Schönenwerd
Rot-Schwarz-Weiss auf rauem Eis – Als im Bally-Park noch Eishockey gespielt wurde

Vor gut 65 Jahren wurde im Winter auf den Weihern im Bally-Park Eishockey gespielt. Einer der damals dabei war, ist Heinz Siegrist.

Christian von Arx
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Das einzige Bild der Schönenwerder Eishockeymannschaft, Ende der 1940er Jahre auf den gefrorenen Weihern im Bally-Park. Stehend, 2. von rechts Heinz Siegrist (heute Lostorf), ganz rechts Viktor Peier. Kniend, von links: Louis Siegrist (Gretzenbach, Bruder von Heinz), Erhard Rychard (Schönenwerd), die zwei Goalies Georges Schlatter und Ernst Gruber, Hans Stadler (Niedergösgen). Die anderen Spieler sind unbekannt.

Das einzige Bild der Schönenwerder Eishockeymannschaft, Ende der 1940er Jahre auf den gefrorenen Weihern im Bally-Park. Stehend, 2. von rechts Heinz Siegrist (heute Lostorf), ganz rechts Viktor Peier. Kniend, von links: Louis Siegrist (Gretzenbach, Bruder von Heinz), Erhard Rychard (Schönenwerd), die zwei Goalies Georges Schlatter und Ernst Gruber, Hans Stadler (Niedergösgen). Die anderen Spieler sind unbekannt.

zvg /Heinz Siegrist

Eishockey? Fürs Niederamt ist dieser Sport sozusagen gleichbedeutend mit dem EHC Olten. Aber das war nicht immer so. Ende der 1940er Jahre spielte der EHC Schönenwerd jeweils im Winter im auf einem gefrorenen Weiher im Bally-Park.

Den Beweis liefert Heinz Siegrist (86, Lostorf) mit einem Mannschaftsfoto. Der gelernte Dekorateur, der 42 Jahre bei Kleider Frey in Wangen arbeitete und mit dem Ende dieser renommierten Firma 1995 pensioniert wurde, gehörte selber zur Mannschaft und ist auf dem Bild zu sehen.

Wer dieses gemacht hat und wann genau die Aufnahme entstanden ist, kann er heute nicht mehr sagen. Am Ort hat er dagegen keinen Zweifel: «Es war sicher auf dem Weiher, man sieht den Schnee und wie unruhig das Eis ist.» Der Hintergrund ist völlig dunkel – Winternacht. Vielleicht wurde das Foto nach einem abendlichen Training gemacht.

Die kalten Winter genutzt

Eishockeyspielen auf den Weihern im Bally-Park? Das wäre heute kaum mehr möglich. Nur noch selten bildet sich eine dünne Eisschicht, vor dem Betreten wird gewarnt. Das war in Siegrists Jugend anders. Er ist 1931 in Schönenwerd geboren und an der Bahnstrasse aufgewachsen. «Kälteperioden mit 10 bis 15 Grad unter Null gab es jeden Winter», erinnert er sich. «Dann waren die Weiher gefroren, darauf wurde Schlittschuh gelaufen, und die Buben spielten Eishockey.»

Dabei galt «Spielen auf eigene Gefahr». Heinz Siegrist: «Das Eis haben wir selber unterhalten und den Schnee beseitigt. Später machte die Gemeinde eine kleine Bande. Das war besser, dann flog der Puck nicht jedesmal raus.»

«Später haben wir einen inoffiziellen Club gegründet und sind als EHC Schönenwerd aufgetreten», erklärt der rüstige Lostorfer weiter. Einen Präsidenten gab es nicht. «Ausrüstung und Dress hat jeder selber bezahlt.» Das historische Foto ist eine Schwarz-Weiss-Aufnahme. Aber Heinz Siegrist erinnert sich: «Das Dress war dunkelrot, ohne Aufschrift, die Hosen schwarz.» Zusammen mit den weissen Streifen an den Stulpen ergibt das die Farben des Schönenwerder Wappens: Schwarz, Weiss, Rot.

Heinz Siegrist (86) spielte Ende der 1940er Jahre Eishockey beim EHC Schönenwerd und später Nationalliga-B-Handball bei Young Boys Bern.

Heinz Siegrist (86) spielte Ende der 1940er Jahre Eishockey beim EHC Schönenwerd und später Nationalliga-B-Handball bei Young Boys Bern.

Evelyne Siegrist

Freundschaftsspiele auch auswärts

Trotz dem schönen Dress: «Es war alles improvisiert und amateurhaft.» Trainiert wurde abends nach der Arbeit, neue Spieler stiessen mit der Frage «kann ich auch mitspielen?» dazu. Meisterschaftsspiele trug die Mannschaft keine aus, das Eisfeld hatte keine Markierungen. Einen Trainer hatten die Schönenwerder Eishockeyaner nicht. Sie hätten sich die Regeln selbst beigebracht und wohl ab und zu Spiele als Zuschauer besucht. Eine Verbindung zum EHC Olten gab es: «Ruedi Fink aus Olten, der später Wirt im Restaurant Jura beim Bahnhof war, spielte beim EHCO und half bei uns aus.»

Der EHC Schönenwerd habe nur Freundschaftsspiele ausgetragen. Die Gegner konnten aber durchaus «richtige» Mannschaften sein. Heinz Siegrist erinnert sich an Spiele gegen die Mannschaften von Engelberg und Sissach. Gegen diese Teams trat Schönenwerd auswärts an, in richtigen Eisstadien. «Unser Spielbetrieb dauerte vielleicht zwei bis drei Jahre. Dann fiel der Club auseinander, weil etliche weggezogen sind.»
Sportliche Leistungsfähigkeit und Ehrgeiz wären beim EHC Schönenwerd wohl schon vorhanden gewesen. Viktor Peier etwa, auf dem Bild der Typ «Schrank» ganz rechts in der hinteren Reihe, von Beruf Créateur bei Bally, war laut Siegrist ein erfolgreicher Leichtathlet und Schweizer Meister über 400 Meter Hürden.

Mit Gebi Poltera in Arosa

Auch für Heinz Siegrist selbst war der EHC Schönenwerd nur der Anfang einer sportlichen Laufbahn. Eishockey spielte er noch zwei Saisons bei Blau-Weiss Zürich. Das war zwar ebenfalls ein Plauschklub. Immerhin absolvierte dieses Team ein einwöchiges Trainingslager in Arosa, damals das Mekka des Schweizer Eishockeys. Siegrists Augen strahlen noch heute: «Dort trainierte uns Gebi Poltera – gratis, einfach so.» Poltera (1923–2008) ist eine Eishockeylegende: Serienschweizermeister mit dem EHC Arosa und Nationalspieler mit Olympia-Bronze von den Winterspielen 1948 in St. Moritz.

Noch erfolgreicher als im Eishockey war Siegrist im Handball. Ein Schiedsrichterhabe ihn nach einem Spiel mit dem TV Schönenwerd ins Restaurant Sportplatz bestellt und gefragt, ob er nicht bei YB spielen wolle. Er sagte zu und kam so zu Feldhandballmatches im Wankdorf-Stadion. «Die Mannschaft spielte in der Nationalliga B, wir standen zweimal im Schweizer Cupfinal.» Zwei- bis viermal in der Woche reiste Siegrist damals nach der Arbeit in Zürich mit dem Zug ins Training nach Bern und spät nachts mit dem Zug wieder nach Schönenwerd. Und am andern Morgen wieder an die Arbeit nach Zürich.