Verona, im 16. Jahrhundert von Shakespeare: Capulets Garten, Romeo tritt auf, spricht einige Sätze. Julia erscheint oben am Fenster. «O Romeo! Warum denn Romeo?» Niedergösgen, im 21. Jahrhundert: Romeo schleicht der Felswand von Schloss Falkenstein entlang. Spricht, hält inne, schaut nach oben und erblickt sie. Oben, auf der Treppe steht Julia, und sagt: «Romeo, o Romeo».

In schweizerdeutscher Sprache

Auch 400 Jahre nachdem Shakespeare die wohl berühmteste Liebesgeschichte der Welt schrieb, vermag sie immer noch Amateur- wie Profischauspieler in ihren Bann zu ziehen. So wagt sich in diesem Jahr der Verein Schlossspiele Falkenstein an Shakespeares Werk heran. «Das Stück wurde eigens für diese Aufführungen ins Schweizerdeutsche übersetzt», erklärt Regisseurin Käthi Vögeli. Romeo und Julia in schweizerdeutscher Sprache, geht das? Ja, tut es. Auch, weil viele der Dialoge in Versform gehalten sind, kommen die Dialoge authentisch daher.

Aufpassen mussten die Schauspieler trotzdem: Je nach Dialekt werden zwei Vokale schnell zu einem und dann geht das Versmass nicht mehr auf. Im Gegensatz zu Shakespeares Original spielt Käthi Vögelis Version in der heutigen Zeit: mit modernen Kleidern und in zeitgemässer Sprache. Während des Stücks werden fast keine Requisiten verwendet, auch ein Bühnenbild im eigentlichen Sinne ist keines vorhanden.

Käthi Vögeli erklärt: «Der Brunnen, die Felswand und die Treppe können vielfältig genutzt werden und stellen so das Bühnenbild dar.» Unterscheiden kann man die beiden Clans, die Capulets und die Montagues, aber dennoch: Eine Familie trägt Kostüme in Rottönen, die andere in Blau.

Speziell komponierte Musik

Insgesamt spielen beim Stück rund vierzig Personen mit. Damit so viele Schauspieler gefunden werden konnten, wurde mit den ersten Castings im Herbst 2015 begonnen. Im Februar erhielten die Schauspieler die Zusagen und seither folgten die Proben.

Neben der Suche nach geeigneten Schauspielern war auch die restliche Produktion vergleichsweise aufwendig, wurde doch beispielsweise die ganze Musik vom Saxofonisten Fabian Capaldi in Eigenregie für die Schlossspiele komponiert und produziert. «Durch die Einspielungen entstehen emotionale, packende und leidenschaftliche Stimmungen, die sich mit poetischen Momenten abwechseln», erklärt er. Für ihn und Käthi Vögeli sind diese Aufführungen quasi Heimspiele, wohnen doch beide in Olten.

Emotionen als Herausforderung

Ein Heimspiel durch und durch ist es für Jamie Mahlstein. Sie wohnt in Niedergösgen. Und spielt Julia. «Ich bin eigentlich mit der Erwartung zum Vorsprechen gegangen, eine Statisten-Rolle zu ergattern», sagt sie lachend. «Auch ich habe anfangs nicht damit gerechnet, eine der Hauptrollen spielen zu dürfen», meint ihr Angebeteter Romeo, der im wahren Leben Lorenzo Pedrocchi heisst, aus dem Kanton Basel-Land stammt und sich gerade zum Gymnasial- und Berufsschullehrer ausbilden lässt.

Beide haben Theatererfahrung: Jamie Mahlstein spielte im Schultheater mit und schrieb und inszenierte als Maturaarbeit ein eigenes Theaterstück. Lorenzo Pedrocchi hat schon bei diversen Musicals mitgewirkt. Erfahrene Theaterleute also. Und trotzdem, eine Herausforderung sei es gewesen, für beide, da sind sie sich einig. Ihr Zusammenspiel hätte von Anfang an gut geklappt. «Erstaunlich gut», wie Lorenzo Pedrocchi feststellt. «Das liegt wohl auch daran, dass wir von Beginn weg eine natürliche Umgangsart fanden, so war mir beim Spielen nie unwohl», führt Jamie Mahlstein aus. Und dies kauft man den beiden auch ab.

Man kennt sich, macht Witze mit- oder gar übereinander, ist vertraut. So wie eigentlich das ganze Ensemble. Dies mag zuweilen erstaunen, sind die jüngsten Schauspieler im Teenageralter und die Ältesten stehen kurz vor der Pension.

Shakespeares Drama ist bekannt für starke Emotionen: Hass, Liebe, Angst. Diese Gefühle authentisch darstellen zu können, bildete für Jamie Mahlstein und Lorenzo Pedrocchi eine weitere, grössere Herausforderung: «Wir können uns nirgends verstecken, wir haben nur unsere Stimme und unseren Körper, die wir zur Geltung bringen können», erzählt Jamie Mahlstein. Und was bleibt den beiden am Ende davon? «Viele unvergessliche Erinnerungen.» Und Ruhm und Ehre, sagen sie augenzwinkernd.