Trimbach
Sie setzt sich ein für mehr Gerechtigkeit

Aus der Serie Neu im Kantonsrat: Marianne Wyss (SP) würde sich im Parlament gerne für Bildung, Soziales und Umweltschutz engagieren.

Isabel Hempen
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Marianne Wyss ist eine Rote mit grünem Blut.

Marianne Wyss ist eine Rote mit grünem Blut.

Bruno Kissling

Vom Garten des Einfamilienhauses am Hang geht der Blick hinab auf die Trimbacher Industrie. Auf der Wiese tollt Hund Grigia, im angrenzenden Gehege spazieren drei Hühner und ein Hahn herum. Durch eine Glastür gelangt man ins Wohnzimmer, das, bunt und zusammengewürfelt, eine freundliche Wärme ausstrahlt: ein Sessel mit rotem Stoffbezug, ein graues Sofa, eine hölzerne Kommode stehen da. Aus dem Holzbuffet an der Wand lugen einige Weinflaschen hervor, Ansichtskarten und Fotos der fünfköpfigen Familie sind drangepinnt. Farbenfrohe Kunstdrucke hängen an der Wand. «Das ist so gewachsen», meint Marianne Wyss lächelnd. «Eben eine Familie, die lebt.»

Marianne Wyss

Alter: 54
Aufgewachsen: in Olten und Starrkirch-Wil in einem CVP-Haushalt
Zivilstand: verheiratet, drei Kinder
Beruf: Primarlehrerin
Politische Tätigkeiten: Vorstand SP Trimbach
Ehrenamtliche Tätigkeiten: Forum Trimbach, Leiterin Schwimmgruppe Procap, Schweizer Alpen Club (SAC)
Hobbys: Bergtouren, Wandern, Klettern, Hund, Kultur, Klavier und Gitarre spielen, Kochen

Ein langer Holztisch bildet das Zentrum des Hauses. Wyss legt ein kariertes Heft vor sich hin, wo sie sich für das Gespräch vorab schon Notizen gemacht hat. Die Primarlehrerin, die sich selbst als weitblickend beschreibt, sagt, sie sei überrascht gewesen, dass sie als «Nobody in der Politik» in den Kantonsrat gewählt wurde. Sie wisse noch nicht, was sie erwarte. Aber: «Ich freue mich, anpacken zu können.»

Ihr behinderter Bruder prägte sie

Dass sie anpacken kann, glaubt man der 54-Jährigen, die sich gerne in zurückhaltenden Blautönen kleidet. Politische Erfolge habe sie, die im Vorstand der SP Trimbach ist, zwar keine vorzuweisen. Aber sie sei gerne aktiv, sagt sie. Verschiedenste Sport- und Jugendkurse habe sie geleitet, seit zwanzig Jahren Lager für Blinde begleitet und in verschiedenen Schulkommissionen gewirkt. Sie interessiere sich für sehr vieles. Was sie etwa als Lehrerin in der Schule mache, sei viel von ihr selbst, «ich kann meine Interessen verbinden.» Sie diskutiere gerne und höre sich andere Standpunkte an. «Aber ich bin bereit, für meine Meinung einzustehen und sie zu vertreten.»

Die stille Schafferin, die in einer CVP-Familie aufwuchs, merkte bald einmal, dass die Partei ihrer Eltern nicht die ihre war. Der SP gehört sie seit rund 35 Jahren an. Ihr ist es jedoch ein Anliegen, nicht nur parteipolitisch zu denken: «Es gibt überall gute Leute», glaubt sie. Das SP-Credo «für alle statt für wenige» habe sie jedoch überzeugt. Sie habe nämlich Mühe, dass es für einige wenige so viel gebe. «Ich wünsche mir mehr Gerechtigkeit», sagt sie. Deshalb freue sie sich sehr, wenn auch ihre eigenen Kinder sich engagieren: «Ich finde es wichtig, dass die Jungen mitreden.»

Prägend für ihre Haltung sei sicherlich ihr mehrfach behinderter Bruder gewesen. Ihre Eltern hätten sich für ihn eingesetzt. «Sie lebten damals schon Integration», erzählt sie. Ihre Mutter habe sich zudem gesellschaftlich engagiert, habe etwa den Elternverein mitbegründet und selbst gearbeitet. «Sie war sehr aktiv – das beeinflusste mich und mein soziales Engagement.» Diesem Engagement ist es auch zu verdanken, dass sie viele Leute kennt – mit ein Grund wohl, dass sie gewählt wurde. Am liebsten verbringe sie Zeit mit Menschen, «die weiter als bis zur Nasenspitze denken.» Überhaupt habe sie gerne Betrieb um sich herum. «Ich bin nicht gerne allein», gesteht sie.

Im Kantonsrat wäre Wyss am liebsten in der Bildungs- und Kulturkommission tätig. «Eine Vision wäre es, die Noten in der Unterstufe abzuschaffen. Ich halte sie für nicht altersgerecht, da Kinder in dem Alter verschieden weit sind.» Da ihr die Gerechtigkeit am Herzen liegt, könnte sie sich auch die Sozialkommission vorstellen. Oder die Umweltkommission, denn auch der Naturschutz sei ihr ein grosses Anliegen. «Ich habe auch grünes Blut in mir», meint die Rote lachend, die als Lieblingsbeschäftigung «in der Natur sein» nennt. So würde sie sich etwa für Velofahrer starkmachen.

Wyss ist selbst begeisterte Velofahrerin. «Ich bin gerne fit», sagt sie. Langlaufen, Joggen, Skifahren, Klettern und mit dem Hund spazieren nennt sie als weitere Freizeitaktivitäten. Rumsitzen jedenfalls sei nichts für sie. Trotzdem möge sie es auch gemütlich. Sie koche gerne, etwa ein Fondue für einen geselligen Abend mit Freunden. An erster Stelle stehe bei ihr aber die Familie.

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