Däniken
Sie nähen Stofftiere der speziellen Art – solche aus echtem Fell

Seit über 30 Jahren verarbeitet eine Däniker Fellnähgruppe Kaninchenfelle. Bekommt der Verein aber keinen Zuwachs, droht das Aus.

Alexis Strähl
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Sandra Stürmlin, Therese Schmutz und Gabriela Simone (von links) treffen sich alle zwei Wochen im Schulhaus Bühl in Däniken.

Sandra Stürmlin, Therese Schmutz und Gabriela Simone (von links) treffen sich alle zwei Wochen im Schulhaus Bühl in Däniken.

Bruno Kissling

Vorsichtig dreht Sandra Stürmlin mithilfe eines Kochlöffelstiels das Ohr des braunen Hundes um, an dem sie gerade näht. «Manchmal passiert es, dass der Stiel durchs Leder sticht», erklärt sie.

Doch die Hundeohren bleiben ganz, als sie die lederne Seite nach innen wendet und das braun-graue Kaninchenfell zum Vorschein kommt.

Anschliessend näht Stürmlin den Hund zu und macht sich ans Stopfen mit Schafwolle. Das Gesicht, bestehend aus einer kleinen Plastiknase und zwei dunklen Augen, ist bereits fertig.

«Wenn wir die Tiere stopfen und das Gesicht aufnähen, kommt Leben in sie», findet Vereinspräsidentin Gabriela Simone. Ein schöner Moment, sind sich die drei Frauen der Fellnähgruppe Däniken und Umgebung einig.

Jedes Stück ist einzigartig

Alle zwei Wochen treffen sich die Frauen im Schulhaus Bühl in Däniken, um einen Abend lang gemeinsam aus Kaninchenfellen Igel, Pinguine, Hasen, Schlüsselanhänger oder Handgelenkwärmer zu nähen.

Diese verkaufen sie etwa an Ausstellungen von Kaninchenzüchtervereinen, Koffer- oder Weihnachtsmärkten. Der Erlös deckt die Materialkosten und Vereinsaktivitäten.

«Das Schöne ist die Überraschung, wenn wir das Fell nach aussen drehen und sehen, wie der Fellverlauf effektiv aussieht», findet die Dänikerin Therese Schmutz, die den Verein 1987 mitbegründete.

Beim Umdrehen könnten aber auch Fehler zum Vorschein kommen – etwa, wenn an einer Stelle das Leder dünner ist und es einreisst.

Dann nähen sie ein neues Stück dazu. «Uns ist es wichtig, vorsichtig zu arbeiten und nicht zu pfuschen», stellt Simone fest, die gerade an einer kleinen Eule näht. Das Nähen eines kleinen Tiers dauert etwa zwei Stunden.

Hinzu kommen das Zuschneiden des Fells, das Stopfen und das Annähen von weiteren Dekorationen, wie etwa Entenfüssen oder Augen.

An Ausstellungen reagierten die Menschen unterschiedlich auf das Echtfell: «Wir machen auch Aufklärungsarbeit», sagt Simone. Weiter würden sie ausschliesslich Schweizer Kaninchenfell von Züchtern, die die Tiere aufgrund des Fleischs halten, verwenden.

«Wenn wir das Fell nicht verarbeiten, würde es im Abfall landen», fügt die Dänikerin an. Ausserdem stehe die Fellnähgruppe unter Deklarationspflicht, was Herkunft und Haltungsbedingungen der Kaninchen betrifft.

Die Vereinspräsidentin erinnert sich an eine Frau, die kritisch auf das echte Fell reagierte. Als Simone fragte, ob sie wisse, woraus die Stofftiere in den Läden hergestellt werden, – nämlich aus Plastik, also Erdöl – kaufte die Mutter schlussendlich zwei Tiere für ihre Kinder. «Erdöl ist ja auch ein Rohstoff, der irgendwann aufgebraucht ist», stellt Simone fest

Die Reaktionen auf das Echtfell seien aber auch oft positiv. «Viele erinnern sich an Stofftiere, die sie früher einmal besassen», sagt Stürmlin.

Sie selbst bekam einst zu Ostern ein Häschen aus Echtfell von ihrer Grossmutter geschenkt und erinnert sich bis heute daran. «Die anderen 100 Stofftiere vergisst man, aber dieses nicht», findet die Trimbacherin.

«Schade, dass Echtfell in Verruf geraten ist»

Dennoch: Die Meinungen in der Öffentlichkeit zu Echtfell wirken sich auch auf die Fellnähgruppen aus. «Schade, dass Echtfell wegen der ausländischen Massenproduktionen so in Verruf geratet ist», findet Stürmlin.

Hinzu komme, dass viele Leute sonst schon wenig Zeit für Vereinsarbeit hätten. Die drei Frauen bedauern es, dass das Handwerk verloren zu gehen droht und die Anzahl der Fellnähgruppen in der Schweiz zurückgeht.

Im Kanton Solothurn etwa gibt es neben der Däniker Gruppe nur noch drei weitere. Viele Vereine würden sich auflösen, weil die Mitglieder altersbedingt aufhören müssten oder versterben und die Nachwuchssuche schwierig sei.

Auch in Däniken treffen sich nur noch die drei Frauen zum Nähen – in Spitzenzeiten waren sie zu zehnt. «Wenn noch jemand aufhört und nicht neue Mitglieder dazukommen, müssen wir uns wohl auch auflösen», sagt Simone.

An Ausstellungen legen sie darum Visitenkarten aus und werben für neue Mitglieder. Simone: «Manche fragen mich, was man damit verdient. Dabei arbeiten wir ehrenamtlich und aus Freude.»