Raiffeisenbank Dulliken-Starrkirch
Sein Vater führte die Kasse noch nebenbei

Nach 36 Jahren gibt Guido Wyss die Leitung der Raiffeisenbank Dulliken-Starrkirch ab.

Urs Amacher
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1981 hatte Guido Wyss die Leitung der damaligen Raiffeisenkasse Dulliken-Starrkirch übernommen – nach 36 Jahren tritt er als Bankleiter ab.

1981 hatte Guido Wyss die Leitung der damaligen Raiffeisenkasse Dulliken-Starrkirch übernommen – nach 36 Jahren tritt er als Bankleiter ab.

Bruno Kissling

An der Generalversammlung vom kommenden Freitag wird Guido Wyss, der Vorsitzende der Bankleitung der Raiffeisenbank Dulliken-Starrkirch, offiziell verabschiedet. Auf den 31. März wird er die operative Leitung der Bank nach 36 Jahren abgeben.

«Ich schaue zufrieden und mit Freude auf die Jahre in Dulliken zurück, ich hatte wirklich eine gute Zeit hier», zieht Bankleiter Guido Wyss im Gespräch mit dem OT Bilanz. «Auch wenn ich selbstredend nicht in der Lage war, immer alle finanziellen Wünsche der Kunden zu befriedigen, konnte ich doch mindestens mit Ratschlägen einen Ausweg finden helfen», fasst er seine Arbeit zusammen.

Als Beispiel erwähnt Wyss eine Frau, deren Gatte gestorben und die Erbschaft zu regeln war. Dabei stellte man fest, dass die Schuldbriefe für ihr Haus zwar fein säuberlich in einem Bundesordner abgeheftet, aber durch die Lochung – und sei sie nur am Seitenrand – entwertet waren. Nun galt es also, via Grundbuchamt neue Schuldbriefe zu beschaffen.

Neben solchen kleineren Dienstleistungen hatte Bankleiter Guido Wyss in seiner langjährigen Tätigkeit manch grössere Brocken zu stemmen. Eine Herausforderung stellte 2010 die Sanierung und Erweiterung des Bankgebäudes an der Bahnhofstrasse 40 dar. Während Wochen musste das Personal in einem Container auf engem Raum und kühlen Temperaturen die anfallenden Arbeiten erledigen.

Vom Buchhalter zum Bankleiter

Guido Wyss, dessen Vater Disponent bei der Usego war, besuchte nach der obligatorischen Schulzeit die zweijährige Handelsschule in Olten. Seine erste Stelle trat er in der Lohnbuchhaltung bei der Stahlfirma Pestalozzi in Zürich an. 1974 liess sich der 23-jährige Guido Wyss in die Zweigstelle nach Lugano versetzen, um die italienische Sprache zu lernen.

Nach weiteren drei Jahren kündigte er und wechselte zur Raiffeisenbank in St. Gallen, wieder in die Buchhaltungsabteilung. Auf seine Initiative hin gab man ihm die Möglichkeit, in allen Abteilungen zu arbeiten und Einblicke in verschiedene Geschäftsbereiche zu erhalten.
1981 – ein Jahr nach dem 75-Jahre-Jubiläum der Raiffeisenkasse Dulliken-Starrkirch – war es der damalige Genossenschaftspräsident Guido Meier, der Guido Wyss nach Dulliken rief.

Zu jener Zeit war die Führung der dörflichen Raiffeisenkasse noch ein Nebenamt. Es war seit 1963 von Emil Wyss-Meier, dem Vater von Guido Wyss, im Nebenamt versehen worden. Die Bankgeschäfte wurden im Parterre des Wyss-Wohnhauses an der Bahnhofstrasse 43 getätigt, und die Öffnungszeiten der «Stubenkasse» beschränkten sich auf zwei Stunden am Abend.

Von Sparkasse zu Raiffeisenbank

Mit dem Stellenantritt von Guido Wyss 1981 machte die Raiffeisenkasse organisatorisch einen grossen Sprung nach vorn. Die Stelle des Kassenleiters wurde professionalisiert und zu einem Vollamt aufgestockt; er wurde von Anna Hagmann-Marrer, einer kaufmännischen Angestellten, unterstützt. Inskünftig waren die Schalter an fünf Wochentagen ganztägig geöffnet.

Einen Meilenstein bedeutete 1991 der Umzug in das heutige Bankgebäude an der Ecke Alte Landstrasse/Bahnhofstrasse 40. Am neuen Ort gab es nun Platz und Arbeit für sechs Personen.
Als Guido Wyss nach Dulliken kam, kratzte die Raiffeisenkasse gerade die 20-Millionen-Grenze. Heute (2016) erreicht die Raiffeisenbank Dulliken-Starrkirch eine Bilanzsumme von 263 Mio. Franken.

«Ich bin ein Zahlenmensch», sagt Guido Wyss von sich selber. Sogar die Vorhänge in der Bank tragen ein Zahlenmuster. In einer kleinen Bank ist aber auch der Bankleiter tagtäglich ins operative Geschäft involviert, so möchte Wyss inzwischen die persönlichen Gespräche mit den Kunden nicht mehr missen. «Die Kundennähe ist ja unsere Stärke, die ich pflegen möchte», ist er überzeugt.

Auf die gescheiterte Fusion mit Däniken angesprochen, hält Guido Wyss fest, dass beide Raiffeisenbanken gut aufgestellt seien, die regulatorischen Vorschriften könnten sie mehr als erfüllen. Die anstehenden Probleme wären gewiss zu lösen gewesen, selbst wenn Opfer hätten gebracht werden müssen, meint er.

Er als Person habe nie als Bremsklotz gewirkt, betont Wyss. Auf Ende 2016 sei ohnehin seine Pensionierung fällig gewesen und damit der Weg frei für eine personelle Umstellung. Erst nach dem Abbruch der Fusionsbestrebungen habe er sich bereit erklärt, bis zur GV 2017 seine Funktion beizubehalten.

Auf den 1. April wird interimistisch sein heutiger Stellvertreter Reto Voser die operative Verantwortung übernehmen. Bis Ende Juni wird die Bank die definitive Neubesetzung der Bankleiterstelle in Dulliken bekannt geben.

Er bleibt den Zahlen verbunden

Auch mit dem Übertritt in den Ruhestand bleibt Guido Wyss den Zahlen verbunden. Nach wie vor amtet er als Verwalter der Bürgergemeinde. Zudem ist er als Vorstandsmitglied der BIA Genossenschaft Betreutes Wohnen im Alter (Dulliken) für die Finanzen zuständig, ein anspruchsvolles Projekt, das kaum Zeit für Hobbies lässt.

Vielleicht wird er etwas mehr wandern und skifahren. Ein sicherer Wert ist bei ihm der Engadiner Marathon, meist am Sonntag nach der Raiffeisen-GV: So wird Guido Wyss mit seiner Ehefrau Ingrid auch dieses Jahr am 12. März in Maloja starten.

Die Raiffeisenbank Dulliken-Starrkirch hat rund 2500 Genossenschafter. Die diesjährige Generalversammlung findet am Freitag, 10. März, um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle und im Pfarreizentrum in Dulliken statt. Um 18.45 Uhr warten die Mitglieder der Spielgemeinschaft Dulliken-Starrkirch-Wil mit einem Konzert für die Besucher der GV auf.