Wegen Eppenbergtunnel
SBB verursachen Mega-Loch im Acker – und der Landwirt darf sein Feld nicht bestellen

Ausgelöst durch Bauarbeiten am Eppenbergtunnel ist in Gretzenbach die Erde abgesackt. Der Bauer darf sein Feld derzeit nicht bestellen.

Christoph Zehnder
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Das Loch ist etwa sechs Meter breit und drei Meter tief. Fotos: Bruno Kissling

Das Loch ist etwa sechs Meter breit und drei Meter tief. Fotos: Bruno Kissling

Bruno Kissling

In Gretzenbach hat sich am letzten Samstag die Erde aufgetan. Auf einem Feld an der Grenze zu Schönenwerd klafft ein Loch von sechs Metern Durchmesser und einer Tiefe von rund drei Metern. Die Ursache dafür liegt im Untergrund: Durch die Bohrarbeiten am Eppenbergtunnel hat sich der Boden abgesenkt. Dir Rutschung entstand während des Vortriebs mit der Tunnelbohrmaschine rund 16 Meter hinter dem Bohrkopf, wie die SBB gestern mitteilten. «Ein Mitarbeiter bemerkte den Rutsch auf einem der mehrmals täglich stattfindenden Kontrollgänge», erklärt SBB-Mediensprecherin Franziska Frey auf Anfrage. Der Bereich um das Loch ist mit Markierband abgesperrt.

An dieser Stelle liegen zwischen Tunnel und Erdoberfläche nur gerade 15 Meter. Bald wird diese Schicht noch dünner. Während der aktuellen Bauphase beträgt der Abstand zwischen Tunnelbohrmaschine und Oberfläche an der dünnsten Stelle ganze zwölf Meter. Zum Rutsch kam es innerhalb einer etwa 150 Meter langen Übergangszone von hartem Fels zu Lockergestein.

Erdloch durch Tunnelbohrarbeiten Eppenbergtunnel bei Gretzenbach
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Erdloch durch Tunnelbohrarbeiten bei Gretzenbach
Erdloch durch Tunnelbohrarbeiten Eppenbergtunnel bei Gretzenbach
Erdloch durch Tunnelbohrarbeiten Eppenbergtunnel bei Gretzenbach
Erdloch durch Tunnelbohrarbeiten Eppenbergtunnel bei Gretzenbach
Erdloch durch Tunnelbohrarbeiten Eppenbergtunnel bei Gretzenbach
Erdloch durch Tunnelbohrarbeiten Eppenbergtunnel bei Gretzenbach

Erdloch durch Tunnelbohrarbeiten Eppenbergtunnel bei Gretzenbach

Bruno Kissling

Im August wurde die Bohrmaschine für diese Form von Untergrund auf Nassbetrieb umgerüstet. Bei diesem Verfahren wird mit einer Stützflüssigkeit aus Wasser und Tonpartikeln Druck aufgebaut, um die Tunnelröhre zu stabilisieren. Die joghurtartige Flüssigkeit verhärtet sich und verhindert so einen Einsturz des lockeren Gesteins. Pro Tag legen die Tunnelbauer auf diese Weise rund zehn Meter zurück.

Häuser werden überwacht

Von der Rutschung sind weder Personen noch Häuser betroffen. Dies auch deshalb, weil der Boden auf freiem Feld absackte. Auf ihrem Rendezvous-Kurs in Richtung Ostportal gräbt sich die Tunnelbohrmaschine aber auch unter einzelnen Liegenschaften vorbei. Für das Vertrauen der Bewohner in die Tunnelbauer dürfte der Vorfall daher nicht unbedingt förderlich sein. Zumal es vor kurzem in Schönenwerd bereits zu mutmasslichen Gebäudeschäden durch die Tunnelbauarbeiten gekommen war. Laut SBB ist unter der bebauten Zone aber mit keinen weiteren Rutschungen oder Absenkungen zu rechnen. «Die Gebäude werden rund um die Uhr mit modernsten Messgeräten überwacht, welche bereits kleinste Bewegungen registrieren», erklärt Frey. Weitere Sicherheitsvorkehrungen würden sich aufgrund der aktuellen Einschätzung momentan nicht aufdrängen.

Bevor die Bohrmaschine ihr Haus unterquert, werden die Anwohner telefonisch benachrichtigt, sofern sie es denn wünschen. Ausserdem erhalten sie auch Zugang zu den Messdaten, wie Gesamtprojektleiter Thomas Schweizer jüngst an einer Informationsveranstaltung mitteilte.

Keine Auswirkung auf Terminplan

Die Vertiefung in Gretzenbach wird in den kommenden Tagen mit Kies und Erde wieder aufgefüllt. «Danach wird vom Rutsch nichts mehr sichtbar und die Stelle ganz normal bewirtschaftbar sein», so die SBB-Sprecherin. Bis dahin darf die Zone jedoch nicht betreten werden. Für den Landwirt heisst dies, dass er dort nicht arbeiten kann. Die SBB stehe mit ihm in Kontakt und kläre allfällige offene Punkte direkt. «Selbstverständlich auch denjenigen des Ernteausfalls, der durch das Befahren der Baumaschinen auf dem Feld entsteht.»

Für das Auffüllen der Vertiefung brauchen die Bauarbeiter ein bis zwei Tage. Auf den Terminplan habe die Rutschung keinen Einfluss. Der Tunnelvortrieb wird plangemäss fortgesetzt. Der Durchstich im Eppenbergtunnel soll noch vor Weihnachten dieses Jahres erfolgen.

Globi baut den Eppenbergtunnel
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Globi ist bekannterweise ein Freund des Bahnfahrens und deshalb das perfekte Maskottchen für die SBB.
Im Malbuch hilft Kultpapagei Globi den Arbeitern beim Eppenbergtunnelbau.
Auch Rätsel zum Thema wollen gelöst werden.
Anders als Kinder unter 12 Jahren darf Globi am Tag des offenen Eppenbergtunnels auch das Innere des Tunnels besichtigen.

Globi baut den Eppenbergtunnel

Katja Schlegel