«Es gibt so viele Katzen auf dieser Welt, aber ausgerechnet ich habe die Schönste.» Der etwas kitschig anmutende Spruch ist aufgedruckt auf einem Kissen. Es thront auf einer Kommode im Wohnzimmer von Eveline Meiers Einfamilienhaus in Lostorf. Erhalten hat sie das Kissen als Preis für die beste Show bei einer Katzenausstellung im sankt-gallischen Altstätten vor einem Jahr.

Während das Haus offiziell Eveline Meier gehört, sind die elf erwachsenen Katzen die eigentlichen Herrscher des kunterbunten, sehr katzenfreundlich gestalteten Heims. Ein Kratzbaum hier, ein gemütlich ausgepolstertes Körbchen da. Im Bücherregal steht eine Vase mit unzähligen Spielangeln drin. Und auf dem obersten Regal: Sieben glänzende Pokale.

Sie hat elf Kätzchen neben ihrem Bett

Denn Meier ist nicht einfach nur Katzenliebhaberin. Die 53-Jährige züchtet eine ganz besondere Katzenrasse: Maine Coon heisst sie. «Es ist eine amerikanische Hauskatze. Die Rasse streitet mit der norwegischen Waldkatze darum, welche Katzen die grössten sind», erklärt Meier schmunzelnd. Tatsächlich: Die Katzen der Lostorferin sind ungewöhnlich gross. Im Aufnahmefall könnten die Vierbeiner bis zu 15 Kilogramm wiegen.

Züchterin wurde Meier durch Zufall. «Nachdem ich 1994 von zu Hause ausgezogen war, kaufte ich einer Bekannten drei Maine-Coon-Katzen ab. Ich habe mich sofort in sie verliebt.» Um der Freundin zu helfen, habe sie mit ihr eine Ausstellung besucht. Meier: «Da hat es mir den Ärmel reingenommen.» Nach fünf Jahren als Ausstellerin suchte sie sich eine Kätzin. Seit 21 Jahren ist Meier nun Katzenzüchterin.

«Drei Würfe, das ist schon sehr viel»

Anfang Juli hat die Katzenfamilie denn auch Zuwachs bekommen. Elf noch tollpatschige Kätzchen sind im Schlafzimmer von Eveline Meier zu Hause. Eine weitere Kätzin ist trächtig. «Drei Würfe, das ist schon sehr viel», sagt Meier. Für gewöhnlich habe sie nur einen pro Jahr. Doch: «Ich habe mir vergangenes Jahr einen neuen, jungen Kater gekauft, um frisches Blut reinzubringen. Und der war sehr fleissig.»

Den Nachwuchs wird Meier verkaufen, sobald die Kätzchen vier Monate alt und kastriert sind. Etwa 1200 Franken pro Katze verlangt sie. Ausgeschrieben werden sie auf Online-Plattformen wie Tutti.ch. Noch brauchen die Kätzchen aber einen Namen. Da gibt es schon Fantomas, Fairytale, Fortune Hunter, Flintstone und Flash of Fantasy. «Manchmal, wenn ich auf meinem Bett liege, denke ich an das eine oder andere Büsi und plötzlich weiss ich, wie es heissen soll», sagt Meier. Vorgegeben ist einzig der Anfangsbuchstabe: 2019 ist das Jahr der Namen mit F. Dies schlägt der Helvetische Katzenverband vor.

«Es ist einfach meine Leidenschaft»

Mit ihren Katzen reist Meier regelmässig an Ausstellungen im In- und Ausland. Die am weitesten entfernte Destination sei bisher der Norden Hollands oder eine mehrtägige Ausstellung in Kroatien gewesen. «Eine Katze nehme ich aber nicht mehr als ein Mal pro Monat mit», erklärt Meier. Besonders die teilweise stundenlange Autofahrten könnten «purer Stress» für die Vierbeiner sein. «Die Ausstellungen selbst machen ihnen nicht viel aus. Den einen macht es sogar Spass.» Als Preise bringt Meier kunterbunte Rosetten mit nach Hause. «Ich bin stolz, wenn eine Katze gewinnt, die ich gezüchtet habe», sagt die gebürtige Dullikerin.

Die Reisen zu den Ausstellungen, die Tierarztbesuche, das Katzenfutter: Meier investiert nicht nur Zeit und Herzblut, sondern auch viel Geld in ihre Leidenschaft. Zum Glück könne sie in ihrem Job als Administrationsmitarbeiterin einer Telekommunikationsfirma viel Arbeit von zu Hause erledigen. «Gerade jetzt mit den Katzenbabys ist das sehr praktisch», sagt Meier.

Denn die Katzenzucht hat für sie längst den Status eines Hobbys überstiegen. Die Lostorferin meint: «Ein Hobby stellt man wieder in den Schrank, wenn man keine Lust mehr hat.» Das sei für sie ja offensichtlich nicht möglich, sagt sie und zeigt auf die vier zufrieden schlummernden Katzen auf der obersten Etage des Kratzbaums. Meier sagt: «Viele denken, ich habe einen Knall. Aber es ist einfach meine Leidenschaft.»