Niedergösgen
Seltener Einblick ins Wasserkraftwerk wird möglich

Wo normalerweise Tausende Liter Wasser die Stromturbine antreiben, sind derzeit Alpiq-Mitarbeiter mit der Revision beschäftigt. Auch Aussenstehende haben kommende Woche die seltene Gelegenheit, einen Blick ins Innerste des Wasserkraftwerks Gösgen zu werfen.

Christoph Zehnder
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Jahresrevision einer Turbine im Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG
25 Bilder
Blick auf das Wasserkraftwerk mit dem Rechen, der Schwemmholz und gröberes Material herausfischt...
...und das herausgefilterte Material über einen Kanal ableitet - für den Abtransport in Mulden.
Blick in den Turbinensaal mit insgesamt fünf Turbinen
Blick von Aussen auf die Turbine, die derzeit revidiert wird
Revisionsarbeiten im Innern der Turbine
Jahresrevision Turbinen Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG
Jahresrevision Turbinen Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG
Jahresrevision Turbinen Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG
Geschäftsführer Thomas Fürst erklärt die Funktionsweise der Anlage.
Jahresrevision Turbinen Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG
Das Wasserkraftwerk Niedergösgen von aussen
Blick in den Turbinensaal mit den insgesamt fünf Turbinen.
Rechts der derzeit abgeriegelte Wassereinlass, links die in Revision befindliche Turbine
Geschäftsführer Thomas Fürst
Blick auf den untersten Teil der Turbine
Die gesamte Turbinenanlage ist haushoch.
Jahresrevision Turbinen Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG
Jahresrevision Turbinen Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG
Jahresrevision Turbinen Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG
Jahresrevision Turbinen Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG

Jahresrevision einer Turbine im Wasserkraftwerk Niedergösgen der Alpiq Hydro Aare AG

Bruno Kissling

Seit 1917 produziert das Wasserkraftwerk Gösgen elektrischen Strom. Umso faszinierender ist es, 100 Jahre später einen Blick in das Innerste dieser Anlage zu werfen. Alleine die Werkhalle mit den fünf grossen Generatoren ist beeindruckend. Insgesamt erzeugen die Generatoren pro Jahr rund 300 Million Kilowattstunden Elektrizität. Ein Generator alleine liefert pro Stunde so viel Strom wie zwei bis drei Haushalte im ganzen Jahr verbrauchen.

Die Energie dafür liefert das Wasser der Aare. Es strömt vom Aarekanal in die fünf Turbinenkanäle — rund 70'000 Liter in der Sekunde — und treibt dort die 3,6 Meter breiten Kaplanturbinen an. Diese Turbinen bekommen selbst Alpiq-Mitarbeiter nur selten zu Gesicht. Denn die Kanäle werden nur für Revisionsarbeiten trockengelegt. Da die langlebigen Maschinen nur alle fünf Jahre revidiert werden müssen, ist jedes Jahr eine andere Einheit an der Reihe, erklärt Thomas Fürst, Geschäftsführer der Alpiq Hydro Aare AG.

Derzeit ist das bei Maschine 4 der Fall. Für einmal steht die Luke zum Schacht weit offen. Eine Leiter führt in den Turbinenkanal hinab, wo die Werkmitarbeiter Revisionsarbeiten durchführen: Dichtungen werden ersetzt, Ventile geprüft und jede Komponente auf noch so kleine Schäden und Verschleiss hin untersucht. Schliesslich muss die Turbine für die nächsten fünf Jahre halten und dabei der unbändigen Kraft des Wassers standhalten. Selbst jetzt im trockenen Zustand ist diese Kraft noch spürbar. Aus dem Nebenschacht dringt die Vibration der benachbarten Turbine durch die dicke Betonhülle hindurch und nur der Dammbalken hindert die Aare daran, in den Kanal hinabzustürzen. Die Ehrfurcht vor der Kraft des Wassers und die Faszination für die Technik, welche sich dieses Wasser zunutze macht, halten sich hier die Waage.

Für kurze Zeit haben auch Aussenstehende die Gelegenheit, das Innenleben des Wasserkraftwerks Gösgen zu erkunden. Zwischen dem 18. und 23. September öffnet die Alpiq Hydro Aare AG für Interessierte die Turbine. Auf einem 60-minütigen Rundgang erhalten die Besucher Einblick in den Betrieb des Kraftwerks und erfahren, wie aus Wasserkraft Elektrizität entsteht.

Aare bestimmt Produktion

Das Wasserkraftwerk Gösgen ist das grösste Aarekraftwerk zwischen Bielersee und Klingnauer Stausee. Neben Flumenthal und Ruppoldingen ist es das älteste, aber auch das leistungsstärkste Wasserkraftwerk der Alpiq Hydro Aare AG. Zwischen 1997 und 2000 wurde die Anlage komplett erneuert und liefert heute zwölf Prozent mehr Strom als zuvor. Die Produktionsmenge variiert je nach Wasserstand. «Wir bekommen, was die Aare uns bringt», fasst es Thomas Fürst zusammen. Der Betrieb läuft heute grösstenteils vollautomatisch. Ein Team von sieben Werkmitarbeitern hält das Kraftwerk in Schuss.

Das Unternehmen nutzt die Revision und ersetzt nach 17 Jahren auch gleich die zur Maschine 4 gehörende Steuerungselektronik. «Es ist wie bei einem Haus», erklärt Fürst, «wenn das Gerüst einmal steht, möchte man möglichst viele Arbeiten aufs Mal erledigen.» Rund 3 Millionen Franken kostet die Erneuerung der Elektronik. Bis im nächsten Frühling wird diese bei allen fünf Turbinen abgeschlossen sein.

Tage der offenen Turbine Vom 18. bis 23. September. Infos und Anmeldung: www.alpiq.ch/besichtigungen