Erlinsbach
Seltenes Ereignis: Engadinerschaf Lisi im dreifachen Mutterglück

Das achtjährige Engadinerschaf Lisi gebar vor drei Wochen Vierlinge. Für Josef und Klara Niederberger ist das etwas ganz Besonderes, denn Vierlinge hatten sie noch nie. Obwohl eines der Lämmchen nicht überlebte, ist die Freude über die Drillinge gross.

Kelly Spielmann
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Erlinsbach: Schaf Lisi im Mutterglück
8 Bilder
Klara Niederberger beim Füttern.
Eines der Drillinge von Lisi.
Die Drillinge sind zum Knuddeln süss.
Josef und Klara Niederberger mit Jimmy.
Fast zeitgleich hatte auch ein anderes Schaf Zwillinge.

Erlinsbach: Schaf Lisi im Mutterglück

Bruno Kissling

Sobald Klara Niederberger bei ihrer Weide am Waldrand in Erlinsbach ankommt, beginnt das Glockenkonzert: 45 Schafe springen gleichzeitig auf die Besitzerin der Tiere zu, darunter auch die erst drei Wochen alten Drillinge. Voller jugendlicher Energie hüpfen die Lämmer dem Glockengeläut ihrer Mutter Lisi nach, weichen ihr nicht von der Seite.

Das achtjährige Engadinerschaf durfte am 30. September dieses Jahres vier Jungtiere gebären. «Das ist sehr aussergewöhnlich, normalerweise bringen unsere Schafe eines oder zwei, manchmal drei Lämmer zur Welt. Vier hatten wir noch nie», so Niederberger, die nun liebevoll Lisis Kopf krault.

«Im Durchschnitt gebären Engadinerschafe pro Jahr drei Lämmer, verteilt auf zwei Ablammungen. Vierlinge kommen schon ab und zu vor, aber das liegt definitiv über dem Durchschnitt», bestätigt auch Christian Gazzarin, Vizepräsident und Zuchtleiter des schweizerischen Zuchtvereins für Engadinerschafe. Vor allem bei älteren Schafen gäbe es oft viele Jungtiere.

Trauer durchzieht das Glück

Mittlerweile ist auch Ehemann Josef Niederberger bei der Weide angekommen. Auch er freut sich über den Nachwuchs, trauert jedoch noch immer um den eigentlichen Vierling: «Leider hat es eines der Kleinen nicht überlebt. Wir haben noch versucht, es mit der Flasche aufzupäppeln, aber es war zu schwach», so der Landwirt. Das vierte der jungen Engadiner Geschwister ist am letzten Montag verstorben. «Das war ein trauriger Tag für uns», fügt seine Frau mit getrübter Miene an.

Experte Gazzarin erklärt, dass dies bei Geburten von mehr als zwei Lämmern leider oft der Fall sei. «Die Aue kann drei, vier oder noch mehr Lämmer meist nicht alleine versorgen, es ist also kaum möglich, dass bei grossen Geburten alle überleben», so der Zuchtleiter. «Ausserdem spielt auch das Alter der Mutter eine Rolle, ältere Auen können ihre Jungtiere nicht mehr so gut versorgen wie jüngere», fügt er an. Dass in Lisis Fall drei der vier Tiere überlebt haben, sei für ihr Alter von acht Jahren jedoch ein sehr gutes Ergebnis.

Hungrige Engadiner

Neben Hund Jimmy hat Josef Niederberger auch Futter für die Schafe mitgebracht. Lisi schlägt zu. «Die Jungen trauen sich noch nicht an die feste Nahrung, sie leben momentan noch von der Muttermilch», erklärt Klara Niederberger. Langsam beginnt jedoch das weiss-schwarz gefleckte, männliche Lämmlein, mutig am Futterkessel zu schnuppern.

Erst vorsichtig, aber dann immer euphorischer beginnt das Jungtier, am Futter zu knabbern. Voller Freude beobachten die beiden Besitzer die erste feste Mahlzeit des Lamms. Während dieses wegen seines übermütigen Fressstils fast in den Futterkessel fällt, sind seine Geschwister noch etwas skeptischer.

Die beiden schwarzen Lämmer, ein Männchen und ein Weibchen, schnuppern zwar am Futter, scheinen damit jedoch noch nichts anfangen zu können und verstecken sich sogleich wieder hinter ihrer Mutter, wo sie sich sicher fühlen.

Lämmersegen auf der Weide

Sie ist zurzeit jedoch nicht die einzige frischgebackene Mutter der Herde: «Zwei unserer Schafe haben jeweils ein Junges bekommen, und ein drittes Schaf hat Zwillinge», so Klara Niederberger. «Und das Schaf, das dort oben steht, ist trächtig. Ich denke, es werden zwei Lämmer, und es wird jeden Moment soweit sein», fügt ihr Mann strahlend an.

Lisi scheint sich inzwischen sattgefressen zu haben und glöckelt zufrieden auf die Weide zurück. Im Anhang sind – in hohem Tempo hüpfend, um mit den kurzen Beinchen mit ihrer Mutter mithalten zu können – die drei Übriggebliebenen der Viererbande.