An der Kreisschule Mittelgösgen in Obergösgen herrscht seit Dienstag Morgen Ausnahmezustand: Statt normalem Unterricht findet an eineinhalb Tagen das Projekt «KreisKultur» statt. Mit halbtägigen Workshops soll den etwa 260 Schülern der Sekundarstufe I Kultur näher gebracht werden. «Wir möchten, dass die Kinder in überchaubaren Gruppen verschiedene Zugänge zur Kultur erhalten und diese auch praktisch ausprobieren können», erklärt Schulleiter Andreas Basler auf dem gemeinsamen Rundgang durch die Schulräumlichkeiten.

Die Stimme, die aus einem Klassenzimmer im Obergeschoss der Kreissschule schallt, ist bekannt: Es ist jene von Barbara Terpoorten, die in der SRF-Serie «Der Bestatter» die Hauptkommissarin mimt. «Wir sind gerade bei der Mordszene», ruft sie dem eintretenden Besuch zu. Tatsächlich: Nachdem Schülerin Viva, die eine Barkeeperin spielt, sich einen Schluck Cola genehmigt, taumelt sie benommen und stürzt hinter dem Bügelbrett, das als Theke dient, zusammen. Sofort bricht Chaos in der Bar aus. Geschrieben wurde das kurze Setting von Terpoorten, weiterentwickelt zusammen mit den Jugendlichen.

Mit der Slam-Poetin Patti Basler ist ein weiterer prominenter Gast anwesend. Sie übt mit den Kids das Schreiben von Slam-Texten und sucht dabei nach Themen, die die Jugendlichen beschäftigen. Eltern, Schule, Freundschaft, Handy.

Viele handwerkliche Kurse

Insgesamt finden elf Kurse zu den unterschiedlichsten Aspekten der Kultur statt: Improvisationstheater, Glasblasen oder Breakdance sind nur drei davon. Am Dienstagmorgen sind die Schüler der 7. Klasse an der Reihe, am Nachmittag jene der 8. Klasse und am heutigen Mittwochvormittag die der 9. Klasse. Sie verbringen jeweils einen Halbtag im gleichen Workshop, an den anderen beiden Halbtagen ist normaler Unterricht nach Spezialstundenplan angesagt. So absolviert jedes Kind einen Workshop.

Im Untergeschoss der «Kreisi» geht es hitzig zu und her: In einem Kurs werden Formen aus Messing gegossen, anderswo wird Glas geblasen. Die Teilnehmerzahl ist in diesen Kursen mit fünf bis sechs Kids besonders tief gehalten, damit alle zum Messinggiessen beziehungsweise zum Glasblasen kommen und individuell betreut werden können.

Noël Ruben schmelzt Messing für seine Form. Werklehrer Michael Bielser hilft dabei.

Noël Ruben schmelzt Messing für seine Form. Werklehrer Michael Bielser hilft dabei.

Auch im UG des Gebäudes wurde eigens für den Kurs von Künstlerin Anna-Katharina Scheidegger ein Fotolabor mit Dunkelkammer eingerichtet. «Wir haben draussen mit einer Camera Obscura Fotos gemacht und entwickeln sie nun drinnen», erklärt der 13-jährige Amato aus Lostorf. Kameradin Michelle ergänzt: «Es ist eindrücklich, was daraus entsteht.»

Auch Thomas Murer, besser bekannt unter seinem Künstlernamen MC Tomahawk, ist zu Gast. Er bringt den Kids das Rappen bei. Jonas Deubelbeiss’ Kurs geht in eine ähnliche Richtung: Bei ihm lernen die Jugendlichen, wie Breakdance funktioniert. «Viel wird mit der richtigen Technik und dem Schwung gemacht, so viel Kraft ist gar nicht dabei», erklärt er, während die Schüler ein Video eines Tanz-Battles anschauen.

Kochen für den Apéro

Das Ziel des Projekts sei nicht nur, Kultur zu vermitteln, sondern den Kindern auch Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, die sie später in der Schule oder im Berufsleben brauchen könnten: «Theater oder Slam-Texte helfen bei Vorträgen, beim Messinggiessen wird die Handhabung von Maschinen und Werkzeugen geprobt», weiss Schulleiter Andreas Basler.

Isabel zeigt ihre aus Abfall gebaute elektrische Gitarre.

Isabel zeigt ihre aus Abfall gebaute elektrische Gitarre. 

Im Hauswirtschaftszimmer ist Kulinarik angesagt: Marin Alemann, der Wirt des Oltner Restaurants «Flügelrad», führt mit zwei ehemaligen «Kreisi»-Schülern und heutigen Koch-Lernenden in die Kunst des Kochens ein. Entstehen soll einerseits etwas fürs Mittagessen und andererseits Häppchen für den Apéro, der am Abend folgt. Er zeigt Schülerin Chantal, wie sie den Plunderteig auswallen soll, sodass später Apérogebäck wie Grissini draus entstehen können. Was sie denn am liebsten möge an diesem Kurs? «Eben das Backen», sagt sie und lacht.