Eine bessere Zusammenarbeit mit Chinas Wirtschaft ist das Ziel der im September lancierten «Anlaufstelle China» des Kantons. Nun trägt das Standortmarketing der Wirtschaftsförderung erste Früchte. Auch wenn die Ansiedlung der DDW Swiss AG schon längere Zeit in Anspruch nimmt, als es die Anlaufstelle überhaupt gibt.

Hahnen- wird zu Lifestyle-Wasser

Die DDW Swiss AG wird in Schönenwerd behandeltes Wasser für den asiatischen Markt produzieren. Das Spezielle daran ist, dass normales Trinkwasser teilweise von Deuterium befreit wird, Leichtwasser entsteht. Solch leicht veränderte Wässer erleben insbesondere in China momentan einen regelrechten Hype. Die Firma wird in einem chemischen Verfahren den Gehalt an Deuterium, das natürlicherweise in normalem Wasser vorkommt, reduzieren. Jedoch ist die Menge an Deuterium im Wasser sehr gering. Das Verfahren, um Wasser gänzlich von Deuterium zu befreien, ist ziemlich aufwendig.

Doch was bringt es, das Deuterium teilweise aus dem Wasser zu entfernen? Das sogenannt ultraleichte Wasser soll einen positiven Effekt auf den Körper haben. Doch sei mit dem Wasser kein Heilversprechen verbunden, wie Sarah Koch von der kantonalen Wirtschaftsförderung auf Anfrage mitteilte. Es gibt aber in wissenschaftlichen Publikationen Hinweise darauf, dass zum Beispiel bei Lungenkrebspatienten ein positiver Effekt durch teilweise von Deuterium befreites Wasser auftreten kann. «Das durch den patentierten Prozess dem Hahnenwasser entnommene Deuterium wird mit dem restlichen Prozesswasser in die Kläranlage geleitet», erklärt Sarah Koch, was mit dem eigentlichen Abfallprodukt passiert.

Die Menge entnommenen Deuteriums ist demnach zu klein, um es anderweitig zu brauchen. Denn sogenannt «schweres Wasser», das ausschliesslich aus Deuterium besteht, würde die Firma kaum in die Kläranlage weiterleiten. Können doch damit Schwerwasserreaktoren in Atomkraftwerken betrieben werden. Das Gut ist dementsprechend teuer. Ein Liter solch «schweren Wassers» kostet im Ankauf über 1000 Franken.

Swiss made als Marketingstrategie

Doch warum produziert eine Firma überhaupt in der Schweiz Wasser explizit mit dem Ziel, dies im asiatischen Raum zu verkaufen? «Ganz klar: Swiss made», sagt Sarah Koch dazu. Gerade in China hat die Bevölkerung ein gemischtes Gefühl gegenüber dem eigenen Trinkwasser. So wirkt ein Hinweis auf die Schweiz Wunder, damit sich das Wasser besser verkauft. Wahrscheinlich wird es in China unter der Marke «Belaviva» verkauft werden. Ke Xiangwen, Geschäftsführerin von Dalian Shiji Xinyuan Technology Development, begründet den Standortentscheid laut einem Communiqué der Wirtschaftsförderung Solothurn zudem folgendermassen: «Die Schweiz ist weltweit führend im Bereich Life Science sowie in der biomedizinischen Technologie und Forschung. Schweizer Produkte geniessen weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Sie gelten als qualitativ hochstehend und sehr zuverlässig.» Die Dalian Shiji Xinyuan Technology Development habe die Technologie, die benötigt wird, um das Deuterium zu reduzieren, zuerst im chinesischen Markt registriert. Die Schweiz sei dann aber als besserer Standort für die Entwicklung und Produktion erachtet worden.

Langwieriges Projekt

Vor etwas mehr als einem Jahr sei die Wirtschaftsförderung an Reto Gribi von der Solidis Holding AG, der Rechtsvertretung der DDW Swiss AG, herangetreten. Im Mai 2015 war es dann so weit, und die Firmengründung ging über die Bühne. Seither läuft die Suche nach einem geeigneten Standort. Diese ist nun abgeschlossen. Die Produktion soll in diesem Jahr starten, noch ist aber der Tag nicht bestimmt. «Produziert wird wohl kaum vor September. Die Vorarbeiten laufen. Ein Baugesuch wurde genehmigt, sodass bald gestartet werden kann», erklärt Gribi.

In einer ersten Phase wird die Anzahl an Mitarbeiter wohl nicht mehr als 10 betragen. In der nächsten Zeit sollen die Produktionsanlagen an der Bahnstrasse 43 in Schönenwerd aufgebaut werden. Einem Baugesuch dazu wurde bereits teilweise stattgegeben.

Die DDW Swiss AG ist die erste Niederlassung einer chinesischen Firma im Kanton Solothurn seit der Gründung der Anlaufstelle China. Die Ansiedlung geschah jedoch noch nicht vollständig im Rahmen der eigens im September 2015 gestarteten Anlaufstelle. Doch die Firma soll nicht die letzte chinesische Ansiedlung im Kanton sein. In den letzten Tagen ist nun die im April angekündigte englische Version der Homepage aktiviert worden, in den nächsten Tagen soll zudem eine chinesische Version aufgeschaltet werden.