Der Orchesterverein Niederamt (OVN) gab seinem diesjährigen Frühlingskonzert den Titel „Finlandia“. Gleichzeitig stellte es mit der Basstuba ein Instrument ins Rampenlicht, das selten Soloauftritte hat.

Dem Motto „Finlandia“ entsprechend, bildeten zwei Werke des finnischen Komponisten Jean Sibelius den Rahmen. Das fünfzigköpfige Orchester unter der Leitung von Hugo Bollschweiler eröffnete den Abend mit der Karelia-Suite. Dieses dreiteilige, 1893 uraufgeführte Opus Nr. 11 ist eines der frühesten und zugleich populärste Werke Sibelius‘. Karelien ist eine ursprünglich von Samen bewohnte historische Landschaft, die heute zwischen Finnland und Russland aufgeteilt ist. Im aufkeimenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts – Finnland gehörte bis 1809 zu Schweden, wurde anschliessen Teil des Zarenreichs und erst 1918 unabhängig – liess sich Jean Sibelius von der einheimischen Volksmusik inspirieren. Zugleich versuchte er die herbe Schönheit der nordischen Natur musikalisch darzustellen.

Von Fanfaren über schnelle Passagen zur Moderne

Im einleitenden «Intermezzo» hörte man in den kurzen Geigenstrichen förmlich die zitternden Birkenblätter im Wind, in der «Ballade» übernahmen die Hornisten die Stimme des Minnesängers, während das Streichorchester das Motiv in fast unhörbaren Pianissimo ausklingen liess. Noch archaischer wirkt die «Finlandia» mit ihren kräftigen, fanfarischen Akkorden der Bläser und dramatischen Rhythmen.

Mit der «Berceuse» (Wiegenlied) und dem Praeludium von Armas Järnefelt gab der OVN einem wenig gespielten Komponisten eine Bühne. Järnefelt, übrigens verheiratet mit einer Schwester von Jean Sibelius, war der Erste, der finnische Texte vertonte. Er war noch der romantischen Tradition verhaftet, während sein Schwager bereits Einflüsse der Moderne aufnahm. Sowohl Sibelius wie Järnefelt suchen neue klangliche und rhythmische Formen. Dementsprechend sind sie schwierig zu spielen. Das Niederämter Orchester, kompakt und von Hugo Bollschweiler hervorragend geführt, meisterten auch die schnellsten Passagen.

Der Orchesterverein setzte mit Lars Erik Larsson einen weiteren skandinavischen Komponisten aufs Programm. Der Schwede, vierzig Jahre jünger als Sibelius und Järnefelt, orientierte sich stärker an der Moderne. Er schrieb zwölf «Concertini», jedes einem besonderen Instrument zugeschrieben. Der OVN wählte das Concertino für Posaune und Streichorchester. Für das Posaunensolo konnte Ben Green gewonnen werden. Der aus den USA stammende Bassposaunist Green spielt seit 2016 beim Berner Symphonieorchester, zuvor zehn Jahre beim Opernhaus Zürich. Wohnhaft ist er in Olten. Das Streichorchester legte einen Boden für die getragene Ballade der Posaune oder antwortete im Dialog auf die gebrochenen Tonfolgen des Blechinstruments. Der Profimusiker Ben Green, der alles auswendig spielte, entlockte seinem Instrument weiche Töne und ungewohnte Melodien. Auch das Laienorchester hatte sichtlich Spass an den hüpfenden Klängen, so dass sich der Hörgenuss auf das Publikum übertrug.

Tuba für einmal im Vordergrund

Für ein seltenes Hörerlebnis sorgten Ben Green und das Orchester, indem sie das „Concerto for Bass Tuba and Orchestra“ ins Repertoire aufnahmen. Dieses Stück des englischen Komponisten Ralph V. Williams ist das erste Werk, das extra für die Tuba geschrieben wurde. Damit rückte er ein Instrument ins Rampenlicht, das gewöhnlich im Hintergrund steht. Den kellertiefen Tönen setzt er als Kontrast die hohen der Flöten entgegen. Wiederum übernahm hier der vorzüglich agierende Ben Green den Solopart, allerdings nicht auf der Tuba, sondern auf seiner Bassposaune.

Mit diesem Frühjahrsprogramm machte der Dirigent wahr, was er bei der Stabübernahme angekündigt hatte, nämlich das Repertoire mit wenig gespielten französischen, britischen oder skandinavischen Komponisten zu öffnen. Erneut hat der OVN dies mit grossem Gewinn auch für die Zuhörenden getan.

Orchesterleiter Hugo Bollschweiler führte als Moderator durch das Programm und gab zu jedem gespielten Werke einige kurze Informationen. Unter anderem berichtete er vom Kunstverständnis Jeans Sibelius. Seine Musik sein nicht Zirkus, schrieb der Komponist 1911, «sondern was ich zu bieten habe ist klares, kaltes Wasser». Dieses Zitat aufnehmend, kann man dem OVN zum innovativen Programm gratulieren und sagen: «noch so gerne lassen wir uns mehr solch erfrischendes musikalisches Getränk servieren».