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Winznau debattiert weiter über Tempo 30: Gemeinde prüft nun die Begehren vertiefter

Der Gemeinderat zieht nach zweijähriger Arbeit einer Spezialkommission Bilanz zu Vor- und Nachteilen.

Cyrill Pürro
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Bruno Kissling

Langsamen Verkehr für mehr Verkehrssicherheit: Tempo 30 macht es möglich – oder soll es möglich machen. Denn in der Gemeinde Winznau wird über die Einführung von Tempo-30-Zonen laufend debattiert. Im Mai 2019 setzte der Gemeinderat der Einwohnergemeinde Winznau hierzu die Spezialkommission «Tempo 30» ein. Deren Aufgabe war es, die Vor- und Nachteile von Tempo 30 auf dem Gemeindegebiet Winznau abzuklären.

Nach langer Zeit liegt der Abschlussbericht vor

Nach zwei Jahren, 15 Sitzungen und verschiedenen Begehungen vor Ort stellte die Spezialkommission «Tempo 30» dem Gemeinderat an seiner Sitzung vom 14. September 2021 den Abschlussbericht vor. Die Spezialkommission informierte detailliert über die erarbeiteten Vor- und Nachteile einer möglichen Einführung von Tempo 30 in Winznau. Dies geht aus dem Bericht der Gemeinderatssitzung hervor.

Oberste Priorität hatte dabei die Überprüfung der Verkehrssicherheit. Denn Eingaben aus der Kommission zeigen: Ein erhöhtes Begehren nach mehr Sicherheit ist durchaus vorhanden. Das bestätigt auch Gemeindepräsident Daniel Gubler auf Anfrage. Grösstenteils beschränkten sich diese Eingaben auf einzelne Strassen wie die Lostorferstrasse oder die Kleinfeldstrasse.

«Es handelt sich bei der Lostorferstrasse um einen Schulweg, der tagtäglich von zahlreichen Schulkindern passiert wird»,

erklärt Gubler.

Auch bei anderen Quartierstrassen soll geprüft werden, ob der Verkehr mit Massnahmen gedrosselt werden muss, um sie so sicherer und kinderfreundlicher zu machen. Gubler hat auch schon in anderen Gemeinden beobachtet, dass Tempo 30 die Sicherheit steigert – und zu besserer Überschaubarkeit des Verkehrs beiträgt. «Schlussendlich können Unfälle nie ganz verhindert werden», so Gubler. Eine Verlangsamung des Verkehrs würde aber dazu führen, dass sich Fussgängerinnen und Fussgänger auf der Strasse wohler fühlen.

Daniel Gubler, Gemeindepräsident von Winznau.

Daniel Gubler, Gemeindepräsident von Winznau.

Bruno Kissling

Winznau will «gesamtheitliche Lösung finden»

Ein weiterer Vorteil, den Gubler erwähnt, ist die Klarheit und Übersichtlichkeit des Verkehrs, die durch Tempo-30-Zonen entstehen würde.

«Mehr Sicherheit auf den Strassen ist für unsere Gemeinde sicher wünschenswert»,

sagt er. Trotzdem wartet der Gemeinderat mit konkreten Entscheidungen zu. Er hat die Begehren aufgenommen, ist jedoch der Ansicht, dass einzelne lokale Lösungen nicht zielführend sind. Deshalb hat er die Überprüfung für das gesamte Gemeindegebiet beschlossen. «So können wir eine gesamtheitliche Lösung finden», sagt Gubler.

Ob geplant sei, eine Tempo-30-Zone über das gesamte Gemeindegebiet von Winznau einzuführen, ähnlich wie beim «Dulliken-Modell»? Gubler schliesst nichts aus. Den abschliessenden Entscheid hat der Gemeinderat noch nicht gefällt. Er wartet damit bis nach der geplanten Infoveranstaltung im nächsten Jahr. Planung und Einführung von Tempo 30 seien nicht zuletzt aufgrund der gesetzlichen Vorgaben mit hohen Kosten verbunden. Diese Kosten seien mitunter Grund für kontroverse Diskussionen innerhalb von Gemeinden, welche mit dem Gedanken einer Einführung Tempo 30 spielen.

Die Bevölkerung von Winznau soll im Frühjahr oder Sommer 2022 anlässlich einer Informationsveranstaltung über das Projekt informiert werden. Dabei werde die Möglichkeit bestehen, sich im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens dazu zu äussern.

Einführung soll 2023 erfolgen

Bis November 2022 sollen die Planungsarbeiten für die Projektausarbeitung vergeben werden, sodass eine mögliche Einführung von Tempo 30 in Winznau im Jahr 2023 realisiert werden könne. Im Bericht der Gemeinderatssitzung steht weiter: «Es ist dem Gemeinderat wichtig, dass ein Entscheid gefällt wird, welcher auch die Mitwirkungsbeiträge der Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde berücksichtigt und zur Sicherheit im Strassenverkehr beiträgt.»

Debatte in Niederämter Gemeinden zu Tempo 30

Hier scheiden sich die Geister

In Dulliken wurde vor drei Jahren in sämtlichen Quartierstrassen Tempo 30 eingeführt. «Davon ausgenommen sind das Industrieareal und die Kantonsstrasse», erklärt Gemeinderat und Ressortleiter für öffentliche Sicherheit Konrad Schenker auf Anfrage. Es war ein beschwerlicher Weg bis zur Einführung, es kam zu widersprüchlichen Meinungen und Diskussionen. «Die Vorlage wurde sehr knapp angenommen», so Schenker. Inzwischen sei das Verkehrsregime aber allgemein akzeptiert. In Lostorf ist noch eine Studie zu Tempo 30 im Gange. Auch hier rechnet man mit Diskussionen. «Entscheide zu Tempo 30 fallen vielmals 50 zu 50 aus, also sehr knapp», so Bauverwalter Heinz Marti. Geplant sei, noch dieses Jahr eine Vorlage vor den Gemeinderat zu bringen. (ckp)

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