Die Wände mit Eierkartons verschalt, verschlissene Sofas, ein Poster mit einem längst verblichenen Rockstar: Der Bandraum von Raffael Fürst könnte typischer nicht sein. Doch in diesem Bandraum steht etwas Einzigartiges: ein handgefertigtes Schlagzeug aus Massivholz, gebaut von Raffael Fürst.

Der Schreiner Raffael Fürst aus Gretzenbach hat sich aus amerikanischer Eiche selbst ein Schlagzeug gefertigt.

Der Schreiner Raffael Fürst aus Gretzenbach hat sich aus amerikanischer Eiche selbst ein Schlagzeug gefertigt.

Als sein letztes Schlagzeug am Ende seiner Lebensdauer ankam, beschloss der 26-jährige Schreiner aus Gretzenbach kurzerhand, eines zu bauen. Aus Massivholz, statt wie von grösseren Herstellern üblich, aus Schichtholz. «Ich habe schon Schlagzeuge von kleineren Herstellern aus Massivholz gesehen. Das wollte ich auch», sagt Fürst.

Das Bauen eines Schlagzeugs lernte er während seiner Schreinerausbildung nicht, doch Fürst wusste sich zu helfen. Die Trommeln werden wie ein Fass gefertigt. «Zum Fassbau habe ich auf Youtube viele Videos geschaut», sagt er.

Beharrlich verfolgte er sein Ziel, investierte einen Grossteil seiner Freizeit für die vier Trommeln des neuen Schlagzeugs. Arbeitete nach Feierabend und an den Wochenenden am Schlagzeug.

Was war die grösste Herausforderung? «Das Schwierigste war, dass ich während des ganzen Prozesses nicht wusste, wie es am Schluss tönen würde.»

Deshalb hat er mit der kleinsten Trommel angefangen. Zufrieden mit dem Ergebnis wagte er sich an die grösseren drei. Die Beschläge und Felle hat er ebenfalls selber angebracht.

Klang und Optik gleich wichtig

Bereitwillig spielt Raffael Fürst den Besuchern etwas vor. In einer Lautstärke, die man auch aushält, wenn man sich nur selten in Bandräumen aufhält. Hinter dem Schlagzeug hängt ein Poster mit einer Wikingerdame, der gross gewachsene Raffael Fürst passt mit seinem blonden Haar und Bart gut dazu.

Wenn er spielt, blickt er konzentriert auf sein Instrument, die Lippen leicht zusammengepresst. Seit zehn Jahren spielt er schon Schlagzeug. «Schon als kleiner Junge habe ich ständig getrommelt, zuerst mit Bongos, später war ich bei den Tambouren», sagt er.

Damit er die Nachbarn nicht störte, hat er im Geschäft des Vaters geübt – und dort ab und zu die Nachbarn gestört. Heute ist der Schlagzeuger Teil einer vierköpfigen Band. Im Bandraum im Safenwiler Industriegebiet kann Fürst so laut drummen, wie er will.

Raffael Fürst arbeitet gern mit den Händen. Seit zehn Jahren ist er im gleichen Betrieb in Niedergösgen. Genau so wichtig wie das Handwerk ist Fürst die Optik. Als Holz hat er amerikanischen Nussbaum gewählt. «Das dunkelbraune Holz gefällt mir sehr gut.»

Die Zusatzstunden für das schwarz-weisse Zierfurnier nahm er gern in Kauf. Auf jeder Trommel hat er zusätzlich sein Logo angebracht. Ein filigranes Muster, eingefräst in schwarzen Kunststoff. «Das habe ich selber gezeichnet», sagt Fürst. Ein Handwerker mit einem Auge fürs Detail. So sind auch seine Oberarme mit geometrischen Mustern verziert.

Musik zum Beruf machen

Die Fassbauweise für die Trommeln des Schlagzeugs ist aufwendig. Damit aus einzelnen Latten eine Trommel wird, braucht es viel Geduld und Präzision. Und Erfindergeist: Um die Trommeln rund zu fräsen, hat Fürst eine spezielle Einrichtung konstruiert, mit der er sie auch von innen bearbeiten konnte. «Am Schluss musste der Durchmesser genau zum Ring passen, in den das Fell eingespannt wird», erklärt er.

«Hier lag ich ein paar Millimeter daneben», sagt er und zeigt auf eine Trommel. Doch das Fell hat zum Glück trotzdem reingepasst. Auch bei den Bohrlöchern für die Metallbeschläge musste er ganz genau arbeiten.

Für den Neo-Schlagzeugbauer Fürst war jeder Arbeitsschritt der erste. «Ich musste viel pröbeln», sagt er und lächelt. Gab es Momente, in denen er lieber aufgegeben hätte, als weiterzupröbeln? «Nein», sagt er, etwas überrascht über diese Frage. Die Arbeit hat sich gelohnt, das Schlagzeug tönt so gut, wie es aussieht.

Längerfristig möchte er die Musik zu mehr als einem Hobby machen. Fürst studiert an der Swiss Music Academy im zürcherischen Oberglatt Schlagzeug. Schlagzeuglehrer oder Studiomusiker könnte er sich vorstellen.

Er würde auch gern wieder einmal ein Schlagzeug zu bauen. Doch momentan fehlen die Zeit und das Geld. Oder ein potenzieller Käufer.