«Leistungsorientierte Förderung von Schweizer Spielern zugunsten von
Volley Schönenwerd und des Schweizer Volleyballsports auf allen Altersstufen», lautet die offizielle Vereinsstrategie von Volley Schönenwerd. Auf die neue Saison hin wurde das NLA-
Team mit vier Ausländern verstärkt. Passen diese Transfers zur Strategie des Klubs?

Daniel Bühlmann: Absolut, das ist unsere Strategie und wird immer unsere Strategie bleiben. Mit Jan Schnider (Rücktritt) und Leandro Gerber (Auslandaufenthalt) haben wir aber zwei sehr gute Schweizer Spieler verloren, die letzte Saison 50 bis 60 Prozent unserer Punkte erzielt haben. Dies zu kompensieren, geht schlicht nur mit Ausländern, wenn man in der Liga nicht im hinteren Mittelfeld herumdümpeln will. Deshalb haben wir diese Saison die Konstellation mit mehr Ausländern. Wären gleichwertige Schweizer auf dem Markt gewesen, hätte ich denen auf jeden Fall den Vorzug gegeben.

Worauf wurde bei den Transfers vor allem geachtet?

Primär ging es darum, wir die fehlenden Punkte von Schnider und Gerber zu ersetzen. Dafür sollen Daniel Rocamora und Carlos Guerra sorgen. Vor allem auf der Diagonalposition hatten wir in den letzten Jahren Probleme. Schnider hat diesen Job zwar sehr gut gemacht, ist aber eigentlich ein Annahmespieler. Von Rocamora erhoffen wir uns, dass er die nötigen Punkte liefert auf dieser Position. Zudem war bei der Zusammenstellung des Teams wichtig, auf der Annahmeposition mehr Stabilität reinzubringen. Das wird die Aufgabe von Kristo Kollo und Fran Peterlin sein.

Welches ist der Top-Transfer?

Carlos Guerra: Er ist ein sehr wichtiges Puzzlestück. Klar, mir wäre lieber, wenn er nicht 100 Prozent arbeiten und dafür in allen Trainings dabei wäre. Doch wir haben einen guten Kompromiss gefunden. Da er schon jahrelang in der Schweiz spielt, wissen wir genau, was wir an ihm haben. Er bringt die Punkte, die wir mit dem Rücktritt von Jan Schnider verloren haben. Und er sorgt auch für eine klare Hierarchie. Wenn er auf dem Feld steht, ist klar, wer der Chef ist. Das war auch bei Schnider der Fall. Doch vom Typ her könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein. Jan war introvertiert, Carlos ist sehr extrovertiert. Die Emotionen, die er aufs Feld bringt, haben uns in den letzten Jahren gefehlt.

Volley Schönenwerd hat im Sommer nicht nur vier neue Spieler verpflichtet, mit Zharko Ristoski steht in dieser Saison auch ein neuer Trainer an der Seitenlinie.

Auch beim Trainer gilt: Wenn ein guter Schweizer verfügbar gewesen wäre, hätten wir versucht, den zu engagieren. Den Tipp, Zharko zu holen, bekamen wir von unserem ehemaligen Trainer Bujar Dervisaj. Ein sehr guter Tipp. Zharko war selber ein sehr guter Volleyballer und coachte zuletzt die Nationalmannschaft von Mazedonien. Er ist vom Volleyball angefressen und will den Erfolg, das spürt man.

Ist die Mannschaft teurer als in der letzten Saison?

Es scheint fast so (lacht). Ja, ein bisschen teurer ist die Mannschaft. Das letztjährige Team war allerdings auch relativ günstig, das muss man auch sagen. Jetzt haben wir unsere Möglichkeiten ausgereizt. Mehr zu investieren, ist im Moment nicht möglich.

Könnte es sein, dass weniger Zuschauer kommen, weil zu viele Ausländer auf dem Feld stehen und die Integrationsfiguren fehlen?

Das denke ich nicht, im Gegenteil. Sind wir ehrlich: Am Ende wollen die Zuschauer Erfolge sehen. Wenn man mit sechs Spielern aus dem Dorf erfolgreich ist, ist das super. Doch wenn die Sechs aus dem Dorf im Niemandsland der Liga herumgurken, bringt das den Fans nichts. Die Mischung im Team muss stimmen. Wir hatten übrigens schon letzte Saison weniger Zuschauer. Man merkt, dass die Euphorie der NLA-Anfänge verflogen ist. Das müssen wir ändern. Und die Zuschauer bringt man meiner Meinung nach nur mit einem Team, das von Emotionen lebt, und natürlich mit Erfolg zurück in die Halle.

In den vergangenen zwei Saisons landete Schönenwerd jeweils auf dem enttäuschenden fünften Schlussrang. Wohin soll es diese Saison gehen?

Ich lasse mich nicht mehr allzu sehr auf die Äste raus. Amriswil wird sicher das Team sein, das es zu schlagen gilt, wenn man den Titel will. Dahinter werden Lausanne, Näfels und wir kommen. Die anderen vier Klubs sind vor dem Saisonstart extrem schwierig einzustufen. Vor allem Chênois ist eine grosse Wundertüte. Wir haben sicher die Qualität, jedes andere Team zu schlagen.

Die Saison beginnt für Ihr Team am Sonntag mit dem Heimspiel gegen
Näfels (15 Uhr, Erlimatthalle Däniken). Auf welche Startaufstellung würden Sie setzen?

Libero ist klar: Julian Fischer. Auf der Diagonalposition ist Rocamora gesetzt. Guerra ist an der Wade verletzt, sein Einsatz ist noch nicht sicher. Ihn würde ich neben Kristo Kollo auf der Annahmeposition bringen. In der Mitte Christoph Hänggi und Marko Kesten. Bei den Zuspielern würde ich mich am Anfang wohl für Sébastien Chevallier entscheiden. Eine klare Nummer 1 am Pass haben wir allerdings nicht. «Séba» und Leon Dervisaj sind vom Niveau her sehr nahe beisammen.