Walterswil
Sicher kein Erotikbetrieb: Gemeinderat richtet sich eine «Notbremse» ein

Der Gemeinderat von Walterswil verschärft das Zonenreglement für das Gebiet rund um das Restaurant Sonne. Eine Kontaktbar oder Sexgewerbe sind somit nicht mehr zulässig in der Liegenschaft. Was sagen die Walterswiler dazu?

Silvana Schreier
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Restaurant Sonne, Walterswil
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Die Gemeinde informierte nun über die Änderungen im Zonenreglement.
Künftig will der Gemeinderat nämlich eine Art «Notbremse» zu Verfügung haben, um besser über den Dorfkern bestimmen zu können. Die «Sonne» liegt direkt neben der Kirche (rechts davon).
Mittlerweile leben rumänische Gastarbeiter im ehemaligen Restaurant. Die Gemeinde ist damit nicht zufrieden.
«Wir haben die Eigentümer zu diesem Infoabend eingeladen. Es verwundert mich, dass sie nicht gekommen sind», sagt Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm.

Restaurant Sonne, Walterswil

Bruno Kissling

«Ich will das nicht nochmals erleben, was wir 2017 mitmachen mussten.» Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm präsentiert am Donnerstagabend den 20 Anwesenden die Änderungen in der Ortsplanung. Dabei geht es um das Gebiet rund um das Restaurant Sonne, das in der Dorfkernzone liegt. Nur die betroffenen Walterswiler wurde dafür eingeladen. «Wir müssen diese Mitwirkung vorziehen», sagt Wilhelm, «sonst wären alle Emotionen damals umsonst gewesen».

Die Geschichte begann im Februar 2017 mit einem Baugesuch. Der Gemeinderat reagierte umgehend und verhängte eine dreijährige Planungszone über die Parzellen. Erstens stehe sowieso die Ortsplanungsrevision an. Zweitens müssten sie die Überarbeitung aufgrund der neuen kantonalen Bauverordnung vornehmen. «Das Baugesuch für die Erotik-Bar trägt einen Teil dazu bei, dass wir nun handeln», erklärte die Gemeindepräsidentin damals.

Alles begann mit einem Baugesuch

Im Februar 2017 wurde ein Baugesuch auf der Gemeindeverwaltung von Walterswil aufgelegt. «Zimmervermietung, Bar mit Dienstleitungsbetrieb im Erotikbereich», hiess es darin. Laut der Zonenplanung könnte ein solches Vorhaben im Bereich des Erlaubten liegen. Doch: Das ehemalige Restaurant Sonne liegt in der Dorfkernzone. «Wir loten alle Möglichkeiten aus, um diese Erotik-Bar zu verhindern», kündigte Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm damals an.

Der Walterswiler Gemeinderat erhob wenige Tage darauf – zusammen mit fünf Anwohnern und der Kirchgemeinde – Einsprache gegen das Bauvorhaben. Weiter verhängte er eine Planungszone über die Parzellen. Dies bedeutete ein sofortiger Baustopp für die Dauer von drei Jahren.

Im Juni 2017 wurde an der Gemeindeversammlung eine Konsultativabstimmung durchgeführt: Soll die Gemeinde über einen Kauf der «Sonne» nachdenken? Die Walterswiler waren sich uneinig: 16 waren dafür, ebenso viele dagegen. Das Vorhaben wurde – auch aufgrund der finanziellen Situation der Gemeinde – verworfen.
An der Gemeindeversammlung im Dezember 2017 stimmten die Walterswiler einem Kredit über 100'000 Franken für die Überarbeitung der Ortsplanung zu. Im Juni 2019 gab es ausserdem ein Ja zum neuen räumlichen Leitbild. (sil)

Nun ist die dreijährige Schonfrist fast vorüber: Ab dem 6. Februar 2020 könnte bei der «Sonne» wieder gebaut werden. Darum treibt die Gemeinde die Revision der Dorfkernzone voran.

«Die ‹Sonne› ist nicht in Stein gemeisselt»

Das Zonenreglement wurde gleich in mehreren Punkten verschärft. So ist etwa die Nutzung der Fläche genauer umrissen: «Gestattet sind Wohnungen, Läden, Land- und Gastwirtschaftsbetriebe, öffentliche Nutzungen sowie nicht störende, dem Charakter der Zone angepasste Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe», heisst es darin. Kontaktbars und Sexgewerbe gehören neu ausdrücklich zu den nicht zugelassenen Nutzungen.

Gemeinderat Marcel Fischer erklärt weiter: «Die ‹Sonne› ist nicht in Stein gemeisselt. Man darf das Gebäude auch abreissen und neu bauen.» Bei gravierenden Veränderungen auf dem Grundstück müsste der Bauherr aber einen Gestaltungsplan einreichen. «Das Verfahren bis zur Baubewilligung wird durch diese zusätzliche Schlaufe länger dauern», so Fischer. Und die Gemeinde habe eine Art «Notbremse»: «Für uns ist wichtig, dass wir mitreden können und nicht einfach tatenlos zuschauen müssen.» Gemeindepräsidentin wünscht sich, dass die Parzellen künftig dem Dorfkern würdig gestaltet werden. «Wir können uns ein Café oder Läden vorstellen», sagt Wilhelm.

«Ist das nicht diskriminierend?»

Die Walterswiler folgten den Ausführungen der Gemeinderäte aufmerksam. Hinterfragten jedoch deren Sinn: «Ist das nicht diskriminierend?», fragte eine Votantin in Bezug auf die verschärften Reglemente. Der Eigentümer sei ein «armer Cheib».

Wilhelm zeigte Verständnis, stellte aber auch klar: «Wir haben die Eigentümer zu diesem Infoabend eingeladen. Es verwundert mich, dass sie nicht gekommen sind.» In der Zwischenzeit hat ein Ehepaar aus Oftringen die Liegenschaft gekauft und an eine Baufirma vermietet. Diese bringt in der «Sonne» seit einiger Zeit rumänische Gastarbeiter unter, womit die Gemeinde laut Wilhelm «nicht sehr zufrieden» ist. Ausserdem wurden mehrere Fahrzeuge auf dem Grundstück abgestellt.

Welche Pläne die neuen Eigentümer mit dem Grundstück haben, könne sie nicht sagen. Wilhelm: «Ich hoffe, wir schaffen die Revision, bis die Planungszone abläuft.» Eingaben zur Mitwirkung können noch bis zum 16. September schriftlich mitgeteilt werden.