Rund ein Dutzend Wohnwagen befinden sich zurzeit in Walterswil – gleich neben dem Forstwerkhof Oftringen. Dass es sich hierbei nicht um Urlauber handelt, liegt auf der Hand. Es sind Fahrende, genauer gesagt Roma aus Frankreich. Der Landbesitzer Josef von Arx lässt sie seit zwei Wochen dort gewähren.

«Die Fahrenden haben letztes Jahr schon gestürmt», erzählt er. Damals war seine Antwort noch abschlägig. Am Samstag, 2. April, wurde er erneut angefragt – und sagte ihnen zu. Er habe kein Problem damit, wenn sie sein Land benutzten. «Ich war nur etwas überrascht, wie schnell alles ging.» Einen Tag darauf, am Sonntag, fuhren die Autos mit Wohnwagen auf.

Auch die Gemeindebehörde in Walterswil war etwas überrascht, als von Arx die Tatsache meldete. Sie ist in der Sache aber positiv gestimmt.

«Es läuft alles gut und die Fahrenden halten sich an die Regeln», sagt die Walterswiler Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm-Merz. Doch was sind die Regeln? Sie seien nicht anders als bei sesshaften Bürgern, so Urs Glaus von der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende. «Es darf keine Sauerei gemacht werden.»

Kantone für «Spontananhalte»

Für Ordnung schaut auch der Landbesitzer Josef von Arx sowie die Polizei. «Ich sehe jeden Tag nach dem Rechten», so von Arx. Und auch die Polizei sei öfters vor Ort. Dies bestätigt Melanie Schmid, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn: «Wir waren präventiv einige Male vor Ort, es ist aber nichts vorgefallen.» Da der Platz genau an der Kantonsgrenze liegt, war zuerst auch die Aargauer Polizei auf Platz.

Die Fahrenden seien von Aarau her gekommen, da sie am dortigen Halteplatz keinen Platz hatten, sagt Landbesitzer Josef von Arx.

Im Kanton Aargau gibt es sechs Standorte für Fahrende – einer für ausländische in Kaiseraugst. Dieser wird laut Marco Peyer von der aargauischen Fachstelle für Fahrende stark nachgefragt.

Die restlichen Halteplätze sind einzig Schweizer Bürgern vorbehalten. Gemäss einem Bundesgerichtsentscheid von 2003 haben Fahrende das Recht auf angemessene Stand- und Durchgangsplätze.

Das Aargauer Departement begrüsst solche sogenannten Spontananhalte wie in Walterswil als Ergänzung zu den Durchgangsplätzen. Aber auch hier steht explizit: «... für in der Schweiz wohnhafte oder heimatberechtigte Fahrende ...», heisst es im Richtplan, Kapitel S 4.1., Beschluss 2.1. Auch der Kanton Solothurn ist auf Spontananhalte angewiesen, zumal der Kanton zurzeit keinen festen Platz und nach geeigneten Standorten in Solothurn und Olten sucht.

Den Standplatz in Deitingen hätten die Fahrenden abgelehnt, sagt Rolf Glünkin, Leiter Grundlagen/Richtplanung des Kantons Solothurn. Vorgefertigte Verträge sowie Richtlinien hat Solothurn jedoch nicht. «Wir halten uns aber bei den Richtlinien an unseren Nachbarkanton Aargau», so Glünkin.

Einen Unterschied zwischen inländischen und ausländischen Fahrenden mache der Kanton jedoch nicht. Für Mike Gerzner, Präsident Bewegung der Schweizer Reisenden, gibt es indes den Unterschied: «Mit Transitfahrenden haben wir nichts zu tun.» Die Bewegung mit rund 500 Schweizer Fahrenden befindet sich derweil in Kriens LU.

13 Plätze weniger als 2011

Für Urs Glaus von der Stiftung für Schweizer Fahrende sind Unterscheidungen heikel – auch die verschiedenen Bezeichnungen wie Jenische, Roma oder Sinti. Seine Stiftung setze sich für alle Fahrenden ein.

«Es braucht allgemein mehr Stellplätze.» Laut Glaus benötigen die Fahrenden in der Schweiz 80 Stellplätze. Zurzeit bestehen 32. «Das sind sogar 13 weniger als vor fünf Jahren», so Glaus. Die Kantone sind auf die Spontananhalte angewiesen. Für Bauernfamilien stellen die Fachstelle Fahrende und der Bauernverband Aargau ein Merkblatt und einen Mustermietvertrag zur Verfügung.

Mietvertrag mit Fahrenden

Auch der Landbesitzer Josef von Arx hat mit den Fahrenden einen Vertrag ausgemacht. Darin wird der Mietzins bestimmt, die Anzahl Fahrenden und die Mietdauer.

Bei einem Augenschein vor Ort geben sich die Fahrenden bedeckt. «Keine Zeitung», sagt ein Mann. Nächsten Montag müssen sie den Platz verlassen. Wohin es gehe, wüssten sie noch nicht, so der französische Staatsbürger.

Der Landbesitzer Josef von Arx wird sein Land in der Folge herrichten, das durch die Benutzung und das schlechte Wetter in Mitleidenschaft gezogen wurde. Er ist jedoch der Ansicht, dass er das Feld schon bald wieder mit Mais bestellen kann.