In der Werkstatt des Theater Orchesters Biel Solothurn herrscht ein buntes Durcheinander von Farbeimern, Pinseln, Holzböcken und unterschiedlicher Bühnendekoration. Mittendrin bemalt eine jung gebliebene und Rastas tragende Mittvierzigerin mit einem besengrossen Pinsel konzentriert eine Holzfläche. Diese wird im Stück «Before I speak, I have something to say», einem Marx Brothers Reenactment von Merker und Schoch, das am 1. April im Fabriktheater Rote Fabrik in Zürich Premiere feiert, einen Zimmerboden darstellen. «Ich muss die Spanplatte in einem speziell gemischten Braunton streichen und mit dezenten Flecken versehen, weil sie alt aussehen soll», sagt die gebürtige Spanierin Manuela Pouso.

Dass sie heute hier arbeitet, hat Pouso ihrem eisernen Willen zu verdanken: «In meiner Heimat hätte ich als Theatermalerin nie dieselben Möglichkeiten gehabt. Deswegen bin ich vor zwölf Jahren ausgewandert.» Zu ihrem Beruf kam sie auf Umwegen: Das Philosophiestudium brach sie ab, weil es ihr zu theoretisch und die Jobaussichten zu schlecht waren. In Barcelona absolvierte sie die Kunstgewerbeschule, arbeitete als Freiberuflerin, auch fürs Fernsehen und peppte im eigenen Geschäft Möbel auf, bis sie sich am Theater Basel zur Theatermalerin ausbilden liess.

Von der Skizze zur Ausführung hat die Theatermalerin einiges zu tun. Zum Beispiel das Herstellen eines Wirtshausschildes.

Von der Skizze zur Ausführung hat die Theatermalerin einiges zu tun. Zum Beispiel das Herstellen eines Wirtshausschildes.

Täuschend echtes Klopfsteinpflaster auf Spanplatte.

Täuschend echtes Klopfsteinpflaster auf Spanplatte.

Die zweifache Mutter und Ehefrau ist stolz auf ihr Handwerk. Wenn sie von ihrer Arbeit erzählt, glänzen ihre Augen und das spanische Temperament kommt so richtig zum Vorschein: «Ich liebe es, verschiedene Materialien mit Strukturen zu versehen, Neues auszuprobieren und aus ‹Nichts› etwas ganz Tolles zu machen.» Sie nimmt ein kunstvoll bemaltes, in edlen Farbtönen schillerndes Holzstück hervor und erzählt begeistert: «Das musste ich in eine rostige Oberfläche verwandeln. Weil es mir besonders gut gelungen ist, bin ich extrem stolz darauf.» Faszinierend ist auch, wie sie aus einer Spanplatte und Farbe einen – sogar aus der Nähe – täuschend echten Steinboden zauberte. Die Theatermalerei bezeichnet Pouso nicht als Job, denn während der Arbeit vergisst sie meist alles um sich herum: «Dieses Handwerk bereitet mir grosse Freude. Wenn ein Bühnenbildner mit einem neuen Auftrag zu mir kommt und ihn enthusiastisch vorstellt, bin auch ich im Element. Mein Job ist es, seine Vorstellungen und Wünsche gemäss einer Ideenskizze oder Beschreibung zu erfüllen.» Dies sei nicht immer einfach, aber eine spannende Herausforderung, für die sie jeweils etwa vier Wochen Zeit habe.

Da beginnt der spannende Teil ihrer Arbeit. «Ich träume in meiner eigenen Welt vor mich hin und mache mir viele Gedanken darüber, wie ich den Auftrag am besten realisieren kann.» Und manchmal zerbricht sie sich dabei fast den Kopf. Ein Kunstrasen brachte sie vor kurzem fast zur Verzweiflung: «Ich musste ihn nun in verschiedenen Farben schattieren. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich eine Farbe gefunden hatte, die am Material haften bleibt.» Manchmal wird es aber auch extrem stressig: «Vor allem wenn ein Bühnenbildner am Tag vor der Premiere der Meinung ist, dass mein Produkt so nicht auf die Bühne passt. Dann muss ich improvisieren.» Für Pouso ist das aber kein Weltuntergang. Denn Stressresistenz und Flexibilität seien nebst Kreativität, guten Materialkenntnissen und einem ausgezeichneten Vorstellungsvermögen das, was einen guten Theatermaler auszeichnet.

Verlangt werde viel von den Theatermalern, die Anerkennung ihrer Kunstwerke sei aber praktisch inexistent. «Ich bin gerne im Hintergrund tätig. Aber es ist schade, dass für das Publikum meist nur die Regisseure, Schauspieler und Bühnenbildner existieren», gibt die Künstlerin zu. Trotzdem ist ihr das eigene Urteil am wichtigsten: «Ich bin meiner Arbeit gegenüber sehr kritisch. Wenn sie mir auf der Bühne gefällt, ist das für mich das schönste Kompliment.» Schade bloss, dass die meisten ihrer Kunstwerke nach Vorstellungsende im Müll landen.