Erlinsbach SO

Seine Sportlerkarriere begann 1968: «Ich getraue mich nicht, aufzuhören»

Er gewann drei Olympiamedaillen im Bobfahren und absolvierte drei Mal den Ironman. Jetzt fährt Ulrich Bächli aus Erlinsbach SO Langstreckenrennen mit dem Velo.

Seine sportlichen Höhepunkte füllen fast zwei A4-Seiten. Fein säuberlich hat Ulrich Bächli die Erfolge aufgelistet. Vor wenigen Wochen kam er von seinem bisher längsten Velorennen nach Hause. 4142 Kilometer strampelte er ab. Vom Nordkap in Norwegen bis nach Bregenz am Bodensee. Mit seinen 69 Jahren war er der älteste Teilnehmer. In etwas mehr als 20 Tagen absolvierte er damit den neusten Erfolg auf seiner Liste.

Die sportliche Karriere von Bächli begann aber schon 1968: schnellster Jugendlicher in der Schweiz über 110-Meter-Hürden. Bächli erzählt: «Eigentlich wollte ich in meiner Schulzeit Radrennfahrer werden. Meine Eltern brachten mich aber davon ab.» So fing er mit Leichtathletik an. Nach einem halben Jahr Training verbuchte der damals 17-Jährige erste Erfolge. «Es lag mir einfach», sagt der gebürtige Zurzacher heute. Darum fasste der junge Athlet die Olympischen Spiele 1972 ins Auge: Um ein Haar – oder besser gesagt: um zwei Zehntelsekunden – verpasste Bächli die nötige Limite.

«Das ist der Traum jedes Sportlers»

Kurz darauf tat sich für den Sportler aber die nächste Türe auf. Bobweltmeister René Stadler suchte neue Anschieber für den Viererbob. Zwei Winter lang trainierte der Erlinsbacher mit zwei verschiedenen Teams, dann ging es 1976 an die Olympischen Winterspiele in Innsbruck. «Das ist der Traum jedes Sportlers.» Und dieser ergab sich für Bächli unerwartet: Er war mit dem Auto auf dem Heimweg von den Schweizer Meisterschaften St. Moritz. Während der Fahrt hörte er Radio. Plötzlich hiess es: «Und Bächli hat sich auch qualifiziert.» Als Ersatzmann reiste er nach Innsbruck. Als Silbermedaillen-Gewinner kam er mit dem Team um Pilot Erich Schärer wieder nach Hause.

Es folgten: ein Jahr darauf Silber an den Weltmeisterschaften in St. Moritz, der Schweizer-Meister-Titel sowie der zweite Platz an den Weltmeisterschaften im amerikanischen Wintersportort Lake Placid im Jahr 1978. «Dann wollte ich eigentlich aufhören», meint Bächli. Er sei damals frisch verheiratet gewesen, sei mit seiner Frau in das Haus in Erlinsbach SO gezogen und habe einen neuen Job begonnen.

«Ich sagte ihnen: Jetzt müsst ihr einen Jüngeren suchen»

Doch: «Sie haben mich immer wieder ausgegraben», sagt der Sportler und meint damit: Sein Können als Anschieber wurde hier und da gebraucht. So holte Bächli 1982 nochmals Bronze an der Europameisterschaft, Silber an der Weltmeisterschaft und Gold an der Schweizer Meisterschaft. 1984 verabschiedete er sich endgültig vom Bobsport. «Ich sagte ihnen: Jetzt müsst ihr einen Jüngeren suchen», erzählt der zweifache Vater und lacht.

Bächli kehrte dem Sport aber keinesfalls den Rücken: «Ich liess meine alte Liebe, das Velofahren, aufleben.» Und er trainierte für den Ironman-Triathlon in Hawaii. Eine Bademeisterin brachte Bächli das Kraulschwimmen bei. 1985, 1986 und 1990 rannte, schwamm und radelte er durch Hawaii.

Vom Bobfahrer zu den Langstreckenrennen

Ab 2001 konzentriert sich Bächli nur noch auf den Sport auf zwei Rädern. «Seither bin ich fast jedes Jahr ein verrücktes Rennen gefahren.» 1230 Kilometer auf der Paris-Brest-Tour. 540 Kilometer von Trondheim nach Oslo. 1527 Kilometer von Hamburg über Berlin nach Köln und wieder zurück. «Ich getraue mich nicht, mit dem Sport aufzuhören», sagt Bächli ernst. Sein Vater sei nicht sportlich, aber in vielen anderen Engagements aktiv gewesen. Als er diese aufgrund seiner Gesundheit habe aufgeben müssen, sei er «drei Mal schneller gealtert». Bächli: «Das hat mich geprägt.»

Darum startete er am 20. Juni um Mitternacht seine bisher längste Velotour. Sie führte ihn durch Norwegen, Finnland, die baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Deutschland und Österreich. «Es war für mich Sport und Ferien gleichzeitig», sagt Bächli. Darum sei er nur etwa zehn Stunden pro Tag auf dem Sattel gesessen, während die Fahrer an der Spitze 15 bis 18 Stunden radelten. Essen, Unterkünfte, Reparaturen: Unterwegs war Bächli auf sich gestellt.

«Wenn man fünf Tage lang in Lappland auf der einzigen Strasse nach Süden durch den Wald fährt, kann einem langweilig werden», meint der Ausdauersportler. Solche Touren würden denn auch mehr vom Kopf als vom Körper abhängen. Er geniesst das Strampeln aber auch: «So kann ich richtig abschalten.» Und die 20-tägige Reise habe ihn von einer schlechten Angewohnheit befreit: «Zuvor habe ich zu viel Fernsehen geschaut. Jetzt bin ich geheilt.»

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