CS-Filiale
Schönenwerd kauft eine Bank

Der Gemeinderat will die Gemeindeverwaltung in neue Räume einquartieren. Deshalb will er nun eine Bank. Was wird die Gemeindeversammlung dazu meinen?

Christian von Arx
Drucken
Teilen
Aus dem Gemeindehaus «Krone» (links) soll die Schönenwerder Gemeindeverwaltung ins Bankgebäude der CS (Vordergrund) umziehen.

Aus dem Gemeindehaus «Krone» (links) soll die Schönenwerder Gemeindeverwaltung ins Bankgebäude der CS (Vordergrund) umziehen.

HR. Aeschbacher

Überraschend steht die Einwohnergemeinde Schönenwerd vor einem wichtigen Entscheid: Der Gemeinderat befürwortet einstimmig den Kauf der seit letztem Jahr geschlossenen Filiale der Credit Suisse (CS) zum Preis von 2,05 Millionen Franken. Das Geschäft steht kurzfristig zum Entscheid an: Auf den 29. Februar wird eine ausserordentliche Gemeindeversammlung einberufen.

Das Gebäude: Als Bank gebaut

Erbaut wurde das repräsentative Haus in der Kernzone von Schönenwerd im Jahr 1923, als Bankgebäude der Ersparniskasse Olten (EKO). Architekt war Fritz von Niederhäusern (1876–1955), der in der Stadt Olten die römisch-katholische Martinskirche und die reformierte Friedenskirche, das Usego-Gebäude (heute Kantonspolizei) oder das Historische Museum mit Feuerwehrmagazin entwarf, ausserdem in Däniken die reformierte Kirche. Nach der Übernahme der EKO durch die Schweizerische Kreditanstalt 1992 wurde aus der EKO-Filiale eine Geschäftsstelle der SKA, 1997 umbenannt in Credit Suisse (CS). 2009 baute die CS das Gebäude aussen und innen wesentlich um (Entfernung Freitreppe und Eingang Oltnerstrasse, Anbau mit neuem Eingangsbereich auf der Rückseite). Im Jahr 2015 gab die CS die Schliessung der Geschäftsstelle per 30. September bekannt und kündigte an, das Gebäude zu verkaufen. Das Gebäude ist von der Gemeinde als schützenswertes Kulturobjekt bezeichnet, steht aber nicht unter Denkmalschutz. (cva)

Stimmt der Souverän zu, sollen Kundenschalter und Büros der Gemeindeverwaltung nach den nötigen baulichen Anpassungen etwa auf Ende 2016 ins Bankgebäude zügeln. Das bisherige Gemeindehaus «Krone» will die Gemeinde behalten und weiterverwenden.

Das markante Bankgebäude an der Oltnerstrasse 7, gleich gegenüber der «Krone», steht zum Verkauf, seit die CS im letzten Herbst die Filiale Schönenwerd geschlossen hat und deren Kunden nun in Aarau bedient. Schliessung und Verkauf hatten alle überrascht, weil die CS das Gebäude erst im Jahr 2009 für 3,6 Mio. Franken vollständig erneuert und modernisiert hatte, etwa mit neuer Haustechnik und Heizung (Wärmepumpe mit Erdsonde).

Sanierungsbedarf in der «Krone»

Der Gemeinderat interessierte sich dafür, weil der Publikumsverkehr in der denkmalgeschützten «Krone» – der ehemaligen Stiftsherberge – auf bauliche Hindernisse stösst. «Wer zu uns an den Schalter oder zu einer Besprechung kommt, muss mindestens eine Treppe überwinden», erklärt Gemeindepräsident Peter Hodel. «Das ist nicht nur für ältere oder gehbehinderte Personen ungünstig, sondern auch für junge mit Kinderwagen.»

Nach Lösungen habe der Gemeinderat seit langem gesucht, der Einbau eines Lifts in der «Krone» wäre jedoch problematisch und teuer. Der Gemeinderat rechnete dafür mit 800 000 bis 1 Million Franken.

Leichter Zugang für die Kunden

Für Hodel ist darum der ebenerdige und behindertengerechte Zugang ein Hauptvorteil des Bankgebäudes. «Wenn die Gemeinde das Haus kaufen kann, möchten wir den Schalterbereich der Gemeindeverwaltung mit allen zugehörigen Arbeitsplätzen im Erdgeschoss einrichten», erklärt der Gemeindepräsident. Die Büros von Gemeindeschreiberin, Finanzverwalter, Bauverwalter und Gemeindepräsident würden im 1. Stock untergebracht. Im Unterschied zur «Krone» ist zudem im CS-Gebäude ein Lift vorhanden.

Für den Gemeinderat steht fest, dass die Bank der bessere Standort für die Gemeindeverwaltung wäre. Vom traditionsreichen Gemeindehaus «Krone» möchte er sich deswegen aber nicht trennen. «Der Gemeinderat wird weiterhin in unserem einmaligen Gemeinderatssaal tagen», erklärt Peter Hodel bestimmt. «Wir brauchen zudem mehr Sitzungszimmer.» Hodel denkt bei der «Krone» auch an zukünftige Bedürfnisse im Zusammenhang mit der Schulraumplanung. Ein fertiges Nutzungskonzept für das bisherige Gemeindehaus gibt es aber noch nicht.

Lieber kaufen als mieten

Entscheid am Schalttag

Über den Kauf des Bankgebäudes der Credit Suisse entscheidet in Schönenwerd eine ausserordentliche Gemeindeversammlung am Montag, 29. Februar, 20 Uhr, im Casinosaal. Für den Kauf beantragt der Gemeinderat einen Kredit von 2,05 Mio. Franken, für Umbau und Neumöblierung einen Investitionskredit von 250 000 Franken.

Für den Gemeinderat fielen die aktuellen, auch langfristig sehr günstigen Zinskonditionen ins Gewicht, aber auch der Umstand, dass die Bausubstanz des Bankgebäudes als qualitativ hochstehend und modern beurteilt wird. Die bisherige Vermietung des Dachgeschosses an die Firma People Solution AG soll weitergeführt werden. Die CS würde ihren Bancomaten künftig von der Gemeinde mieten.

Ziehen sie bald in die Bank? Gemeindepräsident Peter Hodel (mit Hut) und das Team der Gemeindeverwaltung Schönenwerd. HR. Aeschbacher

Ziehen sie bald in die Bank? Gemeindepräsident Peter Hodel (mit Hut) und das Team der Gemeindeverwaltung Schönenwerd. HR. Aeschbacher

HR. Aeschbacher

Rascher Entscheid gefordert

Zusammen mit dem Investitionskredit für Umbau und Neumöblierung von 250 000 Franken betragen die Kosten für die neue Gemeindeverwaltung insgesamt 2,3 Mio. Franken. Laut Hodel will die CS den Verkauf im März abschliessen. So kommt es bereits am Montag, 29. Februar, zu einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung zum Traktandum «Bank-Kauf». Die Einladung wird morgen Donnerstag im «Niederämter» erscheinen.

Erstmals wird die Botschaft des Gemeinderates nicht mehr allen Schönenwerder Stimmberechtigten automatisch nach Hause geschickt. Sie ist jedoch auf der Gemeinde-Homepage aufgeschaltet. Auf Papier kann sie auf der Gemeindekanzlei bezogen werden. Auf telefonische Bestellung wird sie zudem per Post zugeschickt.

Aktuelle Nachrichten