Niederamt
Schrebergartenvisite zu Ostern: Der «Lebensraum plus» bietet nicht nur mehr Bewegungsfreiheit

Mit Bonus auf Ersatz-Ferienstimmung zog es im Niederamt über die Feiertage zahlreiche Hobbygärtner in ihre Kleingartenanlagen.

Patrick Lüthy
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Hobbygärtner entfliehen Corona-Koller

Hobbygärtner entfliehen Corona-Koller

Patrick Lüthy

Über die Ostertage stieg das Thermometer auf 24 Grad. Der Bundesrat produzierte ein Video, worin er die Bevölkerung beschwor, Ostern zu Hause in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Zu den Glücklichen, die etwas Abwechslung in den eintönigen Alltag hineinbringen können, gehören die Besitzer eines Schrebergartens.

Glücklich, wer hier einen Platz gefunden hat

An einem Waldrand liegen die Schrebergärten der Kohliweid oberhalb von Starrkirch-Wil. Die bunte Oase mit Blick auf das ­Sälischlössli umfasst 60 Parzellen und gehört dem Gartenbauverein Olten und Umgebung (GBVO). Glück hat, wer hier trotz langer Warteliste einen Platz gefunden hat. Beim Eingangstor ist ein gelber Zettel angebracht; er weist auf die Verhaltensregeln während der Coronazeit hin. Der Vorstand des GBVO bittet auf Deutsch und Italienisch, die Verhaltensregeln wie Abstand halten und nur in Gruppen von höchstens 5 Personen zusammen zu sein, einzuhalten.

So ziemlich in der Mitte der Anlage befindet sich die Parzelle der Familie Hartmann. Auch sie hält sich wie die anderen Anwesenden vorbildlich an diese Regel. Heute ist die Familie zu Fuss zur Gartenanlage spaziert. Seit vier Jahren bewirtschaftet und geniesst die Familie ihre Parzelle auf der Kohliweid. Lea und Felix Hartmann sitzen mit dem älteren Sohn Janosch und den beiden Kleinsten, Hannah und Benjamin, am Tisch vor dem Holzhäuschen mit dem schmucken Fenster. Ein Teil des Dachs fehlt. «Da hat uns im Winter ein Sturm Teile weggefegt, und weil jetzt die Baumarkt-Geschäfte nicht geöffnet sind, müssen wir mit der Reparatur warten, bis der Lockdown vorbei ist», erklärt Felix Hartmann, der von der Familie als der mit dem grünsten Daumen bezeichnet wird. Frisch angesät hat Felix Hartmann Frühlingszwiebeln, Rettiche, Frühlingsrüebli, Erbsen und Kefen. Während des Lockdowns verbringt die Familie nun längere Zeit auf der Kohliweid. Zuhause sei es nicht immer einfach, die Kinder zu separieren und die Abstände einzuhalten, aber hier in der Gartenanlage gebe es keine Probleme, sagt Mutter Lea Hartmann.

Auf Kartoffeln folgen noch Tomaten, Peperoni und Co.

Bei den Schrebergärten an der Langstrasse in Niedergösgen haben Albert und Arjeta Syla soeben Kartoffeln angepflanzt. Zum Glück habe er die Zwiebelsetzlinge noch vor dem Ausbruch von Corona gekauft, freut sich der Niederämter.

Seit neun Jahren wohnt das Ehepaar Syla jetzt in Niedergösgen. Den Platz haben sie Ende Februar von der Gemeinde zugeteilt bekommen. Jetzt möchten sie noch Tomaten, Peperoni und Paprika anpflanzen. «Wir verbringen schon etwas mehr Zeit im Garten als vor der Coronazeit», sagt das aus dem Kosovo stammende Paar. Und Albert Syla ergänzt, von der Coronakrise sei er zwar auch betroffen, das Ganze sehe er aber als eine Art schlechte Ferien an.

Wie der Schrebergarten zu seinem Namen kam

Der Name Schrebergarten stammt vom Leipziger Arzt Moritz Schreber (1808–1861). Der Orthopäde Schreber war jedoch nicht der eigentliche Erfinder der Gartenbewegung. Die erste Gartenanlage wurde von Schrebers Mitstreiter, Ernst Innozenz Hauschild, als Schulverein gegründet und zu Ehren des verstorbenen Schreber zum Schreberverein umbenannt. Im Jahre 1865 feierte man die Einweihung des ersten Schreberplatzes in Leipzig. Der Platz wurde zuerst als Spielwiese für Kinder genutzt. Erst der Lehrer Heinrich Karl Gesell war es, der einen Garten als weitere Beschäftigungsmöglichkeit für die Kinder anlegte. Später entwickelten sich die Gärten vor allem zu Refugien für städtische Familien.

Aus Kinderbeeten wurden Familienbeete, die man später parzellierte und umzäunte. Erst jetzt nannte man sie Schrebergärten. Kleingartengebiete wurden vielerorts in Europa angebaut, um der Bevölkerung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auch eine bessere Ernährung zu ermöglichen.

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