Trimbach
Rar gewordenes Handwerk: Der letzte Buchbinder der Region will Geschäft verkaufen

Bruno Ursprung führt seine Buchbinderei in Trimbach seit 52 Jahren. Nun möchte der 76-Jährige sein Geschäft verkaufen.

Isabel Hempen
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Bruno Kissling

Es war das Jahr 1965, als Bruno Ursprung die Buchbinderei an der Oltner Frohburgstrasse von seinem Vorgänger übernahm. An der Frohburgstrasse ist sein Geschäft indes schon längst nicht mehr zu finden. Nach mehreren Standortwechseln in Olten und Trimbach ist die Buchbinderei Ursprung seit 2008 an der Baslerstrasse 189 zu Hause.

Bruno Ursprung führt seine Buchbinderei seit 52 Jahren. Und der 76-Jährige steht immer noch selbst im Geschäft. «Schauen Sie, gestern habe ich dieses Gästebuch gemacht», sagt er, und blättert durch ein grossformatiges Leerbuch mit cremefarbenem Kunstledereinband.

Die Bindung für diesen Buchtyp sei eine besondere, sagt er, die Seiten wölben sich beim Blättern nach oben. «Ich habe sicher schon zwei Jahre kein Gästebuch mehr hergestellt», fügt er an. Zünfte gäben hin und wieder eines in Auftrag.

Gericht lässt Protokolle binden

Seit der Onlinehandel aufkam, hat sich Ursprungs Geschäft verändert. «Früher gingen Fotoalben sehr gut. Aber heute will das praktisch keiner mehr», sagt er. Ein Fotobuch, das bei ihm auf zwischen 100 und 200 Franken zu stehen kommt, sei im Internet viel günstiger zu haben.

Dennoch möchte er nicht klagen. «Das Geschäft könnte zwar besser laufen. Aber zum Überleben reicht es.» Schliesslich sei er der einzige verbleibende Buchbinder in der Region. Er habe viele Stammkunden. «Für den nächsten Buchbinder müssen Sie nach Solothurn rauf», sagt er, der auf zwei langjährige Mitarbeiterinnen zählen kann.

Neben dem Buchbinden spezialisierte sich Ursprung von Anfang an auch aufs Einrahmen. Die Arbeit ist in seinen Augen verwandt mit der des Buchbinders. «Man muss Geschmack haben: entscheiden, welche Farbe passt, ob ein Bild ein Passepartout benötigt oder nicht.»

Heute seien besonders Rahmen aus Eichen-, Buchen- oder Lindenholz im Trend. «Die farbigen Rahmen laufen derzeit nicht so.» Ausserdem habe er vor drei Jahren einen Rahmenvergolder im 50-Prozent-Pensum-eingestellt. «Früher war das Verhältnis etwa halb-halb, aber aktuell haben wir fast mehr Buchbinder-Aufträge als Einrahmungen», sagt er. Das Amtsgericht und Juristen lassen bei ihm etwa Protokolle binden, wobei er vorher per Unterschrift bestätigt, dass er diese nicht lesen wird.

Goldenes Handwerk

Das Metier des Buchbinders lernte Ursprung beim Walter Verlag in Olten. Danach ging er ein Jahr zur «Tribune de Genève» in Genf und verbrachte anschliessend ein Jahr in Paris, wo er sich zum Vergolder weiterbildete. Er zeigt verschiedene Einbanddeckel aus Leder, die mit Goldmustern verziert sind. «Das ist echtes Blattgold», sagt er. «Aber das habe ich schon 20 Jahre lang nicht mehr gemacht.»

Er holt auch einige Stempel hervor, mit denen die Muster geprägt werden. «Buchbinder ist ein künstlerischer Beruf, man muss Freude haben am Gestalterischen.» Er liebe es, Bücher mit echtem Leder einzubinden. Aber auch Leinwand und Kunstleder kämen häufig zum Einsatz. «Mich fasziniert der handwerkliche Aspekt an meinem Beruf. Man schafft immer wieder etwas Neues.»

Ursprung nennt seinen Beruf sein «grösstes Hobby». Trotzdem, sagt er, wolle er das Geschäft verkaufen. Möglicherweise wird es sein Vergolder übernehmen. «Ich habe mit ihm abgemacht, dass ich dann ab und zu noch etwas basteln käme», sagt er. Aber einen definitiven Käufer habe er noch nicht.

Für seine Kunden richtete Ursprung vergangenes Wochenende ein Fest aus. Zum 50-Jahr-Jubiläum, auch wenn er sein Unternehmen eigentlich schon seit 52 Jahren führt. «Das war ich meinen Kunden schuldig», findet er.

Eine kleine Geste, um ihnen als Dank für die langjährige Treue etwas zurückzugeben. Auch sonst drückt er seinen Kunden manchmal ein kleines Geschenk in die Hand. Etwas, was er in der Werkstatt selbst hergestellt hat. «Am Schluss kann ich ohnehin nichts mitnehmen», sagt er. «Alles ist nur geliehen.»