Vollbepackt mit Laptop und einer prall gefüllten Pultmappe betritt Niedergösgens neuer Gemeindepräsident den Raum. Es ist seine erste Gemeinderatssitzung, die er in Kürze starten wird. Die meisten der neun Gemeinderäte haben sich schon im Saal eingerichtet. Auch einige Gäste gesellen sich am Montagabend dazu. Die Atmosphäre ist locker, teilweise wird gescherzt und gelacht.

Mit wenigen Minuten Verspätung eröffnet Roberto Aletti die Sitzung. Es stehen 21 öffentliche Punkte auf der Traktandenliste, zwei weitere finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Während der Begrüssung bedankt sich Aletti für das allgemeine Erscheinen und erachtet es als Ehre, die Journalistin dieser Zeitung an seiner ersten Gemeinderatssitzung begrüssen zu können.

«Ich bin als Neuling während einer laufenden Legislatur in einer speziellen Situation: Ihr seid alle bereits eingearbeitet – ich nicht», meint Aletti zu seinen Ratskollegen. Er wisse, dass alle unterschiedliche Erwartungen an ihn hätten und wünsche sich «zielführende Streitgespräche» und einen «respektvollen Umgangston». Aletti will sich offenbar noch stärker seinem neuen Posten widmen: Laut der Niedergösger Dorfzeitung «S’Dorfglüüt» hat er sich entschieden, seinen Job zu kündigen, damit er sich ab dem 1. Januar 2019 ausschliesslich auf sein Halbamt als Gemeindepräsident konzentrieren kann.

Erneute Debatte um Kapelle

Die Traktandenliste versprach keine langen Diskussionen. Vier Kreditanträge für laufende Sanierungsprojekte wurden vom Rat allesamt gutgeheissen. Auch um die Kreditfreigabe für das Pfadiheim wurde nicht lange diskutiert. Die erste Lesung des Budgets verlief ebenfalls ohne grössere Debatten.

Erst als das weitere Vorgehen des Kappellenumbaus thematisiert wurde, kam Stimmung auf: Gemeinderat Roland Baumann beantragte im Namen der CVP, dass der etappenweise Umbau von der Umbaukommission ausgearbeitet und dem Gemeinderat unterbreitet wird. Kurzer Rückblick: An der letzten Ratssitzung hatte das Gremium dem Kredit bereits zugestimmt. Folglich drehte sich die Diskussion einige Minuten im Kreis, weil nicht klar wurde, um was es eigentlich ging.

Besonders Vizegemeindepräsident Andreas Meier heizte die Diskussion an: «Lasst die Umbaukommission doch mal arbeiten. Wenn ihr ein Vertrauensproblem mit mir habt, frage ich mich ernsthaft, ob ich weiterhin in der Kommission bleiben soll.» Der CVP-Gemeindepräsident schlichtete mit den Worten: «Wir wollen nur, dass die Etappierung auf Papier kommt.»

Wieder eigene Fraktionen?

Auch die zweite Diskussion, die etwas hitzig wurde, ging von Meier aus. Gemeindepräsident Aletti beantragte, die Ratssitzungen in Zukunft auf 20 Uhr anzusetzen, damit vorher wieder Fraktionssitzungen stattfinden können. Dies nahm Andreas Meier zum Anlass, die Grundsatzfrage zu stellen, ob die CVP eine eigene Fraktion bilden wolle und wer in einer solchen Fraktion Mitglied wäre. Dies sah er im Widerspruch zur Tatsache, dass 2017 alle Gemeinderäte auf einer gemeinsamen Liste kandidierten und gewählt wurden.

Schlussendlich wurde bekannt gegeben, dass die CVP wieder eine eigene Fraktion bilden möchte. Es wurde auch erklärt, welche Gemeinderäte dazu gehören. «Es ist ja kein Geheimnis», meinte der Gemeindepräsident. Bei beiden Diskussionen schaute dieser dem Treiben lange zu. Als er sich dann einschaltete, bewahrte er Ruhe und versuchte zu vermitteln. Die Glocke, die vor ihm auf dem Tisch stand, musste er nicht einsetzen.

Pfadikredit freigegeben

Zwei Mal trat Aletti in den Ausstand und verliess den Saal. Das erste Mal, als es um die Abstimmung der Kreditfreigabe des Pfadiheims ging («Ich bin familiär vorbelastet: Meine Frau ist im Vorstand und meine beiden Töchter haben leitende Funktionen inne.») und das zweite Mal, als er in die Finanzkommission gewählt werden sollte. Bei beiden Traktanden übernahm Vizegemeindepräsident Meier die Leitung. Und beiden Punkten wurde einstimmig zugestimmt.
Nach etwas mehr als zwei Stunden war die Gemeinderatssitzung für die anwesenden Besucher zu Ende.