Wer kennt sich schon aus beim Schwarzwild, oder besser gesagt bei den Wildschweinen? Zoologisch gehören sie zu den nicht wiederkäuenden Paarhufern und sind in vielen Ländern Europas stark verbreitet. Durch die intensive Bejagung wurde das Schwarzwild zum Nachttier.

Jedoch zur Eichel- und Buchenmast treibt es sich auch tagsüber durch die Baumbestände. Da es ein Allesfresser ist, liebt das Wildschwein nebst Mais, Beeren und Pilzen auch kleine Nager wie Mäuse, Käfer, Raupen, Larven, Würmer, Vögel, Aas und alles, was so im Wald und auf dem Feld angetroffen wird.

Enorme Vermehrung

Durch das reichhaltige und abwechslungsreiche Nahrungsangebot vermehrt sich das Schwarzwild enorm und breitet sich immer mehr aus. Natürliche Feinde wie Bär und Wolf hat es keine, ausser dem Auto, dem Zug und natürlich dem «oft unbeliebten» Jäger. Da sich das Schwarzwild in mehr oder weniger grossen Verbänden (Rotten) bewegt, besteht ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Die Jungen, Ferkel oder auch Frischlinge genannt, werden liebevoll aufgezogen und behütet, was in dieser Zeit ein Muttertier, oder auch Bache genannt, zu einem ernstzunehmenden Gegner werden lässt. Schon so mancher Fuchs, welcher Lust auf Ferkelfleisch verspürte, lernte das Rennen, wenn sich Mutter Sau um ihn kümmerte.

Auch ein seltener Genosse, nämlich der geschützte Luchs, ist seit mehreren Jahren in den Regionen wieder präsent. Obwohl er einen grösseren Einstand benötigt, oft sind es 30 bis 40 Quadratkilometer, ist er ein willkommener Nahrungslieferant für Wildschweine. Reisst oder schlägt der Luchs zum Beispiel ein Reh, frisst er vorerst einen Teil davon auf und versteckt den Rest des Kadavers im Unterholz, was unumgänglich die Wildschweine anlockt und diese den für sie «gedeckten» Tisch genüsslich leeressen. Was bleibt dem Luchs anderes übrig, als erneut zu jagen? Dasselbe Spiel wiederholt sich, und so kann es vorkommen, dass in ganzen Revierteilen die Rehe fast verschwunden sind.

Massive Wildschäden

Dies freut natürlich die Wildschweine. So kann es so weit kommen, dass zum Beispiel in den Jagdrevieren Lostorf-Wartenfels, Frohburg und weiteren umliegenden Jagdrevieren Reharmut herrscht und die Wildschweine das Sagen haben. Das wiederum hat zur Folge, dass in diesen Gegenden massive Wildschäden entstehen, welche das schöne Bild des Schwarzwildes mehr als trübt. Wenn ganze Wiesen und Äcker verwüstet, die Landwirte fast am Verzweifeln und die hohen Jagdverantwortlichen regelrecht überfordert sind, fällt das Desaster, wie kann es auch anders sein, auf die Jäger zurück.

Obwohl sich diese, oft bis an die Grenzen stossend, Mühe geben, die Wildschäden zu verhindern und zu beheben, kostet dies enorm viel Geld, Zeit und Geduld und vor allem auch viel Verständnis seitens der Bevölkerung und selbst ernannten Laientierschützern. Bis ein Jäger zur Jagd berechtigt ist, braucht es mehr als eine Flinte: Man benötigt universitätsähnliches Fachwissen, Weiterbildung und vor allem auch den Mut dazu, zur Jagd zu stehen und sie korrekt auszuüben. Das ist Voraussetzung. Jagd ist kein Hobby, sondern eine ernstzunehmende Aufgabe, welche auch mehr als seriös durchgeführt werden muss, und das Muss, das bleibt ein Muss.

In die Natur eingreifen

Um doch den unhaltbaren Wildschäden Herr zu werden, muss der Jäger durch gezielte Wildschweinjagden in die Natur eingreifen. Und dies geschah vor einigen Tagen im Revier Lostorf Wartenfels, unterstützt durch die Jägerschaft des Jagdreviers Frohburg. Mit grossem Aufwand wurden insgesamt 60 Ansitzstände für insgesamt 28 Jäger markiert. Die Jagd erfolgte in zwei sogenannten Trieben; zwei Revierteile wurden bejagt. Mit dabei waren 13 Hundeführer mit 15 speziell auf Schwarzwild ausgebildeten und trainierten Jagdhunden. Ohne diese Hunde kein Schwarzwild, denn Letzteres ist nicht nur schlau, sondern zeigt dem Jäger oftmals die «lange Nase». Sichtet der Jäger seine Beute, heisst es blitzschnell zu reagieren, um einen sauberen, präzise gezielten Schuss anzubringen, denn das ist die Voraussetzung und der Kreatur mehr als würdig.

Während der zirka vier Stunden wurden insgesamt fünf Wildschweine erlegt. Dies ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein, aber immerhin ein Erfolg, und dies bei den schwierigen topografischen Verhältnissen und dem schneenassen Wetter.