Niedergösgen

Rund um die Nordsee: Paar bietet Reise auf dem Segelschiff an

In Niedergösgen erinnert das Bild eines Segelschiffs daran, dass Andrea Brönimann und Boris Kulpe gerne auf Hoher See sind.

In Niedergösgen erinnert das Bild eines Segelschiffs daran, dass Andrea Brönimann und Boris Kulpe gerne auf Hoher See sind.

Die Niedergösger Andrea Brönimann und Boris Kulpe erklären, wieso sie im Sommer die Alpen mit der Nordsee tauschen.

«Wir möchten den Leuten ermöglichen, mit dem Wind unterwegs zu sein», sagt Andrea Brönnimann. Sie und ihr Partner Boris Kulpe organisieren Segeltörns auf Hoher See. Das Paar wohnt aber nicht am Meer, sondern in Niedergösgen mit Sicht auf die Alpen. Im Sommer wechseln sie die Berge gegen Meer und Wellen aus: Dann stechen sie mit dem Segelschiff Timanfaya in See. Dabei sein, können Neugierige, Abenteuerlustige und Naturliebhaber.

Seit Februar 2018 organisieren sie als Skipperpaar für den Swiss Sailing Club solche Reisen. Letztes Jahr haben sie eine Tour im Mittelmeer gemacht. «Im Sommer ist dort die Hölle los», meint Kulpe. Ganz extrem sei Ibiza, dort koste ein Liegeplatz für ein Schiff mit der Grösse der «Timanfaya» pro Nacht bis zu 1000 Franken. Normalerweise würde das um die 200 Franken kosten. So zieht es sie in den Norden, wo die Wellen höher, der Wind rauer und die Temperaturen tiefer sind. Dafür ist die Bevölkerung entspannter und die Natur spektakulär.

Der gebürtige Deutsche Kulpe hat als Kind auf dem Schiff seiner Eltern segeln gelernt. In den 1990er-Jahren hat er gar für sechs Jahren als Skipper angeheuert und ist um die ganze Welt gesegelt. «Wenn man so viel Zeit auf See verbringt, dann besteht die Gefahr, dass der Bezug zum Land verloren geht.» Denn die Zeit auf dem Schiff sei zeitweise eintönig und ist nicht mit dem Leben an Land vergleichbar. Schon manch ein Seemann kompensierte das mit übermässigem Alkoholkonsum. Bevor das bei ihm der Fall war, hat er 2001 dem Leben auf See den Rücken gekehrt. Vier Jahre später hat er einen Job in der Schweiz gefunden. Seither lebt er in Niedergösgen.

Brönnimann ist im Aargau aufgewachsen. Sie hat erst viel später zum Segeln gefunden: Ein segelbegeisterter Arbeitskollege hat sie angesteckt. Auf dem Bielersee hat sie ihre ersten Segelversuche gemacht und war sofort begeistert. «Ich hatte zuvor immer die Vorstellung, dass man auf dem Schiff eingepfercht ist und keine Bewegung kriegt», erklärt die Sportlehrerin. Dabei sei das Segeln ein Ganzkörpertraining.

Naturschutz und Sport auf den Wellen

Sie könnten das 20 Meter lange und 36 tonnenschwere Segelschiff zwar selber steuern, aber sie freuen sich, wenn die Gäste mit anpacken. Dafür müsse man nicht speziell sportlich sein. Eine Grundfitness ist gefordert und beweglich sollte man schon sein. Beide sind überzeugt, dass genau die Anstrengung diese Art der Ferien speziell macht. «Wenn einem das Leben auf See unbekannt ist, dann kann ein stürmischer Tag als gefährlich wahrgenommen werden», meint Kulpe. «Unter diesen Bedingungen kommt das Gefühl auf, dass man Unglaubliches erreicht hat.» Die Belohnung für die Anstrengungen einer Segelreise sei aber überwältigend: Während ruhigeren Episoden könne die Landschaft erkundet oder Tiere beobachtet werden: Orcas, Delfine, Seeadler und andere Tiere.

Die zwei nutzen ihre Zeit auf See unter anderem, um den Naturschutz zu unterstützen. «Wir sammeln während unserer Reisen Daten für verschiedene Organisationen», so Brönnimann. Letztes Jahr sind sie rund 12'000 km gesegelt; da kommen einige Daten zusammen. Sie habe diese Woche der Walschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation die Koordinaten ihrer Wal- und Robbensichtungen geschickt. Ausserdem entnehmen sie für Oceaneye Wasserproben. Die Genfer Organisation untersucht die Proben auf Mikroplastik. «Im Mittelmeer war die Verschmutzung mit Mikroplastik teilweise so hoch, dass wir Plastik schon mit blossem Auge gesehen haben», sagt Brönimann.

Der Törnplan für nächstes Jahr steht fest: Rund um die Nordsee, mit Halt in Norwegen, Schottland, Irland, England und via Amsterdam wieder Richtung Norddeutschland. «Die Herausforderung bei dieser Reise sind die starken Tiden», so der Fachmann. Das erfordert einiges an Wissen und Erfahrung, damit Skipper und Crew das Boot sicher durch Strömungen und Untiefen steuern können. Sie haben schon Anmeldungen von Hobbysegler, die das Gezeitensegeln lernen oder ihr Können üben wollen. Bis sie im Juli wieder in See stechen, liegt die «Timanfaya» in einer Werft in Peenemünde. Dort wird sie für die nächste Segelsaison fit gemacht.

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