Antje Kirchhofer hält gleich mehrere Schlüsselbünde in der Hand. Sie klimpern, während die 35-Jährige durch den Kreuzgang der Stiftskirche in Schönenwerd schreitet. Kirchhofer ist die neue Pfarrerin der christkatholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen. Dem einen oder anderen Kirchengänger kam sie bestimmt bekannt vor. Denn in den vergangenen Jahren hat sie bereits als Stellvertreterin einige Gottesdienste in der Kirchgemeinde geleitet. Und alle acht Wochen sieht man sie im Schweizer Fernsehen: Kirchhofer ist eine von fünf Geistlichen, die das «Wort zum Sonntag» sprechen.

Zu welcher Tür gehören die Schlüssel?

Auf die Frage, ob sie sich schon eingelebt habe im neuen Job, meint sie schmunzelnd: «Ich bin dran. Momentan versuche ich aber noch, herauszufinden, was ich alles noch nicht weiss.» Die vielen Schlüssel stehen denn auch sinnbildlich dafür. Jeder ist mit einem kleinen Schild beschriftet. Kirche, Büro oder Sakristei steht darauf. «Ich musste sie zuerst an allen Türen ausprobieren, bis ich wusste, welcher Schlüssel wohin gehört.» Solche Fragen würden halt erst auftauchen, sobald man den Job angetreten habe, meint Kirchhofer.

Sie löst Adrian Suter als Pfarrer in der Stiftskirche ab. Ihn kannte sie vom Religionsunterricht, den die Kirchgemeinde zusammen mit den Aarauer Christkatholiken durchführt. Die Aarauer Kirchgemeinde wird von ihrem Mann Lenz Kirchhofer geleitet. Dort wird die Pfarrerin weiterhin in einem kleinen Pensum für einen Gottesdienst im Monat sowie den Religionsunterricht verantwortlich sein. In Schönenwerd arbeitet Kirchhofer in einem 50-Prozent-Pensum.

Die junge Pfarrerin ist die erste Frau, die den Gottesdiensten in der Stiftskirche vorsteht. Als Vorreiterin sieht sie sich jedoch nicht: «Pfarrerin zu sein, ist für mich das Normalste der Welt. Meine Grossmutter war Vikarin und meine Tante Pfarrerin in der evangelischen Kirche», erzählt Kirchhofer, die in Deutschland aufgewachsen ist. Während ihres Theologie-Studiums verbrachte sie ein Auslandsjahr in Bern – auf den Spuren ihrer Grossmutter. «Sie studierte Theologie an der Universität Bern.» Obwohl sie zuerst in der evangelisch-lutherischen Kirche zu Hause gewesen war, wechselte Kirchhofer zu den Christkatholiken. «Die Liturgie und die sinnlichen Gottesdienste sprachen mich sehr an», erklärt die Pfarrerin.

Antje Kirchhofer wurde am 11. August von der Kirchgemeinde willkommen geheissen. «Es kamen sehr viele Leute und die Atmosphäre war toll», erzählt die zweifache Mutter. Ihre beiden Kinder – drei und fünf Jahre alt – seien zusammen mit ihrem Mann in der Kirche gesessen. Eine Ausnahme, denn für gewöhnlich könne sie die Kleinen nicht mitnehmen. «Sie sind noch nicht gottesdiensttauglich», sagt Kirchhofer und lacht.

«Sie ist eine sehr engagierte Pfarrerin»

Für Kirchgemeindepräsidentin Silvia Meier war Antje Kirchhofer die beste Kandidatin für die Pfarrerstelle in der Stiftskirche: «Sie ist eine sehr engagierte, junge Pfarrerin voller Tatendrang.» Meier freut sich ausserdem über die geballte Frauenpower in der Kirchgemeinde. «Ich bin ja auch die erste Präsidentin», so die Lostorferin. Bei der Stellenvergabe habe das Geschlecht aber keine Rolle gespielt: «Das Wohl der Kirchgemeinde und das soziale Leben hat Vorrang.»

Nach dem Willkommensgottesdienst und den ersten Tagen im Pfarramt sagt Kirchhofer bereits: «Das starke Zusammengehörigkeitsgefühl in dieser Kirchgemeinde ist etwas ganz Besonderes.» Dies will sie beibehalten. Und genau deswegen habe sie immer den Wunsch gehabt, Gemeindepfarrerin zu werden.

Grosse Pläne für die kommenden Wochen und Monate hat sich Kirchhofer nicht zurechtgelegt. Noch brauche sie Zeit, um sich in der Kirchgemeinde zu vernetzen. «Ich will schöne Gottesdienste halten, da sein, wenn mich die Leute brauchen und einfach zuhören», sagt sie. Gespräche mit den Gläubigen wolle sie nicht während den Bürozeiten erzwingen. «Ich singe etwa auch im Kirchenchor und da werden sich in den Pausen bestimmt Gespräche ergeben», sagt Kirchhofer und dreht den Bund mit den riesigen Schlüsseln für die Stiftskirche in ihren Händen. «Ich will einfach als Mensch präsent sein.»