Der Künstler Tim Glanzmann zeigt im alten Gassler-Haus in Schönenwerd, dem Speiserestaurant Wilden Mann gegenüber, eine Reihe seiner neuen Bilder. Es sind Malereien, die unter die Haut gehen. Seit einiger Zeit drängte es ihn, malerisch tätig zu werden. In den vergangenen Monaten hat er dies umgesetzt und präsentiert Arbeiten, die in sich von besonderer Ausstrahlung sind.

Dicht bemalte Bildräume fordern zum intensiven Betrachten heraus. Blüten, Blätter, Gräser und Pflanzenfragmente bedecken die Bildflächen, durchzogen von Dingen aus unserem Alltagsleben. Ein Glas oder ein Teller sind auszumachen. Immer sind sie nur angedeutet, nie ausformuliert regen sie das Vorstellungsvermögen an. Meist sind diese dichten Flächen durch menschliche Fragmente ergänzt wie Augen, Mund oder Hände, und zu einem eigentlichen Blickfang wird eine Frauenfigur, ein Gesicht in diesem dicht bemalten Teppich aus Formen und Farben. Aber auch diese Gesichter sind verfremdet, die Realität verliert sich in Ornamenten, in Farbenspielen von starker Intensität. So, als wollte man dem Betrachter bewusst machen, dass nichts so ist, wie man glaubt, es müsste sein. Vertraute Formen verändern sich, Gesichter werden zu erzählerischen Landschaften, ein Auge ist nie nur ein Auge, es hat Tiefgang. Faszinierend ist das Bild der Grossmutter des Künstlers oder auch sein Eigenporträt, aber auch die Gesichter von Bekannten, die ihm nahe stehen, bekommen eine neue Aussage.

Aus der Tiefe seines Herzens

In all seinen Bildern geht man auf eine innere Reise. Man betrachtet, sinniert, ortet und sucht nach Antworten, denn viele Fragen und Andeutungen bleiben offen im Raume stehen, und dies macht den Bildinhalt so einmalig. Der Künstler Tim Glanzmann besitzt eine grosse malerische Begabung, spielt mit Akzenten, mit Farbschattierungen, formuliert nichts aus, surreale Verfremdungen geben den Ton an und setzen geheimnisvolle Zeichen. Man spürt es seinen Bildern an: Es geht ihm um den Menschen, um die Menschheit allgemein, um die Existenz des Menschen. So vieles wirft die Konsumgesellschaft achtlos fort und erkennt nicht, dass die Natur in ihrer Schönheit bedroht ist, wenn man nicht eine andere Lebensweise entwickelt, Sorge zur Umwelt, zum Leben trägt.

Glanzmann möchte nicht belehrend sein, das interessiert den Künstler nicht. Er malt aus der Tiefe seines Herzens heraus, leidenschaftlich, in sich gefangen, und kann erst mit einem Bild aufhören, wenn die ganze Fläche der Leinwand bemalt ist.

Daher kommt der Zauber

Er ist ein Geschichtenerzähler: Wer zuhören will, der soll; wer seine Bilder in sich aufnehmen will, der soll; aber jedem steht es zu, sich selbst zu finden.

Seine Malerei zeugt nicht nur von einer einmaligen Begabung, sondern auch von einer Leidenschaftlichkeit, die einen Künstler verrät, der für sich das Leben auf eine ganz neue Art entdeckt hat: kreativ, schöpferisch und mit einer inneren Leidenschaft für die Dinge, die einem begegnen. Er ist ein junger Künstler, hat noch vieles vor sich und ist doch auf eine besondere Art in sich selbst angekommen, und das macht den Zauber seiner Bilder aus.