«Ich will das nicht nochmals erleben, was wir 2017 mitmachen mussten.» Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm präsentiert am Donnerstagabend den 20 Anwesenden die Änderungen in der Ortsplanung. Dabei geht es um das Gebiet rund um das Restaurant Sonne, das in der Dorfkernzone liegt. Nur die betroffenen Walterswiler wurde dafür eingeladen. «Wir müssen diese Mitwirkung vorziehen», sagt Wilhelm, «sonst wären alle Emotionen damals umsonst gewesen».

Die Geschichte begann im Februar 2017 mit einem Baugesuch. Der Gemeinderat reagierte umgehend und verhängte eine dreijährige Planungszone über die Parzellen. Erstens stehe sowieso die Ortsplanungsrevision an. Zweitens müssten sie die Überarbeitung aufgrund der neuen kantonalen Bauverordnung vornehmen. «Das Baugesuch für die Erotik-Bar trägt einen Teil dazu bei, dass wir nun handeln», erklärte die Gemeindepräsidentin damals.

Nun ist die dreijährige Schonfrist fast vorüber: Ab dem 6. Februar 2020 könnte bei der «Sonne» wieder gebaut werden. Darum treibt die Gemeinde die Revision der Dorfkernzone voran.

«Die ‹Sonne› ist nicht in Stein gemeisselt»

Das Zonenreglement wurde gleich in mehreren Punkten verschärft. So ist etwa die Nutzung der Fläche genauer umrissen: «Gestattet sind Wohnungen, Läden, Land- und Gastwirtschaftsbetriebe, öffentliche Nutzungen sowie nicht störende, dem Charakter der Zone angepasste Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe», heisst es darin. Kontaktbars und Sexgewerbe gehören neu ausdrücklich zu den nicht zugelassenen Nutzungen.

Gemeinderat Marcel Fischer erklärt weiter: «Die ‹Sonne› ist nicht in Stein gemeisselt. Man darf das Gebäude auch abreissen und neu bauen.» Bei gravierenden Veränderungen auf dem Grundstück müsste der Bauherr aber einen Gestaltungsplan einreichen. «Das Verfahren bis zur Baubewilligung wird durch diese zusätzliche Schlaufe länger dauern», so Fischer. Und die Gemeinde habe eine Art «Notbremse»: «Für uns ist wichtig, dass wir mitreden können und nicht einfach tatenlos zuschauen müssen.» Gemeindepräsidentin wünscht sich, dass die Parzellen künftig dem Dorfkern würdig gestaltet werden. «Wir können uns ein Café oder Läden vorstellen», sagt Wilhelm.

«Ist das nicht diskriminierend?»

Die Walterswiler folgten den Ausführungen der Gemeinderäte aufmerksam. Hinterfragten jedoch deren Sinn: «Ist das nicht diskriminierend?», fragte eine Votantin in Bezug auf die verschärften Reglemente. Der Eigentümer sei ein «armer Cheib».

Wilhelm zeigte Verständnis, stellte aber auch klar: «Wir haben die Eigentümer zu diesem Infoabend eingeladen. Es verwundert mich, dass sie nicht gekommen sind.» In der Zwischenzeit hat ein Ehepaar aus Oftringen die Liegenschaft gekauft und an eine Baufirma vermietet. Diese bringt in der «Sonne» seit einiger Zeit rumänische Gastarbeiter unter, womit die Gemeinde laut Wilhelm «nicht sehr zufrieden» ist. Ausserdem wurden mehrere Fahrzeuge auf dem Grundstück abgestellt.

Welche Pläne die neuen Eigentümer mit dem Grundstück haben, könne sie nicht sagen. Wilhelm: «Ich hoffe, wir schaffen die Revision, bis die Planungszone abläuft.» Eingaben zur Mitwirkung können noch bis zum 16. September schriftlich mitgeteilt werden.