Niederamt

Rundwegs Absagen für Gross-Gemeinde: Gemeindepräsidenten wollen keine Fusion

Eine Fusion zu einer Grossgemeinde ist nirgends ein Thema (Bild: Blick auf Schönenwerd Richtung Niedergösgen)

Die Gemeinden des Niederamts wollen eigenständig bleiben.

Eine Fusion zu einer Grossgemeinde ist nirgends ein Thema (Bild: Blick auf Schönenwerd Richtung Niedergösgen)

Die Idee, dass sich die Gemeinden des unteren Niederamts zusammenschliessen, findet bei den Gemeindepräsidenten keinen Anklang.

Für Max Ernst, den ehemaligen Gemeindepräsidenten aus Rohr SO, geht die Fusion von Rohr und Stüsslingen zu wenig weit. Eine Gross-Gemeinde aller umliegender Dörfer erachtet der langjährige Milizpolitiker als sinnvoll. Es brauche eine Mindestgrösse von etwa 10'000 Einwohnern, um Kosten zu senken und die Verwaltung effizient zu betreiben (wir berichteten). Was meinen die Gemeindepräsidenten des unteren Niederamts dazu?

Für den Lostorfer Gemeindepräsident Thomas A. Müller ist eine Gemeindefusion derzeit «gar kein Thema». Da die Gebiete auch nicht wie Olten und Starrkirch-Wil oder Olten und Trimbach zusammengebaut sind, sei auch rein optisch keine Zusammengehörigkeit gegeben, findet Müller. Lostorf habe «im Moment jedenfalls kein Bedürfnis» nach einer Fusion. Was in fünfzig Jahren sein werde, könne man nicht abschätzen. Gegenwärtig könne die Gemeinde alle Ämter besetzen: «Wir haben teilweise sogar mehr als ausreichend Kandidatinnen und Kandidaten.»

Auch Peter Frei, Gemeindepräsident von Obergösgen, sieht keinen Bedarf für eine Fusion. «Dieses Thema steht nicht auf unserer Pendenzenliste.» Er finde es sinnvoll, dass sich Rohr und Stüsslingen nun zusammenschliessen würden, aber der Idee einer Grossgemeinde vermag er nichts abzugewinnen: «In Obergösgen arbeiten wir an internen Optimierungen und pflegen eine gute Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden.»

Nicht anders tönt es in Niedergösgen. Gemeindepräsident Roberto Aletti möchte sich in dieser Frage nicht zum Fenster hinauslehnen, da er erst seit einem Jahr im Amt ist, sieht jedoch auch keinen Handlungsbedarf. Er gibt zu bedenken, dass Fusionen Vor- und Nachteile mit sich bringen. Bestimmt werde das Finden von Kandidaten für Gemeindeämter einfacher, weil sich das Einzugsgebiet vergrössere. Andererseits gehe die Nähe zum Bürger ein Stück weit verloren, und gerade diese sei in Niedergösgen noch sehr vorhanden.

Schönenwerds Gemeindepräsident Peter Hodel sieht «die Zeit für eine Grossgemeinde nicht reif.» Schönenwerd pflege eine gute interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, was vor allem die Bereiche Schule, Sozialer Dienst, Wasserversorgung und Feuerwehr betreffe. Hodel sieht einer Zusammenlegung mit gemischten Gefühlen entgegen: «Man muss sich bewusst sein: das Angleichen aller Verwaltungen mit den unterschiedlichen Systemen ist eine riesige Herausforderung, bis alle auf dem gleichen Stand wären.»

Madeleine Neumann, Gemeindepräsidentin von Erlinsbach SO, weist auf den Spezialfall ihrer Gemeinde hin. Es bestehe keinerlei Absichten, mit einer Niederämter Gemeinde zu fusionieren. Naheliegender wäre der Zusammenschluss mit dem Dorf auf der anderen Bachseite, Erlinsbach AG. «Wir sind vollständig zusammengewachsen», so Neumann. Doch befinde sich die Gemeinden nicht in einem aktiven Fusionsprozess, sondern tausche sich mit dem Nachbarn aus: «Wir diskutieren ständig Verbesserungsmöglichkeiten bis hin zu einer allfälligen Fusion». Erlinsbach SO leide auch keine personelle Not: «Mit unseren 3600 Einwohnerinnen und Einwohnern haben wir, bei stetem Wachstum, eine gute Grösse, die sich noch steigert.»

Vorerst bleiben also alle Dörfer in den gewohnten Grenzen. Bis es zu einer Grossgemeinde «Unteres Niederamt» kommt, wird noch viel Wasser die Aare hinunterfliessen.

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