Erlinsbach
Sie wollen «De Schwiizerpass» im Doppelpack

Die philippinischen Zwillinge Harry und Larry Eata über sich, ihre Familie und ihre baldige Einbürgerung.

Liliane Manzanedo
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Harry Eata (links) und Larry Eata (rechts) gehen zusammen durchs Leben und durch die Einbürgerung. Doch auch ohne Pass fühlen sie sich bereits als Schweizer.

Harry Eata (links) und Larry Eata (rechts) gehen zusammen durchs Leben und durch die Einbürgerung. Doch auch ohne Pass fühlen sie sich bereits als Schweizer.

Liliane Manzanedo

«Harry und Larry» erinnert an die erfolgreiche Buchreihe von «Hanni und Nanni» der englischen Buchautorin Enid Blyton. Nur dass die Zwillinge Harry und Larry keine fiktiven Figuren sind. Harry Eata und Larry Eata (22) sind zwei junge Philippiner, geboren in Zürich, die zusammen mit ihren Eltern in Erlinsbach wohnen, dort die Schule besuchten und nun in der Gemeinde auch ein Gesuch um ordentliche Einbürgerung gestellt haben.

Trotz philippinischen Wurzeln und engem Kontakt mit der grossen Familie auf dem Inselstaat sehen sie sich als Schweizer. Zu Hause mit den Eltern wird Deutsch gesprochen, mit den Verwandten Englisch. Den philippinischen Dialekt ihrer Eltern, Bisaya genannt, beherrschen sie nicht, verstehen diesen aber gut.

Einbürgerungstest: Wer ist Roger Federer?

In ein paar Tagen findet Harrys und Larrys 45-minütiger Einbürgerungstest statt. Online kann man sich, wie für eine Auto-Theorieprüfung, darauf vorbereiten. Von den Prüflingen wird historisches Hintergrundwissen über die Schweiz sowie politische und rechtliche Kenntnisse verlangt. Auch wichtige Namen sollte man kennen: Wer ist Roger Federer und welche Sportart treibt er? Wer war Wilhelm Tell? Und welche berühmte Figur hat die Schriftstellerin Johanna Spyri geschaffen?

Was sie unterscheidet, ist Harrys Brille, der einminütige Altersunterschied, der Haarschnitt und die Kleider. «Mer hei aber ergendwie ou en anderi Chopf-Form oder?», fragt Harry ernst. Sie lachen.

Alles zusammen gemacht

Harry arbeitet als Pflegefachmann im Pflegezentrum Barmelweid ob Erlinsbach, und Larry besucht die Fachmittelschule in Aarau mit Schwerpunkt Gesundheit. Eigene Wege zu gehen war nicht immer eine Option. Bis vor acht Jahren waren sie ständig zusammen. In derselben Spielgruppe, in denselben Schulklassen der Primar- und Oberstufe, im selben Fussballverein, in derselben Ministranten-Gruppe.

Auch Klavierunterricht hatten sie gemeinsam. Eigentlich wäre Harry ein Schuljahr voraus gewesen. Während seinem Bruder die Einführungsklasse empfohlen wurde, hätte Harry direkt in die erste Klasse eingestuft werden können. Er wollte aber mit Larry in die Einführungsklasse.

Unterschiedliche Stundenpläne wären für ihre Eltern, die unregelmässige Arbeitszeiten hatten und nur der Vater Autofahren konnte, nicht von Vorteil gewesen. Selbst als die Lehrer darauf bestanden, die beiden in verschiedenen Klassen einzuteilen, weil sie ein Abschreiben der Hausaufgaben befürchteten, wehrte sich ihre Mutter vehement dagegen.

Beim Übergang in die Oberstufe hätten Larrys Noten für die Bezirksschule ausgereicht, seinen Eltern zuliebe liess er sich aber zusammen mit Harry in die Sekundarschule einstufen. Im zweiten Oberstufen-Jahr trennten sich ihre Wege dann doch noch, als Larry in die Bezirksstufe wechselte.

«Mer hei eus gägesiitig eigentli nor abezoge», schmunzelt Harry und schaut Larry an. Beide schmunzeln. Offenbar nehmen sie es heute mit Humor. Damals nämlich waren sie manchmal schon genervt, alles zusammen machen zu müssen.

Die Einzelkämpferin

Ihre Mutter Aurora Eata-Duenas (55) ist gelernte Pflegefachfrau. Vor rund 23 Jahren kam sie alleine von Deutschland aus − dort lernte sie Deutsch und wohnte bei einem Onkel − in die Schweiz und fand eine Anstellung im ehemaligen Altersheim Laurenzenbad in Erlinsbach. Ihren Ehemann (64) und Vater von Harry und Larry holte sie erst in die Schweiz, als sie auch ihm im gleichen Altersheim eine Stelle verschaffen konnte.

Sie hatte ihre Heimat auf den Philippinen zurückgelassen in der Hoffnung, ihrer Familie ein besseres Leben bieten zu können. Die Erwartungen ihrer Verwandtschaft waren hoch. Als einzige Tochter hatte sie eine solide Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und hatte die Chance, im Ausland Fuss zu fassen. Dies gelang ihr. Heute arbeitet sie, wie Sohn Harry, im Pflegezentrum Barmelweid.

Fehlendes Stimmrecht nervt

Die Idee der Einbürgerung hatte Mutter Eata, die ebenfalls die Schweizer Nationalität beantragt hat. Sie klärte ihre Söhne vor ein paar Jahren über die Vorteile eines Schweizer Passes auf. Harry und Larry hatten sich vorher keine Gedanken darüber gemacht, was es mit dem Schweizer Pass auf sich hat und inwiefern er sich von ihrem philippinischen Pass unterscheidet.

«Eg ha nur d Vorstellig gha: Schwiizerpass gleich Militär. Vo dem her beni froh gsi, hani kene», erzählt Larry. Seit die Brüder jedoch volljährig sind, nehmen sie den grössten Nachteil wahr: das fehlende Stimmrecht. Es ist ihnen wichtig in dem Land, wo sie ihre Zukunft sehen, mitsprechen zu dürfen: «Das esch üses Diheime.»

Auch wollen sie jederzeit und problemlos zurück in die Schweiz kehren dürfen, sollten sie einmal für längere Zeit in der Welt herumreisen. Mit dem Ausländerausweis C wäre dies nicht völlig unproblematisch. Die Mutter lässt sich hauptsächlich wegen ihrer Söhne einbürgern. Sie weiss, dass sie eines Tages zusammen mit ihrem Mann in die Heimat zurückkehren wird, möchte aber jederzeit ihren Kindern in der Schweiz zur Hilfe eilen oder sie einfach besuchen können.

Der Schweizerpass im Doppelpack beziehungsweise Dreierpack ist leider kein Schnäppchen. Finanziell schlägt der Einbürgerungsprozess mit rund 4000 Franken pro Person zu Buche. Dafür sparte die Familie schon lange.

Übrigens verdanken die Zwillinge ihre Namen einer Szene aus einem Trickfilm, die ihr Vater lässig fand: Darin kamen zwei Schildkröten mit den Namen Harry und Larry auf die Welt. Ihre Mutter wollte sie zuerst auf keinen Fall so nennen, schliesslich bewies der Vater Überredungskunst.

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