Lostorf

Schloss Wartenfels: Eine Kostprobe von zeitgenössischer Kunst

Das Schloss Wartenfels öffnete am Sonntagnachmittag seine Pforten zur neuen Saison. Ein Augenschein.

Das Schloss Warenfels erwacht aus dem Winterschlaf, zwar etwas später als geplant, und der integrierte Sonderausstellungsraum, die sogenannte Galerie, bleibt vorderhand noch geschlossen. Dafür wartet das Schlossmuseum mit einigen Neuerungen auf. Peter André Bloch, der Präsident des Wartenfels-Stiftungsrats, begrüsste die Gäste und nahm sie mit auf einen Rundgang durchs Schloss. Die Räume atmen den Geist einer dreihundertjährigen Vergangenheit. Alle Leute, die darin lebten, hinterliessen Spuren und gestalteten die Zimmer um. Auf diese Weise entstanden oft spezielle Kombinationen. Im obersten grossen Zimmer, das für Trauungen benutzt werden kann, ist die Decke mit den Allianzwappen des Solothurner Jungrats Balthasar Joseph Grimm und seiner Gemahlin Anna Katharina Gibelin samt der Jahreszahl 1750 geziert. Gleich darunter hängt ein Kronleuchter aus venezianischem Muranoglas. Vor allem aber die Inneneinrichtung ist geprägt durch die letzten Besitzer des Schlosses, die Basler Unternehmerfamilie Meidinger-Hummer und Professor Johann Fuchs.

Anfang des 20. Jahrhunderts flohen die reichen Basler die Hitze der Stadt und verbrachten die Sommermonate auf dem Land, erzählte Bloch. So erwarb auch Georg Meidinger zusammen mit seiner Frau Hermine 1918 das Schloss Wartenfels. Sie machten das Schloss wieder bewohnbar, frischten die Räume auf, bauten kostbare Kachelöfen ein und richteten die Zimmer mit Möbeln im Jugendstil und bäuerlicher Volkskunst ein.

Peter André Bloch, der auf seiner Führung zahlreiche Anek­doten einflocht, wies auch auf die aussergewöhnliche Kombination der Farben Gelb und Rostrot hin, welche Hermine Meidinger bevorzugt hatte. Bei der aktuellen Auffrischung der Wände übernahm man diese Farben. Georg Meidinger war auch ein Sammler von Hinterglasmalerei. Eine Auswahl dieser oft süss-frommen Kleinkunstwerke wird in einem Schlafgemach präsentiert.

Ein zweiter Raum ist dem Lostorfer Schullehrer und Illustrator Meinrad Peier (1903–1964) gewidmet, der seine Werke mit Per signierte. Der auch als Gewerkschafter aktive Künstler schuf Holzschnitte mit Szenen aus Lostorf und Umgebung. Nicht fehlen darf Paul Gugelmann, der zu seiner beweglichen Skulpturen heuer eine Wartenfels-Hexe beisteuerte. Aus der umfangreichen Sammlung von Aquarellen des 2014 verstorbenen Fulenbacher Eigenbrötlers Alfons Wyss gestaltete Bloch im sogenannten Blauen Zimmer eine Auswahl zum Thema Feuer-Skurrilität. Mit all diesen Kunstwerken haucht man den historischen Räumen neues Leben ein.

Die kleine Schlossgalerie auf Wartenfels muss vorläufig ihre Pforte geschlossen lassen. Auf der Wand vor der Galerie fanden trotzdem sechs Werke von Isabelle Althaus Platz. Die Künstlerin, die ihr Malatelier in Lostorf hat, zeigt verfremdete Fotografien der Fassade von Schloss Wartenfels und variiert sie in kräftigen Farben. Mit dieser Kostprobe von Althaus’ zeitgenössischem Schaffen endet der Rundgang durch die mittelalterlichen Mauern in der Gegenwart.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1