Dulliken

Saxophonist Simon Spiess: «Ich fordere mich immer wieder heraus»

Der Saxophonist Simon Spiess während eines Konzertes der Veranstaltungsreihe «labOhr» in der Galicia Bar.

Der Saxophonist Simon Spiess während eines Konzertes der Veranstaltungsreihe «labOhr» in der Galicia Bar.

Der Saxophonist Simon Spiess aus Dulliken erzählt, was das Schöne an seinem Beruf ist, woher seine Inspiration kommt - und was das Schlimmste ist, was man einem Berufsmusiker sagen kann.

Schon früh war für Simon Spiess klar, dass er Musiker werden will. Eher aussergewöhnlich − jedenfalls in der Schweiz. Hier wird häufig zuerst ein «anständiger» Beruf erlernt, damit man ein sicheres Standbein hat, bevor man das Abenteuer − oder eben auch das Wagnis − eingeht und auf die Karte Musik setzt. «So sind eben die Schweizer», erklärt Spiess lachend. Er habe aber das Glück gehabt, dass seine Eltern ihn diesbezüglich immer unterstützt haben. Kein Wunder, denn auch seine Mutter war sehr musikalisch und sein Vater ein bekannter DJ, der über eine ordentliche Schallplattensammlung verfügt. So habe er auch seit jeher den Bezug zur Musik gehabt.

Aber auch Spiess hätte beinahe einen anderen Weg eingeschlagen. Er hatte mit dem Gedanken gespielt, Pfleger zu werden. Zudem habe er als Kind genauso ungern für den Instrumentalunterricht geübt wie wohl jedes andere Kind auch. Erst eine Funk-CD hat für die Kehrtwende gesorgt. Durch diese hat es Spiess erst richtig «gepackt» und er wollte auch so Saxophon spielen können. Von diesem Moment an übte er mehrere Stunden pro Tag am Saxophon, wurde von Fritz Renold und Roland Philipp stark gefördert und bereits nach einem Jahr intensiven Übens, begann der damals knapp 18-jährige Spiess mit dem Studium an der Musikhochschule in Basel. Im Verlaufe seiner Ausbildung, nahm er auch Unterricht in Luzern und New York. Dabei hat sich Spiess von Anfang an für Jazz begeistert - nicht nur für klassischen Jazz, auch Free Jazz oder Avantgarde Jazz. «Durch das habe ich mich immer etwas exotisch und speziell gefühlt. Das hat damals niemand in meinem Umfeld gemacht», so der 32-Jährige. Für Spiess ist Jazz eine der anspruchsvollsten Musikstilrichtungen - musikalisch und emotional.

Das Musikgeschäft ist ein hartes Business

Seit seiner Ausbildung ist Spiess schon viel herumgekommen. Er hat jeweils eine Zeit lang in Berlin, in Paris und in Mannheim gelebt. Daneben hat er fast überall in Europa gespielt und hatte sogar einige Auftritte in Afrika und Sibirien. Alle diese Reisen haben Spiess massgeblich beeinflusst und ihm viel eröffnet. «Es ist eine stetige musikalische und persönliche Entwicklung», wie er erklärt. Heute widmet sich der mittlerweile in Dulliken wohnhafte Spiess nebst seinen Auftritten und dem Instrumentalunterricht insbesondere auch dem Managing seiner Karriere, das er selbst in die Hand nimmt. Er spricht das Wort Verzweiflung an, wenn er daran denkt, was man als Musiker heute alles machen muss, um präsent zu sein.

Das Musikbusiness sei nicht leicht; der Weg zum Musiker schwierig und hart. Berufsmusiker sein sei sehr zeitintensiv und man müsse vollkommen dahinter stehen. «Man muss es mit Leidenschaft machen», ist Spiess überzeugt. So fühle sich sein Leben auch erfüllt an, da er Freude an dem hat, was er arbeitet. Als Hobby würde Spiess seinen Beruf allerdings nicht bezeichnen. Das sei gar das Schlimmste, was man einem Musiker sagen könne. Dabei deutet er lachend auf ein paar Fasnächtler, die gerade das Café betreten. «Sie würden wahrscheinlich auch von sich sagen, sie seien Musiker, weil sie in einer Gugge spielen», erklärt Spiess. Man vergesse aber oftmals, mit welchem Aufwand der Beruf Musiker verbunden sei. Das sei etwas völlig anderes als ein Hobby.

Mit offenem Herzen durchs Leben

Zurzeit ist Spiess mit vielen neuen Projekten beschäftigt. Da wäre einerseits das musikalische Experiment «labOhr», das verschiedene Kunstformen zusammenbringen will. Durch diese alternative und interdisziplinäre Veranstaltung wird etwas geboten, dass es so in Olten nicht gibt. Andererseits befindet sich das Simon Spiess Trio in Umbruch. Bei der nächsten Ausgabe von «labOhr», am 08. März 2020, tritt das Trio erstmals in neuer Zusammensetzung auf. Mit seinem neuen Soloprojekt, Late Bloøm, will sich Spiess vermehrt vom Jazz trennen und sich auch anderen Stilen, wie beispielsweise Ambient Music, widmen.

Vielfältigkeit ist für Spiess wichtig. «Ich versuche mich immer wieder herauszufordern, offen zu sein für Neues und mich weiterzuentwickeln», so der Saxophonist. Doch woher nimmt er die Inspiration für all das? Die Inspiration komme aus vielen Ecken: durch Menschen oder Momente, aus dem Alltag oder den Reisen, von der Musik, der Kunst oder der Literatur. «Ich gehe möglichst mit offenen Augen und offenem Herzen durchs Leben und nehme das Positive mit», sagt Spiess.

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