Bahnhof Dulliken

SBB fahren am Leistungsauftrag vorbei

Bleibt unter der Woche ein Geisterbahnhof: der Bahnhof Dulliken. Den Pendlern bleibt der Ersatzbus.

Bleibt unter der Woche ein Geisterbahnhof: der Bahnhof Dulliken. Den Pendlern bleibt der Ersatzbus.

Passagiere, Parteien und Politiker auf Gemeindeebene sind unzufrieden mit den vorgestellten Plänen der Bahn am Bahnhof Dulliken.

Gegen die vorgestellten Pläne der Bundesbahnen werden immer mehr Stimmen laut. Letzte Woche stellte die SBB den neuen Fahrplan vor. Dieser tritt am 13. Dezember in Kraft. Bis dahin sollen unter anderem aufgrund eines Lokführermangels gewisse Strecken reduziert bedient werden oder sogar ganz ausfallen. Dulliken wartet seit Jahren auf einen verbesserten Anschluss. Die SBB versprachen der Gemeinde einen solchen mit der Inbetriebnahme des Eppenbergtunnels. Daraus wird nichts: Dulliken soll weiter mit einem Stundentakt und unter der Woche mit Busersatz vorliebnehmen.

In Reaktionen auf die Ankündigung kommen die SBB schlecht weg. In einer Medienmitteilung und einem offenen Brief an SBB Regionenleiter Michel Berchtold, fordert die Grüne Region Olten von den SBB den Entscheid zu überdenken. Dabei bezieht sie sich hauptsächlich auf das «Läuffelfingerli». Eine Busverbindung sei kein adäquater Ersatz für die Strecke über den Hauenstein. Und tatsächlich: Wer diese Strecke fünfmal die Woche pendelt, verbringt pro Weg 20 Minuten zusätzlich im ÖV. Während dreier Monate ergibt dies eine 40-Stundenfahrt im Ersatzbus.

«Jetzt reicht’s»

Auch der SP-Kantonsrat, SEV-Sekretär und Pendler Urs Huber aus Obergösgen, findet in einem Leserbrief kritische Worte: «Das kann es nicht sein.» Er zeigt Verständnis für die komplexen Aufgaben der Bahn. Doch als SBB-Kunde mit Heimatbahnhof Dulliken sagt er: «Jetzt reicht’s. Zurzeit haben wir in Dulliken die schlechtesten Zugsverbindungen in meinen 42 Jahren Pendlerleben.» Das Ganze sei schwer zu akzeptieren. Vor allem die Tatsache, dass ein vorbeifahrender Zug nicht auch in Dulliken halten könne. Huber fordert: «Es wäre dringend nötig, dass die SBB eine Lösung sucht und findet!»

Gemeindepräsident von Dulliken, Walter Rhiner, wurde von den SBB nicht in den Entscheid eingeweiht. In einer ersten Reaktion auf die Mitteilung der SBB zeigte er sich unzufrieden: «Wir sind mehr als enttäuscht von diesem Entscheid.» Was wird die Gemeinde unternehmen? Auf eine erneute Anfrage sagt er: «Wir sind im Moment noch an Abklärungen mit Personen, die den Bahnbetrieb kennen.» Es gehe dabei um Grundsatzfragen und darum, eine Auslegeordnung zu schaffen. Noch sei dieser Austausch ergebnisoffen. Rhiner sagt: «Ich bin gespannt was diese Woche noch herauskommt.»

Die SBB betonen auf Anfrage: «Massnahmen wurden dort eingeleitet, wo der Personalbestand am kritischsten ist.» Grundsätzlich würden Zusatzzüge in der Hauptverkehrszeit reduziert. Für die SBB sei zentral, dass die Transportketten im Rahmen des Möglichen bestehen bleiben können. Dazu würden wo möglich und sinnvoll Bahnersatzbusse eingesetzt. Die SBB unternehme ihr Möglichstes, um die Auswirkungen auf die Kundinnen und Kunden so gering wie möglich zu halten. Trotzdem müssen die Reisenden mit verlängerten Fahrtzeiten rechnen. «Das bedauern wir sehr und wir entschuldigen uns bei den betroffenen Kundinnen und Kunden für die Unannehmlichkeiten.»

SBB versuchen das Möglichste

Trotz eingeleiteter Massnahmen wie dem Einsatz pensionierter Lokführer, fahrkundigem Büropersonal und Lokführerinnen und Lokführer von anderen Eisenbahndienstleistern, sahen sich die SBB zum Schritt der Angebotseinschränkungen gezwungen.

Riskiert die SBB den Verlust von Kunden ans Auto? Dazu Sabine Baumgartner, Mediensprecherin bei den SBB: «Unabhängig von der jetzigen Situation, stellen wir seit längerem ein stark gestiegenes Kundenbedürfnis fest, umweltfreundlich und ressourcenschonend zu reisen.» Neben dem Langsamverkehr sei die Bahn das klimafreundlichste Verkehrsmittel: «So verursacht eine Bahnfahrt in der Schweiz 27 Mal weniger CO2 und braucht sechs Mal weniger Energie als eine Autofahrt auf einer vergleichbaren Strecke.»

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