Konzentriert kniet Larissa Donatiello im Schützenstand der Sportschützen Gretzenbach, die Arme sind angewinkelt, das Sportgerät ist mit einem Riemen festgemacht. Ziemlich genau so sieht es aus, wenn die Zwölfjährige ihrem Hobby, dem Sportschiessen frönt. Abdrücken wird sie in diesem Moment nicht, das Posieren ist heute nur für den Fotografen.

In der Welt des Sportschiessens muss zwischen zwei Disziplinen unterschieden werden: Kleinkaliber und Luftgewehr. Ersteres wird vorwiegend im Sommer und draussen ausgeübt, das Kaliber ist grösser und es gibt drei verschiedene Schiesspositionen: stehend, liegend und kniend. Luftgewehr geschossen wird drinnen und im Winter und es gibt nur die stehende Position.

Die Distanz beim Luftgewehr beträgt 10 Meter, beim Kleinkaliber 50 Meter. «Ich mag Kleinkaliber mehr, weil es abwechslungsreicher ist», sagt Larissa Donatiello. Seit 2015 schiesst sie Kleinkaliber, seit 2016 auch Luftgewehr. Vor zwei Monaten wurde sie U15 Schweizer Meisterin am Luftgewehr. «Ich war schon sehr aufgeregt und habe mein Gewehr fast nicht ruhig gekriegt», schaut die Zwölfjährige lächelnd zurück. «Gut gegangen ist es ja trotzdem.»

Drei Trainings pro Woche

Wie viele Trainings Larissa Donatiello pro Woche absolviert, kommt auf die Disziplin an. Grad kürzlich fand der Wechsel von der Winter- auf die Sommerdisziplin statt. Der Fokus liegt jetzt also auf dem Kleinkaliber. Somit trainiert sie zwei Mal pro Woche im Verein, einmal davon mit ihrem vereinsinternen Trainer, einmal mit Vater Stefano Donatiello, der auch als Aktuar der Sportschützen Gretzenbach waltet.

Seit letztem Herbst ist Larissa Teil des kantonalen Leistungszentrums. Dort trainieren alle talentierten Junioren unter 21 Jahren des Kantons Solothurn. Das bedeutet ein zusätzliches Training pro Woche. Die Trainingseinheiten dort finden in Gruppen von sechs bis acht Schützen statt. Halte- und Stellungsübungen gehören neben dem Schiesstraining zum Programm. «Mentale Trainings folgen dann später», weiss Vater Stefano Donatiello.

Zur Ausrüstung eines Sportschützen gehören neben dem persönlichen Sportgerät Sportkleider, bestehend aus Jacke, Hosen und Schuhe, dann ein Stativ, ein Stirnband, eine Kappe und ein Riemen, mit dem das Gewehr am Körper fixiert wird. Auch die Munition darf nicht fehlen. Ein kleiner Monitor im Schützenstand zeigt die Trefferzahl an.

Zu den Trainings kommen noch Wettkämpfe hinzu, im Schnitt einer pro Wochenende. Es gibt sowohl Gruppen- und Mannschafts- als auch Einzelwettkämpfe. «Bei den Gruppenturnieren werden am Ende der Saison die Punkte der einzelnen Gruppenmitglieder zu einem Gruppenresultat zusammengezählt», erläutert Stefano Donatiello. Die Einzelwettkämpfe sind in sich abgeschlossen. «Mit dem Luftgewehr absolviere ich etwa zehn Wettkämpfe, mit dem Kleinkaliber sind es 10 bis 15», berichtet Larissa Donatiello.

Jan Lochbihler als Vorbild

Neben dem Schiessen spielt sie Fussball, Gitarre und Klavier, singt, und geht ins Cevi. Bald müsse sie aber Prioritäten setzen, meint sie. «Später möchte ich Musik studieren und Gesangslehrerin werden», gibt sich die Gretzenbacherin ambitioniert. Auf das Sportschiessen aufmerksam geworden ist Larissa Donatiello nicht ausschliesslich durch ihren Vater: «Ich habe im Alter von zehn Jahren an einem von den Gretzenbacher Sportschützen organisierten Schülerschiessen teilgenommen und bin geblieben», erzählt sie. «Ich finde es cool, weil es etwas Anderes, etwas Spezielles ist.» Vater Stefano nickt und ergänzt: «Obwohl Sportschiessen eine olympische Disziplin ist, kennt man es kaum.»

Larissas Vorbild ist denn auch ein Olympionike: Jan Lochbihler, der Sportschütze aus Holderbank. «Ich kenne ihn sogar persönlich», gibt Larissa preis. Ihr Traum ist es denn auch, irgendwann Teil des Nationalkaders zu sein und an den Olympischen Spielen teilzunehmen.
Vorerst bäckt Larissa jedoch noch etwas kleinere Brötchen: «Im Sommer möchte ich ins regionale Leistungskader aufgenommen werden.» Stefano Donatiello: «Wenn sie so weitermacht wie bisher, stehen die Chancen dafür gut.»