Ehrung

Sie ist die Mutter Theresa von Schönenwerd: Verena Widmer-Hersperger wird geehrt

Engagement zu Gunsten Benachteiligter (von links): Gemeindepräsident Peter Hodel übergab Ehrenpreisträgerin Verena Widmer-Hersperger die Skulptur von Oliviero Gorza; Reinhard Mundwiler hielt die Laudatio.

Engagement zu Gunsten Benachteiligter (von links): Gemeindepräsident Peter Hodel übergab Ehrenpreisträgerin Verena Widmer-Hersperger die Skulptur von Oliviero Gorza; Reinhard Mundwiler hielt die Laudatio.

Mit Verena Widmer-Hersperger wurde am Neujahrsapéro erstmals eine Persönlichkeit aus dem Dorf für besondere Verdienste geehrt.

Wie am Schönenwerder Neujahrsapéro – heuer zum 15. Mal durchgeführt – üblich, hielt Gemeindepräsident Peter Hodel am Mittwochnachmittag im Casinosaal Rück- und Ausblick. Vor zehn Jahren, so Hodel, hätten bahnbrechende Geschäfte getätigt werden können. So wurden unter anderem die Vereinbarungen für die Sozialregion und die Sek P unterzeichnet; die Sanierung des Sporttraktes Feld in Angriff genommen, das Nachtbusangebot erweitert, das erste Weihnachtskonzert in der Stiftskirche abgehalten, und die damalige Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer besuchte das Schulhaus Feld. 2018 wurde die neue Website aufgeschaltet und das neue Reservoir samt Zonenpumpwerk in Betrieb genommen. Für das kommende Jahr stünden im Zentrum des Interesses: die Inbetriebnahme des neuen Grundwasserpumpwerks sowie des Eppenbergtunnels, die Realisierung der ÖV-Drehscheibe, die Sanierung des alten Hauswirtschaftsschulhauses sowie eine weitere Ausgabe des Jugendfestes auf dem Bühl.

«Miliz- und Freiwilligenarbeit sind wichtig»

2019 aber sei als das «Jahr der Milizarbeit» in die Geschichte eingegangen. «Milizarbeit ist das Fundament und die Garantie für eine bürgernahe und nachhaltige Politik», ist Hodel überzeugt. Leider könnten zwei Drittel aller Gemeinden ihre Exekutivämter kaum noch besetzen. Nicht so Schönenwerd. In der Niederämter Gemeinde habe dies immer geklappt. Genauso wichtig wie die Milizarbeit sei die Freiwilligenarbeit, ohne diese «so manches in den Vereinen, Organisationen, sozialen Institutionen und dem Gesundheitswesen nicht mehr funktionieren würde». Ganz in diesem Zeichen sah der Gemeindepräsident die erste Ehrenpreisträgerin für besondere Verdienste zu Gunsten von Schönenwerd: Mit Verena Widmer-Hersperger erfuhr eine Bürgerin diese Auszeichnung, die «sehr viel Freiwilligenarbeit geleistet hat, meistens abseits vom Scheinwerferlicht und immer mit grosser Bescheidenheit. Müsste ich sie beschreiben, käme mir spontan Mutter Theresa in den Sinn.»

Alt Bezirksschullehrer Reinhard Mundwiler hielt die Laudatio auf die Preisträgerin. Er hielt fest: «Ihre Hilfsbereitschaft Kindern und Erwachsenen gegenüber zeigte sich schon in frühen Jahren.» Ihr Lebensziel, anderen zu helfen, habe sich wie ein roter Faden durch ihr Wirken gezogen, so Mundwiler. Flüchtlinge, Menschen mit Behinderungen und andere Hilfsbedürftige hätten stets auf ihre Unterstützung zählen dürfen. Von den Bildern jüdischer Flüchtlingskinder zum Helfen ermutigt, profitierten Opfer des Ungarn-Aufstandes gleichermassen wie Kinder aus Kambodscha, denen sie im Rahmen ihrer 25-jährigen Freiwilligen-Tätigkeit das Paul-Gugelmann-Museum näherbrachte. Für die Pro Juventute war sie über 30 Jahre lang im Einsatz wie auch für die Bürgergemeinde, wo sie nach dem Sturm 1972 den Frondienst ins Leben zu rufen half. Ebenso engagierte sie sich für die Ausschüsse Kinderhort und «Kronenzeitung» oder die Fürsorgekommission. Und auch für die Stiftung Arkadis, mit Sitz in Olten, setzte sie sich über zehn Jahre lang ein.

«Andere hätten diesen Preis ebenso verdient»

Wie empfindet die Geehrte selbst diese Auszeichnung? «Zunächst war ich etwas verlegen und hatte eine schlaflose Nacht, und ich sagte mir, dass andere diesen Preis ebenso verdient hätten», bekannte Verena Widmer-Hersperger. Dann habe sie aber Freude empfunden. Sie nähme den Preis gerne entgegen. Dafür müsse man aber vier Voraussetzungen mitbringen, meinte sie nicht ohne Selbstironie: «Nicht vorher sterben, nicht zügeln, gesund sein bis ins hohe Alter und ein grosses Mass an Freiheit zur Verfügung haben», bekannte die langjährige Kindergärtnerin, die unter anderem in Gretzenbach, im Feld-Schulhaus und zuletzt bis zu ihrer Pensionierung auf dem Bühl tätig war. Ihre Familie habe ihr immer den Freiraum gelassen, den sie für ihre Tätigkeiten benötigte.

So durfte die 82-Jährige eine Bronze-Figur aus den Händen des einheimischen Kunstschaffenden Oliviero Gorza entgegennehmen: Eine Skulptur, welche zwei Figuren zeigt, die einander den Arm um die Schulter legen und welche den Solidaritätsgedanken mit anderen zum Ausdruck bringt, den das Leben der Geehrten von der frühesten Kindheit bis ins hohe Alter geprägt hat.

Die gegen 100 Anwesenden quittierten die Auszeichnung mit grossem Applaus und liessen nach der Ehrung den Nachmittag beim Apéro mit Speckzopf und Tranksamen gemütlich ausklingen.

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