Starrkirch-Wil
Seit einem halben Jahrhundert eine Erholungsoase: Der Waldweiher feiert Geburtstag

Nahe des Waldrandes in Starrkirch-Wil lädt ein Weiher auch nach 50 Jahren als Naherholungsgebiet ein. Dabei war es um sein Wohlergehen nicht immer gut bestellt und es bedurfte besonders in den Anfangsjahren viel Initiative und Engagement, um den Weiher als Oase für die Nachwelt zu erhalten.

Melina Aletti
Merken
Drucken
Teilen
50 Jahre Waldweiher Starrkich-Wil
3 Bilder
Impression vom Waldweiher in Starrkirch-Wil.
Impression vom Waldweiher Trimbach

50 Jahre Waldweiher Starrkich-Wil

Melina Aletti

Geht man in Starrkirch-Wil beim Schulhaus die Treppe hoch, über den Schulhausplatz und zwischen spielenden Kindern hindurch, gelangt man zu einem schmalen Weg. Dieser führt über die Hauptstrasse, am Waldfestplatz vorbei zum Waldweiher. Alles sieht ganz idyllisch und natürlich aus, doch dieser Weiher hat eine aussergewöhnliche Geschichte. Er wurde in seiner heutigen Form vor nunmehr 50 Jahren auf Initiative der damaligen Lehrer und mithilfe der Schüler angelegt.

Daniel Thommen, heute Gemeindepräsident von Starrkirch-Wil, erinnert sich noch gut daran: «Ich war damals in der zweiten Klasse, als wir mit der Schule hierher gekommen sind, um das Gebiet des zukünftigen Weihers zu reinigen. Dabei haben wir allerhand gefunden: Veloräder, Schuhe, Autopneus und vieles mehr. Weil bereits ein Rinnsal durch dieses Gebiet führte, das bei starkem Regen jeweils ein Stück weit zurückstaute, war alles schlammig und wir Kinder dementsprechend dreckig, als wir nach Hause gingen.»

Müllhalde staute das Wasser

Das Wasser staute sich im Bereich des heutigen Weihers vor allem, weil wenige Meter weiter unten die Müllhalde des Dorfes war. Dort lud Bruno Prina, ein lokaler Bauunternehmer, jeweils den eingesammelten Kehricht ab. Thommen weiss: «Samstags fuhr er mit mehreren Helfern durch das Dorf und leerte den Inhalt der mit Zeitungspapier ausgeschlagenen Ochsner-Kübeln auf seinen Scania-Vabis-Lastwagen. Obwohl der Abfall in der Deponie von Zeit zu Zeit angezündet worden ist, wurde der Berg immer grösser. Deshalb und weil der Boden durch das Befahren mit dem Lastwagen verdichtet wurde, staute sich immer mehr Wasser.»

Es entstand ein kleiner Weiher, der je nach Regenfällen seine Grösse veränderte und im Sommer meist ganz austrocknete. So kam es, dass teilweise Bäume im Wasser standen. Die Bürgergemeinde, welcher dieses Waldstück gehörte, wollte das nicht weiter dulden. Gleichzeitig setzte sich die Lehrerschaft, allen voran Werner Schenk, für die Erhaltung des Weihers ein. Das führte dazu, dass das Geschäft im Januar 1966 der Schulkommission übertragen wurde.

Jubiläumsfeier

Die Feier zum Jubiläum 50 Jahre Waldweiher Starrkirch-Wil findet am Samstag, 20. Mai, von 14 bis 16.30 Uhr beim Waldweiher statt.

Die ersten Jahre des Weihers

Damit dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden konnte, trat die Bürgergemeinde das Gebiet des Weihers im Februar 1967 ohne Entschädigung an die Einwohnergemeinde ab. Im Mai desselben Jahres war die Anpflanzung des neuen Weihers erfolgt, doch das Glück währte vorerst nur kurz. Daniel Thommen erzählt: «Im Juni setzte ein Oltner Fische im Weiher aus, die alle Kleinlebewesen aufgefressen haben. Diese hatte Lehrer Schenk zuvor in mühsamer Arbeit dort angesiedelt.» Deshalb versuchte der Oltner Fischereiverein, den Weiher leer zu fischen, doch das gelang nicht.

Im Sommer 1967 war der Pegelstand aufgrund von anhaltender Trockenheit stark gesunken. Als Sofortmassnahme legte die Feuerwehr eine Schlauchleitung. «Im Jahre 1972 wurde dann auf Initiative von meinem Vater und Lehrer Schenk eine Pumpstation eingerichtet, die Wasser von tiefer gelegenen Quellen in den Weiher pumpt, sodass der Pegelstand konstant gehalten werden kann», meint Thommen. Am 15. September 1967 beschloss der Regierungsrat, den Waldweiher samt eines zehn Meter breiten Uferstreifens unter Naturschutz zu stellen.

Auch heute noch rege genutzt

Seit 2005 ist nicht mehr die Lehrerschaft, sondern die Umweltschutzkommission für den Weiher zuständig. Dennoch ist der Weiher immer noch ein wichtiges Anschauungsobjekt für die Schule. Die Primarschüler können dort vieles beobachten: Enten, Fische, Frösche, Molche und viele Pflanzen. Zurzeit wachsen die Wasserlinsen, sodass in wenigen Tagen der ganze Weiher grün bedeckt sein wird.

Thommen bemerkt, dass der Weiher auch als Naherholungsgebiet genutzt wird: «Sehr viele Spaziergänger kommen hier vorbei und nützen den Weg und die Bänke rund um den Weiher. Je nach Tageszeit sind auch viele Hundehalter anzutreffen. Deren Tiere freuen sich besonders im Sommer über ein Bad im kühlen Nass. Das lauschige Plätzchen ist auch bei Paaren sehr beliebt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie viele Küsse in diesen 50 Jahren hier gegeben worden sind.»