Tischtennis

Seit 50 Jahren: «Made in Winznau»

Im Laden der Familie Gubler dreht sich schon in zweiter Generation alles um den Tischtennissport.

Daniel Gubler schiebt die Rollregale auseinander. «Das ist das Herzstück unseres Geschäfts», erklärt er sichtlich stolz. In Karteikästen sind Gummi-Beläge gelagert, daneben Schlägerhölzer aufgereiht. «Wir haben hier 10 000 Beläge gelagert und mit den verschiedenen Hölzern können wir 1 Million verschiedene Tischtennisschläger herstellen», so Gubler.

Der 58-jährige Winznauer führt durch sein weitläufiges und verwinkeltes Laden. Er steht im unscheinbaren Teil, dabei ist es das Kerngeschäft: die Herstellung von Tischtennisschlägern.

Ein Tischtennis-Paradies im Niederamt

Es beschränkt sich aber nicht nur auf das. Er verkauft auch alles rund um das Billard- und Dartspiel. «In den letzten vier Jahren ist es besonders beim Dart abgegangen», so Gubler. Das Geschäft hat bis zu 50 Prozent zugenommen. Kerngeschäft bleibt aber Tischtennis. Sein Unternehmen ist auch offizieller Ausrüster des Schweizerischen Tischtennis-Verbandes. So liefert er für Wettkämpfe die Ausrüstung.

Besonders in Erinnerung blieb ihm die Weltmeisterschaften im Behinderten-Tischtennis, welche 2008 in Montreux stattgefunden hat. «Dieser Wettkampf hat mich sehr beeindruckt. Das Niveau war extrem hoch», erzählt Gubler.

Ein Familienunternehmen

Seine Eltern haben dieses Geschäft gegründet. Sein Vater, Josef Gubler, war ein passionierter Tischtennisspieler und gründete verschiedene Sportclubs. 1969 eröffnete er dann das Fachgeschäft «Tischtennis Gubler». Es blieb aber ein Nebengeschäft für den SBB-Angestellten. Erst später wird man den Namen Gubler in der ganzen Schweiz mit Tischtennisausrüstung verbinden. Neben diesen Verpflichtungen spielte er und trainierte Spieler : «Meine Frau war das grösste Talent, das ich trainiert habe», sagt Gubler Senior.

Er und seine Frau Trudy Gubler kommen im Laden vorbei. Gemeinsam erinnern sie sich an die Wettkämpfe, die sie zusammen bestritten haben. Es ist klar, das Sportgeschäft ist immer noch ein Familienbetrieb: Josef Gubler und Sybille Gubler, die Frau von Daniel Gubler, arbeiten auch mit. Daneben hat Gubler noch drei Vollzeitangestellte und zwei Teilzeitangestellte.

Der Schläger ist entscheidend

Gubler führt in den vorderen Teil des Ladens. Es sieht aus wie in jedem anderen Sportgeschäft, aber alles dreht sich um den Tischtennissport. Tischtennisschuhe, T-Shirts und eben Schläger. Diese hängen an der Wand. Uniform und doch verschieden. «Das ist ein langsamer Anfängerschläger», erklärt der Fachmann. Gubler nimmt einen Schläger von der Wand. «Dieser hat eine dünne Carbonschicht im Holz. Dadurch gibt es weniger Vibrationen und der Sweet Spot ist grösser», so Gubler.

Sweet Spot? Der Laie versteht hier nur Bahnhof, aber der Profispieler weiss, um was es geht. Vor jedem Match darf er den Schläger des Gegners begutachten. So kann er besser abwägen, wie der Ball über das Netz fliegen wird: mit Rotation, langsam oder schnell. «Tischtennis ist ein Spiel, da geht es darum, die Spielart des Gegners lesen zu können. Man muss antizipieren, wie der Ball wieder über das Netz kommt», sagt Gubler. Denn der Ball kann eine Geschwindigkeit von bis zu 200 Kilometer pro Stunden erreichen. Bei dieser Geschwindigkeit wird der Ball unsichtbar: «Es ist ein wenig wie Schach. Man muss voraussehen können, was der Gegner als Nächstes macht.»

Mehr Regeln für ein faires Spiel

«Über die Jahre ist das Material immer mehr reglementiert worden», erklärt Gubler. Denn mit verschiedenen Techniken kann man die Eigenschaften des Schlägers zum Nachteil des Gegners modifizieren. Wenn der Gummibelag mit lösungsmittelhaltigem Kleber geklebt wird, dann wölbt sich dieser kaum merkbar. «Dieses Schlägerdoping hat einen grossen Einfluss auf das Tempo und die Rotation des Spiels und ist heute verboten», erklärt Gubler.

Gubler selber hat nie professionell Tischtennis gespielt. Er ist 1982 in das Geschäft seines Vaters eingetreten. «Ich war immer mit Tischtennis umgeben, darum habe ich in der Freizeit andere Sportarten betrieben.»

Innovationen in Winznau

Er steht jetzt um die Tischtennis- und Billardtische im hinteren Teil des Ladens. Er zeigt auf einen Tischtennistisch. Auf einem Metallgestell liegt eine Milchglasplatte. «Das ist ein Prototyp made in Winznau», sagt Gubler. Es gäbe nur wenige, gute wetterfeste Tischtennistische. «Die aus Beton sind zu schnell und haben keine guten Spieleigenschaften. Sie sind häufig nicht eben und die zusammenklappbaren oft zu langsam», so der Profi. «Deshalb haben wir einen eigenen Tisch entwickelt. Das Metallgestell stammt aus Winznau. Der Tisch kann von innen beleuchtet werden. «In der Nacht sieht das gewaltig aus», sagt er.

Gubler ist nicht nur Tischtennis-Spezialist, sondern auch Gemeindepräsident von
Winznau. Der CVP-Politiker ist schon sechs Jahren Präsident und vorher war er für neun
Jahre in der Planungskommission. «Die zeitliche Belastung mit der Politik und dem
Unternehmen ist enorm», sagt er. Was die Zukunft bringt, weiss er noch nicht. Doch bis zur Pensionierung habe er noch Zeit die Nachfolge zu regeln, meint er augenzwinkernd.

Autorin

Judith Frei

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