Für die Kulturkommission Schönenwerd lag es nahe, den Anlass im Stützpunkt des Pontonier-Fahrvereins Schönenwerd-Gösgen durchzuführen. Schliesslich ist der Stachel ein Werkzeug der Wasserfahrer. Die Pontoniere freuen sich, als Gastgeber ihre Lokalitäten zur Verfügung zu stellen und nach der Lesung die Gäste bewirten zu dürfen.

Der Schriftsteller Markus Kirchhofer wurde 1963 in Menziken geboren. Er ist im Ruedertal aufgewachsen und wohnt heute in Oberkulm. Viele Jahre unterrichtete er als Lehrer mit Schwergewicht Sprachen. Bis 2013 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule tätig und als Kursleiter in der Lehrer/Innen-Weiterbildung. Er ist Textautor von zehn Comics, zum Beispiel «Meyer & Meyer». Im Gedichteband «gegenüber» (2011) liess er die Bilder der Zeichner und Illustratoren Reto Gloor und Werner Erne sprechen. Vor drei Jahren entschloss er sich, seine eigenen Worte zu finden und sich nicht mehr über Zeichnungen mitzuteilen. Mit seiner ersten SoloProduktion, dem Gedichteband «Eisfischen» (2014), ist ihm dieses Debüt geglückt.

Heute schlägt Kirchhofer mit dem ersten Prosa-Buch «Der Stachel» (wiederum im Oltner Knapp Verlag erschienen) einen weiteren neuen Weg. Die Premiere dieses Werks mit 17 Kurzgeschichten fand am 21. Januar im Aargauer Literaturhaus in Lenzburg statt. Die fünf Illustrationen gestaltete Reto Gloor. Der 53-jährige ausgebildete Zeichnungslehrer stammt aus Schöftland und ist seit 1992 Comiczeichner.

In Markus Kirchhofers «Der Stachel» sind die siebzehn Kurzgeschichten zu Novellen komprimiert. Sie sind in einer einfachen, bildstarken, poetischen Sprache gehalten. Die Erzählungen sind flüssig und verständlich geschrieben. «Es ist mein erstes Buch dieser Art. Ich wollte versuchen, mit der Sprache und ihren Worten zu spielen. Sie so zusammenzusetzen, dass diese Geschichten fesseln.»

Feuerwehrunglück gab Anstoss

Über Freunde wurde Kirchhofer auf den tragischen Feuerwehrunfall vom 27. November 2004 in Gretzenbach aufmerksam. Er lernte dabei auch die Witwe eines verunglückten Feuerwehrmannes kennen. Zusammen arbeiteten sie die Geschehnisse auf. Wünsche des Verstorbenen und die Gefühle der Hinterbliebenen wurden angesprochen. So entstand die Geschichte «Der Stachel». Sie beschreibt die Aschenausstreuung auf der Aare. In der griechischen Mythologie ist Charon der Fährmann zur Unterwelt. In der Erzählung übernimmt der Steuermann Charly diese begleitende Funktion für einen Menschen, der geschätzt und geliebt wurde.

Markus Kirchhofer verarbeitet Stichworte, die er aufschnappt, oder Berichte, die ihm zugetragen werden, in konzentrierte, spannende und unterhaltsame Erzählungen. Die unterschiedlichsten Schicksale und Dramen, aber auch witzige Erlebnisse werden in der «Ich-Form» geschrieben, als sei er überall dabei gewesen. Wie der Autor selber sagt: «Zuhören, Wurzeln spriessen und wachsen lassen und dann die Pflanze so zurechtstutzen, dass es für mich und die Leser stimmt. Zum Schluss sollte man sagen können: Das passt!»

Dienstag, 10. Mai, 19 Uhr Apéro im Depot des Pontonier-Fahrvereins Schönenwerd-Gösgen (Einfahrt Badi), 19.30 Uhr Lesung mit Markus Kirchhofer.