hatte ich mir so eine Metzgete grusiger vorgestellt. Der Anlass ist ja eigentlich ganz gemütlich. Trotzdem, auf ein nächstes Mal verzichte ich.