Kameras und Mikrofone sind in den engen Raum gedrängt, Mitarbeiter schwirren zwischen Kühlschränken und Tischen umher, ein Mann redet wild mit den Armen gestikulierend auf die Wirtin ein. Es herrscht Hektik im Restaurant Ristorante Da Teresa in Erlinsbach SO. Denn zu Besuch ist ein besonderer Gast: Daniel Bumann, der Restauranttester beim privaten TV-Sender 3+. Er ist wohl bei Herrn und Frau Schweizer schon öfters über den Bildschirm geschwirrt, hat mit strenger Stimme und stets mit den Händen erklärend versucht, bei seinen Schützlingen und ihren Gastronomiebetrieben zu retten, was noch zu retten ist.

Aus den Wohnzimmern der Region ist er nun in die Speuzer Beiz getreten und versucht dies auch hier. Um Hilfe gerufen hat ein Kunde und Kollege der Wirtin Teresa Urso Stranieri. Vor einem Jahr hat sie das Ristorante Da Teresa eröffnet – ohne Erfahrung im Gastrobereich, was ihr jetzt zum Verhängnis wurde. Denn, wie Bumann deutlich macht: «Es ist schon fast zu spät. Es ist schon fünf nach zwölf.»

Bumann in Erlinsbach keine Hilfe?

Bumann in Erlinsbach keine Hilfe?

Oft ist er die letzte Rettung, kann aber den wenigsten helfen. Daniel Bumann der Restauranttester hat eine düstere Erfolgsbilanz.

Beruf wird unterschätzt

Im Fall Ristorante Da Teresa sei praktisch alles schiefgelaufen, das hätte schieflaufen können. Die Wirtin hat ihr gesamtes Hab und Gut in den Mietbetrieb investiert und wollte das Restaurant alleine führen. Schnell musste sie merken, dass ihr das Geld langsam ausging, bis sie schliesslich Schulden zu verzeichnen hatte. «Ich dachte halt, ich schaffe das alleine», seufzt sie. Bumann sieht mehrere Gründe für den Misserfolg.

Einerseits hat Teresa Urso Stranieri einen Standort ausgewählt, an welchem die Konkurrenz nicht schläft: Südlich über die Strasse ist der «Löwen» zu finden, östlich gegenüber die «Schmitte», nordöstlich kann man im «Andy’s Place» essen gehen. «Wir haben in der Schweiz generell eine grosse Menge an Gastrobetrieben, die Konkurrenz ist also immer enorm, wenn man ein Restaurant eröffnet», so Bumann. Kann man mit seinem Konzept nicht herausstechen und überzeugen, gehe man unter. Daran müsse Urso Stranieri arbeiten, ihre ganze Kraft zusammennehmen und noch einmal alles geben. Das wolle sie auch: «Aufgeben kommt nicht infrage, ich kämpfe», sagt die Wirtin bestimmt.

Einen weiteren Grund sieht Bumann darin, dass die Wirtin nicht aus Erlinsbach stammt und nie gross versucht habe, die Einheimischen in ihr Projekt einzubeziehen. Man habe ihr Restaurant nicht gekannt und es daher auch nicht besucht. Ein weiterer Aspekt sei, dass sie alles selber machen wollte – kochen, servieren, abwaschen. «So, wie es jetzt ist, ist es einfach kein professioneller Betrieb. Sie hat den Beruf unterschätzt», fasst Bumann zusammen.

Der harte Bumann kann auch sanft

Diese Dinge wirft Daniel Bumann, wie man ihn auch aus dem Fernsehen kennt, der Wirtin ungebremst und streng an den Kopf. Schönreden gibt es hier nicht. Doch im Gespräch zeigt sich: Der gnadenlose Restauranttester kann auch anders, hat auch eine weiche Seite. «Natürlich tut es weh, wenn ich sehe, wie die Restaurants, denen ich helfen wollte, trotzdem schliessen müssen», so Bumann enttäuscht. Denn seine Projekte liegen ihm am Herzen. So blitzt auch manchmal ein positives Feedback zwischen der Kritik hervor: «Der Salat, den ich probiert hatte, hat mich enttäuscht. Die Panini waren ganz OK. Aber die Spaghetti waren hervorragend!», so Bumann begeistert.

Daran wolle er arbeiten: Die Dinge, die sie gut kann, sollen hervorgehoben werden. Diese Zutat, gemischt mit etwas mehr Ambiente im Restaurant, einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter im Service und mehr Verankerung im Dorf und bei den Einheimischen, könne Teresa Urso Stranieri noch zum Erfolg führen. «Garantieren kann ich das natürlich nie», so Bumann. «Man kann die Leute eben nicht zu ihrem Glück zwingen», fügt er an.

Sein grösster Fan ist auch dabei

Mitgefühl und eine weniger harte Seite zeigt Bumann in Erlinsbach jedoch nicht nur bei Urso Stranieri, sondern auch bei einem ganz besonderen Fan seiner Sendung. Nico Mazzolini, ein Junge aus Niederbipp, habe im Krankenhaus jede Ausgabe von «Bumann, der Restauranttester» geschaut, als er seinen jahrelangen Kampf gegen die Leukämie führen musste. Als dessen Mutter Anita Mazzolini gehört habe, dass Bumann in der Region sei, habe sie Ingrid Bumann kontaktiert und um ein Treffen gebeten. «Da haben wir natürlich sofort ja gesagt», so Ingrid Bumann.

In einigen Monaten wird Bumanns grösster Fan die Sendung auf 3+ sehen – nichts im Vergleich dazu, die viertägigen Dreharbeiten in Erlinsbach mitzuverfolgen. Und während Bumann wieder beginnt, mit Härte, Leidenschaft und Händen zu gestikulieren, sitzt Nico auf der Terrasse, schaut durchs Fenster ins Innere und lächelt zufrieden.