Verliebte Pärchen, Einzelgänger mit Hund, junge Eltern mit Kleinkind im Buggy, italienische Grossfamilien, kleine Jugendgangs mit Ghettoblaster, türkische Ehepaare gesetzten Alters (die Frau mit Kopftuch und schwarzem Rock bis zu den Knöcheln), eine federnde Joggerin: Sie alle teilten sich am sonnigen Karsamstag friedlich Wege und Plätzchen im Ballypark.

Ein Brautpaar, sie in Weiss, nutzte die Kulissen eines Brückleins und des chinesischen Pavillons für Hochzeitsfotos. Das Ganze umrahmt von dösenden Schwänen und Vogelgezwitscher, rauschendem Wasser der Aare bei der Schwelliplatte und der permanenten Rollmaterialparade der SBB auf der Bahnstrecke Olten–Aarau.

Das Völkergemisch im Niederamt nutzt die grüne Insel des Ballyparks, nicht anders als seit über hundert Jahren. Dass das auch heute noch möglich ist, versteht sich nicht von selbst. Jahrzehntelang hatte die Schuhfabrik, ihrem Gründer Carl Franz Bally verpflichtet, für den Unterhalt des Parks gesorgt.

Doch in den 1990er Jahren schlitterte Bally mit gigantischen Verlusten rasant dem Untergang entgegen. Was zählte da noch der Luxus eines Landschaftsgartens, ein Erbstück aus dem 19. Jahrhundert? Als Unaxis (Oerlikon Bührle) das Unternehmen 1999 an amerikanische Investoren verkaufte und Bally im Februar 2000 definitiv aus dem Geburtsort Schönenwerd auszog, stand das Schicksal des Parks auf der Schwebe.

Gemeinden als Erben von Bally

Doch es kam gut. Esther Gassler, Kurt Henzmann und Hanspeter Jeseneg, die damaligen Gemeindepräsidenten von Schönenwerd, Niedergösgen und Gretzenbach, gingen auf das Angebot von Unaxis-Verwaltungsratspräsident Willy Kissling – Sohn einer Bally-Sekretärin – ein, den Park geschenkweise an die Gemeinden zu übertragen. Nicht ohne sich auszubedingen, dass Unaxis zuvor noch auf eigene Kosten belasteten Boden aus Kanal und Weihern ausbaggern liess.

Natürlich bedeutete die Annahme des Geschenks jährlich wiederkehrende Kosten für den Unterhalt. Aber die Stimmbürger der Gemeinden waren erleichtert, dass ihnen der Ballypark erhalten blieb. Auch die drei Bürgergemeinden machten mit. Darum ist der Landschaftsgarten seit dem Jahr 2001 Eigentum der Einfachen Gesellschaft Ballypark, bestehend aus sechs Gemeinden – den Einwohner- und Bürgergemeinden von Gretzenbach, Niedergösgen und Schönenwerd.

Gleichzeitig wurde der Park vom Solothurner Regierungsrat unter Denkmalschutz gestellt. «Dieser Schutz ist unbedingt sinnvoll», sagt der kantonale Denkmalpfleger Stefan Blank. «Der Ballypark ist einer der wichtigsten Landschaftsgärten in der Schweiz. In dieser Dimension gibt es keinen zweiten im Kanton Solothurn.»

Seither sorgen die Gemeinden für den Park. Der Vorstand mit den sechs Gemeindepräsidenten setzt dafür ein Jahresbudget von 130 000 bis 200 000 Franken ein. Die drei Einwohnergemeinden leisten je 32 000 Franken pro Jahr, die drei Bürgergemeinden je 5000 Franken. Bei Investitionen leisten die kantonale und eidgenössische Denkmalpflege Beiträge. «Dazu erhalten wir Legate und grosszügige Spenden, wie zum Beispiel Baumspenden», erklärt Präsident Peter Hodel (Schönenwerd).

Fachkunde und Engagement

Seit 2006 gibt es für die Pflege des Parks eine «Bibel»: Das Parkpflegewerk, erarbeitet von den Landschaftsarchitekten des Büros Raderschall in Meilen ZH. Für die jährlichen Arbeitsprogramme zuständig ist die Betriebskommission unter dem Präsidium von Ulrich Glättli (Niedergösgen). «Das läuft vorbildlich», attestiert Stefan Blank, der in der Kommission Einsitz hat: «So ist die Denkmalpflege immer rechtzeitig informiert und kann mitbestimmen.»

Viele haben Anteil am Erhalt des Ballyparks. Unschätzbar ist der Beitrag von Georges Bürgin (Oberbuchsiten), der schon als Angestellter bei Bally für den Park zuständig war und wohl der beste Kenner des Parks bleibt.

Walter Kiener (Fulenbach) leitet seit Jahren die Gruppe der Beschäftigungswerkstätte Oltech, die jeweils am Freitag im Park arbeitet, pflegt und aufräumt. Fritz Fehr (Gretzenbach), ehemaliges Mitglied der Betriebskommission, verkörpert mit seinem Einsatz auch heute die Verbundenheit der Menschen in der Region mit ihrem Park.

Es ist nicht nur die beeindruckende Anlage des Ballyparks, es ist besonders auch das Engagement von Gemeinden und Bevölkerung für diesen Park, das jetzt vom Heimatschutz ausgezeichnet wird.